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VfL Gummersbach : Hinter den sieben Bergen

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Ende der Feiern: Der Gewinn des EHF-Pokals im Sommer könnte für lange Zeit der letzte Erfolg des VfL Gummersbach bleiben Bild: AP

Der Handball-Traditionsverein VfL Gummersbach fängt mal wieder von vorne an: Ohne den erfolgreichen Sportdirektor Houlet, in der marodesten Turnhalle der Bundesliga und vor allem finanziell reichlich klamm.

          Beflügelt durch (relativen) sportlichen Erfolg, plant der VfL Gummersbach eine Angebotsoffensive. Um den Zuspruch der Zuschauer zu steigern, bietet der Handball-Traditionsverein der Welt eine Rückrunden-Dauerkarte an. Neben einem Preisvorteil von zwanzig Prozent gibt es einen Clou: Jeder Besteller, der im Umkreis von fünfzig Kilometern wohnt, bekommt das Ticket von einem Profi des VfL ausgehändigt.

          Bei manchem Kunden wäre vermutlich auch François-Xavier Houlet ein gerngesehener Überbringer der (Halb-)Jahreskarte gewesen. Der Franzose hat zehn seiner insgesamt zwanzig Berufsjahre im Handball beim VfL Gummersbach verbracht: als Spieler und Kapitän der Mannschaft, später als Sportdirektor und Geschäftsführer. Manche im Verein halten ihn für die letzte große Identifikationsfigur des wieder einmal klammen Klubs.

          Houlet wird die Marketingoffensive mit der Dauerkarte nicht mehr begleiten. Er muss gehen, obwohl der VfL sportlich als Bundesliga-Sechster gut dasteht, gemessen an den Mitteln und Möglichkeiten des Vereins, der vor langer Zeit nicht nur in Deutschland der erfolgreichste war, sondern auf der ganzen Welt. Vor dem 32:28 am Dienstagabend in Düsseldorf hatte er schon seinen Urlaub angetreten, verbunden mit der Ankündigung, nicht mehr auf die Bank zurückzukehren. Das Budget ist wieder bescheiden geworden verglichen mit den Größen der Liga, mit Kiel, Hamburg oder den Rhein-Neckar Löwen etwa.

          Houlets sportliche Bilanz kann sich sehen lassen

          Nicht dass sie die Galionsfigur hinausgeworfen hätten, sie haben einfach nur verkündet, den bis Frühjahr datierten Vertrag des Managers nicht zu verlängern - und zum 1. Februar einen Nachfolger eingestellt. Von diesem Tag an führt der frühere Handball-Torwart Axel Geerken, zuletzt beim Mitbewerber HSG Wetzlar engagiert, die Geschäfte des VfL, der sich wieder einmal sanieren muss. Ein Mann, der es zumindest gewohnt ist, mit wenig Geld auszukommen, dem sein früherer Arbeitgeber aber nicht nachweint. „Ein Abschied eröffnet auch immer die Möglichkeit, etwas Neues zu beginnen und Dinge besser zu machen“, sagt Hardo Reimann, Aufsichtsratsvorsitzender in Wetzlar.

          Die sportliche Bilanz Houlets kann sich sehen lassen, zumal nach dem Gewinn des EHF-Pokals in diesem Jahr. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Herausforderungen aber hatte Jochen Kienbaum offenbar andere Pläne und Prioritäten. Er ist einer der bekanntesten Unternehmensberater des Landes und gilt in Gummersbach seit langem als graue Eminenz mit Sitz und (einflussreicher) Stimme im Aufsichtsrat. Wie es heißt, wollte er Houlet loswerden, um die brüchigen finanziellen Strukturen zu stärken.

          Offiziell liest sich das in einer Pressemitteilung so: „Um die geplante Sanierung und Neuausrichtung des Clubs weiterhin konsequent fortzuführen, setzt der Aufsichtsrat in Zukunft auf einen Geschäftsführer mit starker kaufmännischer Erfahrung. Da das Hauptaugenmerk von ,Zouzou' Houlet jedoch auf der Position des Sportdirektors liegt, hätte der VfL im kommenden April noch zusätzlich einen Geschäftsführer einstellen müssen. Dies ist aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation der GmbH aber nicht möglich. Als Fazit daraus ergibt sich, dass der Vertrag mit François-Xavier Houlet nicht verlängert werden konnte.“

          Nun fängt der VfL wieder von vorne an

          Kritiker halten das nicht für schlüssig, zumal der VfL einen Teil seiner Heimspiele in einer veralteten Turnhalle austragen muss, deren Zustand nicht nur auf das Eventpublikum der neuen Zeit abstoßend wirkt; auch deshalb hat mancher Businesskunde gekündigt, den der vormalige Geschäftsführer Stefan Hecker akquiriert hatte. Wenn sie nicht in der Kölner Arena antreten, spielen die Gummersbacher in der wohl marodesten Halle der Bundesliga. „Herr Kienbaum kann jetzt hinter den sieben Bergen mit seinen sieben Zwergen alleine werkeln“, sagte der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Krämer dem Kölner „Express“. Von der Personalie Houlet unangenehm berührt, will er „mit diesem Verein nichts mehr zu tun haben“. Deshalb verabschiede er sich nun auch noch aus dem Verein der Freunde und Förderer, sagt Krämer.

          Als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln hatte er vor einigen Jahren Sponsorengelder akquiriert, die Gummersbach vorübergehend in die Lage versetzten, führenden Klubs wie Kiel, Flensburg oder Lemgo Konkurrenz zu machen. Krämer stand dafür, groß zu denken, nicht nur beim Umzug nach Köln. Gummersbach schaffte es bis in die Champions League; der Traum von der dreizehnten deutschen Meisterschaft des VfL ging jedoch nicht in Erfüllung. Und irgendwann versiegten wieder mal die Geldquellen, zumindest die großen. Houlet bot sich als günstige Lösung mit Stallgeruch an. Aber auch er konnte sich, wie andere vor ihm, auf dem Stuhl des Geschäftsführers nicht halten. Der VfL Gummersbach fängt wieder von vorne an.

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