http://www.faz.net/-gtl-7tqd5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.09.2014, 11:49 Uhr

Volleyball-Bundestrainer Heynen „Deutschland muss immer bei den besseren sein“

Seine Volleyballer spielen bei der WM bislang gut auf - für null Euro. Bundestrainer Heynen, ein Belgier, fordert mehr Wertschätzung in Deutschland auch für Handball und Basketball - und nicht nur für Fußball.

von
© dpa Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen: Gold für Handball, Silber für Basketball, Bronze für Volleyball

Haben Sie nach der erfolgreichen Vorrunde den Eindruck, Sie müssten noch etwas verbessern im Hinblick auf die Zwischenrunde?

Achim Dreis Folgen:

Immer, wenn man denkt, dass man irgendwo ist, ist man nirgendwo. Das ist die Gefahr im Sport. In den letzten vier Spielen haben wir uns ständig verbessert. Und am Sonntag gegen Korea war es richtig überzeugend, so klar und so deutsch - und damit meine ich: so kontrolliert, ohne Fehler - also ich hoffe, dass wir noch einen Schritt nach vorne machen können.

Welchen Gegner fürchten Sie denn von den vieren, die jetzt kommen: China, Bulgarien, Russland und Kanada?

Die Gegner in der Zwischenrunde werden immer ausgeglichener. Ich erwarte Ergebnisse, die man von außen nicht erwartet. Das erste Spiel ist China, das müssen wir gewinnen. Und dann mal sehen, was kommt.

Sie haben 14 Spieler dabei, dürfen aber nur zwölf pro Spiel einsetzen. Und immer nur sechs können aufs Feld. Wie halten Sie die Spieler bei Laune?

Schwierige Aufgabe. Es ist unglaublich: Am 21. Juni, als wir mit der Vorbereitung angefangen haben, stand in den Regeln, dass 14 Spieler in jedem Spiel eingesetzt werden können. Also hab ich den Spielern versprochen, so, Jungens: Ihr 14 seid dabei, und ihr spielt alle. Und dann bringt die FIVB zwei Wochen vor der WM eine Regel raus: Ihr dürft übrigens nur 12 Spieler einsetzen. Jetzt muss ich jeden Tag neu nominieren, und das ist unglaublich schwierig. Ich versuche es den Jungs zu erklären, aber ich sehe manchmal an den Gesichtern, dass es nicht so angenehm ist. Und das verstehe ich.

Aber noch ist die Stimmung gut?

Es ist auch für mich schmerzhaft, ich mache das nicht gerne, und die Spieler wissen das. Manchmal weiß ich nicht, wie ich nominieren muss. Die Betroffenen sind enttäuscht, aber sie verstehen, dass es auch für mich ein sehr großes Problem ist.

Volleyball World Championship 2014 © dpa Vergrößern Erfolgreich, aber unterbewertet: deutsche Volleyballspieler sind zu lieb, zu nett, zu ruhig

Sechs Ihrer Nationalspieler werden in der kommenden Saison als Profis in Polen spielen. Sie selbst sind auch Vereinstrainer in Polen. Haben Sie ihnen zugeraten?

Das Erste, was ich in Polen gemacht habe, ist, dass ich meine Spieler „verkauft“ habe. Ich finde, dass deutsche Spieler oft etwas unterbewertet sind. Sie verkaufen sich oft nicht gut genug. Sie sind viel zu lieb und viel zu nett und viel zu ruhig. Wenn Spieler mich gefragt haben, ob sie ein Angebot aus Polen annehmen sollen, habe ich ihnen natürlich gesagt: ,Denk darüber nach, denn das ist das neue Italien.‘ Wenn Italien früher das Land war, wo jeder hinwollte, dann ist es die nächsten fünf Jahre Polen. Wenn die Polen hier eine Medaille bekommen, und es sieht gut aus, dann wird es erst einen richtigen Boom geben, der wird dann noch größer als bisher. Polen ist ein Land, das kurzfristig und langfristig sehr interessant ist für Volleyball.

