Home
http://www.faz.net/-gtl-743ta
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vendée Globe Der Everest der Meere

An diesem Samstag fällt der Startschuss: Das Vendée Globe ist die härteste Regatta der Welt - ein 100 Tage langer Kampf gegen Einsamkeit, Orkane und Monsterwellen.

© AFP Vergrößern Ein Mann, ein Boot, ein Horizont: Das Vendée Globe führt Einhandsegler nonstop über die sieben Weltmeere

Die Unruhe ist ihm anzumerken. Es sind die letzten Tage einer endlos langen Vorbereitungszeit. Für Alex Thomson könnte es sofort losgehen. Er ist bereit. Zehn Jahre wartet der Waliser nun schon darauf, sich seinen Traum zu erfüllen: Einmal durchkommen bei diesem Rennen. Vielleicht sogar gewinnen. Er wirkt ein wenig genervt, als er an diesem Mittag auf sein Rennboot im Yachthafen zurückkehrt - von einem der zuletzt immer häufiger stattfindenden Sicherheitstreffen. Nur Theorie, aber trotzdem überlebensnotwendig. Diesmal ging es um die Eisberge im Südpolarmeer. „Manche sind so groß wie Irland. Die werden uns keine Probleme bereiten. Aber die Eistrümmer, die abbrechen und dann auch von unserem Radar an Bord nicht mehr zu orten sind, können uns den Kopf kosten“, sagt Thomson. Schlagartig ist seine Begeisterung zurück. Der Wettkampf-Freak kommt wieder durch.

Michael Ashelm Folgen:

Es ist die härteste Regatta der Welt. Das Vendée Globe. Eines der größten Abenteuer im Sport. Die Skipper sind alleine an Bord. Es geht nonstop um die Welt, kein Hafen darf angelaufen werden. Wer Schäden nicht selbst reparieren kann, wird disqualifiziert. Der Trip, der für manchen Teilnehmer zum Albtraum werden kann und in der Vergangenheit auch schon das Leben einiger Segler gefordert hat, dauert 90 bis 100 Tage. Aber nur für den, der durchkommt. Vor vier Jahren war es nicht einmal die Hälfte des Feldes.

Mehr zum Thema

Nur besonders erfahrene Einhandsegler werden überhaupt zugelassen. „Die Isolation, der physische und mentale Druck über drei Monate - es gibt keine größere sportliche Herausforderung“, sagt Thomson. Wer mitten im Ozean in Not gerät, ist wie in der Todeszone im Himalaja auf sich alleine gestellt. Deshalb nennen sie das Rennen auch den „Everest der Meere“.

England's skipper Thomson poses in front of the fleet of the Vendee Globe Challenge sailing race at Les Sables d'Olonne, on France's Atlantic coast © REUTERS Vergrößern Alex Thomson im Startmodus vor Les Sables d’Olonne: Zeit, dass es los geht

Thomson ist 38 Jahre alt, Familienvater und einer der Favoriten. An diesem Samstag werden die Yachten von Les Sables-d’Olonne am französischen Atlantik in See stechen. Wer gewinnt, erhält ein Preisgeld von 160.000 Euro. Aber das sind Peanuts im Vergleich zum großen Ganzen. Hinter den meisten Teilnehmern steht eine Multi-Millionen-Kampagne. Allein das Boot kostet etwa drei Millionen Euro.

Zum Team von Thomson gehören zwanzig Experten - Bootsbauer, Wetterspezialisten, Informatiker, Elektroniker, Controller, Marketing- und PR-Leute. Der deutsche Mode-Konzern Hugo Boss sponsert ihn, dazu gibt es noch einige reiche Geschäftsleute von der Insel, die als Mäzene mithelfen. Thomson ist ein lebhafter Typ, emotional, kein Eigenbrötler, der die Einsamkeit sucht. Als Racer an der Pinne galt er lange Zeit als Draufgänger, der sein Boot gnadenlos auf Geschwindigkeit trimmte. Vielleicht manchmal zu extrem. So ist Thomson auch ein Pechvogel. 2004 und 2008 nahm er am Vendée Globe teil, musste aber jeweils wegen Materialbruchs aufgeben.

22080422 © AFP Vergrößern Volle Kraft voraus: Thomson ist bekannt dafür, weder Mensch noch Material zu schonen

Vor vier Jahren raste er nachts in einen Fischkutter. Diesmal will er die Limits kontrollierter ausloten. Mit einem befreundeten Unternehmensberater und Banker, der bei ihm als Teamdirektor arbeitet, hat sich Thomson intensiv mit der rationalen Seite dieses Segel-Abenteuers beschäftigt. „Ich habe nun mehr Verständnis für die Risiken. Ich versuche, alles zu verstehen, was schieflaufen kann“, sagt er. Trotzdem bleibt das Rennen unkalkulierbar.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ocean Race Ein Skipper muss kein Diktator sein

Mehr als ein extremes Rennen zwischen den weltbesten Seglern: Das Ocean Race ist auch ein Testlabor der Psychologie. