13.10.2006 · Das Comeback von Doping-Trainer Thomas Springstein in Rostock ist geplatzt. 24 Stunden vor der geplanten Vorstellung als Übungsleiter einer Laufsportgruppe ist der ehemalige Leichtathletik-Coach nach massiver öffentlicher Kritik wieder ausgeladen worden.
Das Comeback von Doping-Trainer Thomas Springstein in Rostock ist geplatzt. 24 Stunden vor der geplanten Vorstellung als Übungsleiter einer Breitensport-Laufsportgruppe ist der ehemalige Leichtathletik-Coach vom PSV Rostock wieder ausgeladen worden. Offenbar wurde der Druck von Medien und aus der Sportpolitik so groß, daß der größte Sportverein Mecklenburg-Vorpommerns zurückrudern mußte. „Es wird keine Laufsportgruppe unter der Leitung von Herrn Springstein beim PSV geben“, gab der Verein am Freitagmittag bekannt. Gründe für die Rolle rückwärts wurden nicht genannt.
Der 47 Jahre alte Springstein war am 20. März dieses Jahres vom Magdeburger Amtsgericht zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er einer 16jährigen Sprinterin ein Dopingmittel gegeben hatte. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Am Samstag wollte er das Breitensport-Projekt in der Hansestadt vorstellen und mit dem Training beginnen.
Unverständnis und Empörung
Zuvor hatte das angekündigte Comeback von Thomas Springstein in der Sport-Szene für Unverständnis und Empörung gesorgt. „Bei uns herrscht völliges Unverständnis, wir können nur den Kopf schütteln. Das ist mit gesundem Menschenverstand für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). „Wir haben aber in dieser Sache als DLV keine Hoheit und keinen Zugriff, da eine Freizeit-Laufgruppe kein Leichtathletik-Verein ist“, erklärte der promovierte Jurist. Eine Breitensport-Abteilung muß de jure nicht im DLV organisiert sein.
„Jeder hat eine zweite Chance verdient, Thomas Springstein ist ein hervorragender Trainer. Wir sind froh einen solchen Mann für unseren Verein gewinnen zu können“, erwiderte dagegen PSV-Geschäftsführer Hans-Joachim Lüdemann im „NDR 1 Radio MV“.
Keine Zuwendungen durch den LSB
Deutschlands bekanntester Dopingaufklärer, Werner Franke, zeigte sich sehr erstaunt: „Das ist für mich eine nicht nachvollziehbaren Entscheidung.“ Auch Wolfgang Rehmer, der Geschäftsführer des Landessportbundes (LSB) Mecklenburg-Vorpommern, kritisierte die Rückkehr.
„Der Imageschaden für das Land wird dadurch groß sein, auch wenn Herr Springstein nur im Breitensport aktiv ist. Der PSV Rostock kann nicht damit rechnen, daß er für seine Laufgruppe irgendwelche finanzielle Zuwendungen durch den LSB erhält“, sagte Rehmer. Pikant: Als Sportlehrer der Kinder- und Jugend-Sportschule (KJS) in Schwerin hatte der oberste Sportfunktionär des Landes einstmals Thomas Springstein selbst unterrichtet.
Leben an der Ostsee neu sortieren
Springstein selbst hatte keine Skrupel mit dem neuen Job. „Ich arbeite ehrenamtlich für den Verein, verdiene kein Geld“, sagte der frühere Trainer der Sprinterinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer. „Ich will wieder unter Menschen sein, will mich nicht länger verstecken. Ich möchte wieder mit Leuten arbeiten und meine Erfahrungen, was das Laufen betrifft, vermitteln.“
Nachdem Grit Breuer, die mit Springstein seit Jahren liiert ist, eine Anstellung als Fitnesstrainerin im Warnemünder Hotel „Neptun“ gefunden hatte, zog nun auch ihr Lebensgefährte an die Ostseeküste. „Ich will hier mein Leben neu sortieren und mir eine neue Existenz aufbauen“, sagte Springstein, der 2002 vom DLV noch zum „Trainer des Jahres“ gekürt wurde.