Wie ist denn zu erklären, dass Volleyball in Polen so populär geworden ist?

Man hatte vor acht bis zehn Jahren große Probleme mit Hooligans im Fußball. Und dann hat man von Regierungsseite gesagt: ,Wir dürfen nicht nur Fußball promoten, weil Fußball kein Familiensport ist, da gibt es viel zu viele Probleme.‘ Also hat man die Entscheidung getroffen: ,Lasst uns Volleyball unterstützen.‘ Es hat damit angefangen, das überall schöne Hallen gebaut wurden. Städte, nicht Sponsoren, unterstützen Volleyball-Mannschaften. Und das Fernsehen macht auch mit. Bei meiner Vereinsmannschaft zum Beispiel, Bydgoszcz (Bromberg), kamen von den letzten fünf Spielen vier live im Fernsehen. Und dann zeigt man die nächsten Tage noch eins, zwei Wiederholungen. Man sieht in Polen jeden Tag Volleyball im Fernsehen, Männer, Frauen, Jugend. Freitag, Samstag, Sonntag live. Und wenn man immer Volleyball sieht, wird man irgendwann Volleyball-Fan. Lass uns ehrlich sein: Deutschland ist gut im Fußball, aber wenn man immer nur Fußball zeigt, kennt auch jeder nur Fußball und ist Fan. Ganz einfach.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mario Gomez Ich will so hoch hinaus wie möglich

Für Mario Gomez beginnt mit dem Vorbereitungs-Trainingslager in Ascona der Kampf um einen Platz in der Nationalmannschaft. Im Interview spricht der Torjäger über gewünscht 26 Männer im Arm und seinen Heldenstatus in Istanbul. Mehr

25.05.2016, 14:09 Uhr | Sport
Olympische Spiele 2012 Die deutschen Judoka - von bescheiden bis selbstbewusst

Bei Olympia gelten deutsche Judoka als Medaillenkandidaten. Mancher gibt sich bescheiden, andere melden klare Ansprüche an: Olympiasieger Ole Bischof verweist darauf, dass vier Jahre im Kampfsport eine lange Zeit sind, Claudia Malzahn möchte ihr bestmögliches Judo zeigen, für Andreas Tölzer zählt nur eine Medaille. Mehr

27.05.2016, 13:53 Uhr | Sport
Christian Heidel im Interview Schalke geht nicht mit Mainzer Schablone

Christian Heidel hat 24 Jahre für Mainz als Manager gearbeitet. Nun ist er Sportvorstand von Schalke. Im Interview spricht er über die Bedeutung einer klaren Spielphilosophie und sagt, warum aus Schalke 04 nicht Schalke 05 wird. Mehr Von Daniel Meuren

18.05.2016, 06:15 Uhr | Sport
Olympia 2012 Kanuten mit Doppel-Gold

Siege im Zweier-Kanadier der Herren und im Zweier-Kajak der Frauen schieben Deutschland im Olympia-Ranking nach vorn. Die Kanuten sind sichere Medaillengewinner bei den Spielen in London. Mehr

27.05.2016, 13:45 Uhr | Sport
Dirk Schuster im Interview In einem Team muss man sich manchmal auch weh tun

Der Fußball-Trainer Dirk Schuster hat mit dem kleinsten Personaletat der Liga seinen Verein Darmstadt 98 in der Klasse gehalten. Was lässt sich davon lernen - für Personalauswahl, Teambuilding und Führungskräfte in anderen Branchen? Mehr

18.05.2016, 12:13 Uhr | Beruf-Chance

Götze als Aktie auf zwei Beinen

Von Christian Eichler

Dass ein Chef droht, weil ein Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag erfüllen will, gibt es wohl nur im Fußball. Bleibt Mario Götze, droht dem FC Bayern eine Saison mit einem Doppelproblem. Mehr 34 36