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Vendée Globe Eisberg-Alarm für Einhandsegler

Gefahr am Kap Hoorn: Die Erderwärmung macht das Südpolarmeer für die Einhandsegler der Hochseeregatta Vendée Globe zum Minenfeld. Unterdessen geht der Wirbel um die Disqualifikation des Schweizers Stamm weiter.

© DPPI MEDIA Vergrößern Rasante Fahrt um Eisberge: Francois Gabart, der Führende der Vendée Globe

Während sich an der Spitze in Höhe der Falkland Inseln das Duell zwischen den beiden Franzosen Francois Gabart und Armel Le Cléac`h verschärft, macht die härteste Regatta der Welt ihrem Namen mal wieder alle Ehre. Seit der Jahreswende herrscht Anspannung, die Rennleitung hat eine scharfe Warnung an die Einhandsegler beim Vendée Globe herausgegeben. Zwar sind mit Gabart, Le Cléac`h, Jean-Pierre Dick und Alex Thomson vier der zwölf im Wettbewerb verbliebenen Teilnehmer schon um Kap Hoorn herum – doch die Gefahr bleibt für alle anderen erhalten.

Michael Ashelm Folgen:  

Und die hat es diesmal in sich. Neben Sturm und Wellen besteht in der Region akuter Eisberg-Alarm. Weit bedrohlicher als die normalerweise gut sichtbaren und vom Radar an Bord zu lokalisierenden weißen Kolosse ist der Eisabbruch. Kleine Brocken, die zum Teil auch noch unter der Wasseroberfläche treiben - ein gefährliches Minenfeld für die segelnden Karbon-Racer.

- © AFP Vergrößern Unter Protest: Bernard Stamm soll unerlaubte Hilfe bekommen haben

Die Kollision bei voller Geschwindigkeit würde nicht nur eine Rennyacht zerstören und sehr wahrscheinlich sinken lassen, sondern wäre auch für jeden der Segler in diesen stürmischen, kalten Gefilden lebensbedrohlich. „Wir haben ein ernsthaftes Problem“, bestätigte Louis Mesnier. Von seinem High-Tech-Posten in der südfranzösischen Stadt Toulouse analysiert er schon seit Monaten für die Regatta die Bewegung im Südpolarmeer. Mesnier gehört zur Spezialfirma CLS, die wiederum der französischen Raumfahrtagentur angeschlossen ist.

30 Kilometer am Tag

Je nach Wind, Wellen und Strömung verändern die Eisberge durchschnittlich ihre Position um die 30 Kilometer am Tag. Immer wieder werden Satelliten- sowie Radarbilder ausgewertet und daraus Modellierungen für mögliche Szenarien in dem Seegebiet entwickelt. Ein permanentes Feintuning der geographischen Bedingungen, deren wichtigste Informationen regelmäßig an die Segler weitergegeben werden. „Eisbrocken unter einer Größe von 50 bis 100 Meter können wir aber nicht mehr ausfindig machen - unter Wasser sowieso nicht“, sagt Mesnier.

Ein etwa 200 bis 300 Meter langer und 60 Meter hoher Eisberg ist an den Diego Ramirez -Inseln hängengeblieben. Diese winzige Gruppe liegt rund 100 Kilometer südwestlich vom Kap Hoorn. Genau dort verläuft eigentlich die Route der Nonstop-Weltumsegler. Ein weiterer Eisberg in der Region weiter Richtung Osten ist ebenfalls auf Grund gelaufen, vermuten die Spezialisten aus Frankreich. Hier verändert das Seegebiet seine Tiefe schon mal abrupt von 3000 auf 200 Meter. Aus dem Stillstand der Eis-Ungetüme resultiert jetzt das größte Risiko für die Segler: Seit Wochen bearbeiten Wellen und Wind die Eisberge, es ist Sommer, die Temperaturen sind gestiegen, so dass nun Brocken um Brocken abbricht. „Wir glauben, dass das ganze Gebiet nun mit umhertreibenden Eisteilen übersät ist“, sagt Mesnier.

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Er rät den Seglern, einen weiten Bogen um das Kap Hoorn zu nehmen. Eine Garantie für Sicherheit ist das nicht. Die Segler selbst müssen ihren Kurs nun noch genauer beobachten und sich natürlich auf ihr Radargerät verlassen. Doch sie müssen zwischendurch auch schlafen.

Folge der Erderwärmung?

Dass hinter dem in diesem Jahr so massiven Problem die Erderwärmung als Grund stehen könnte, möchte Louis Mesnier nicht ausschließen. Im Vergleich zum Rennen vor vier Jahren ist ihm aufgefallen, dass immer mehr kleinere Eisberge im Südpolarmeer unterwegs sind, was auf ein beschleunigtes Abschmelzen deutet. Beeinflusst das Global Warming also am Ende auch den Ausgang von Segelrennen? Der deutsche Wetter- und Klimaexperte Meeno Schrader aus Kiel, der bei wichtigen Regatten immer wieder mitberät, sieht hier einen direkten Zusammenhang.

„Die Eisberggefahr hat durch den Klimawandel deutlich zugenommen. Während man früher noch viel weiter ins Südpolarmeer hinein segeln konnte, ist das heute unmöglich“, sagt Schrader. Vorsichtshalber haben die Organisatoren beim Vendée Globe virtuelle Punkte festgelegt, die nicht nach Süden überquert werden dürfen - sogenannte „Ice Gates“. Der Nachteil für die Segler dabei: Es ist nicht der kürzeste Weg.

Weiter Wirbel um Stamm

Unterdessen geht der Wirbel um den Schweizer Bernard Stamm weiter. Er wird zwar derzeit noch als Neunter geführt, ist aber eigentlich disqualifiziert. Er wehrt sich dagegen und will weitersegeln. Sein Team in der Heimat legte Protest ein. Dabei erhält er Unterstützung aus dem Teilnehmerfeld. Der führende Gabart meinte über Email: „Er kann auf mich zählen.“ Der Spanier Javier Sansó, der einen Platz vor Stamm liegt, teilte von Bord mit: „Die Disqualifikation ist völlig ungerecht.“

Stamm wurde von der Rennleitung mit der härtesten Strafe belegt, nachdem er seine driftende Yacht an einem russischen Forschungsschiff festgemacht und Hilfe von einer Person an Bord erhalten hatte. Der Schweizer hatte in einer neuseeländischen Bucht Reparaturarbeiten an seinem Boot vorgenommen. Der Zwischenfall passierte am 23. Dezember, wobei der Segler selbst die Rennleitung darüber informierte. Jetzt ist er wieder unterwegs – und gut in Fahrt. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Nähme die Jury Stamm aber endgültig heraus aus dem Rennen, wäre er der große Pechvogel beim Vendée Globe und zum dritten Mal vorzeitig gescheitert. Ein tragisches Ende.

Quelle: F.A.Z.

 
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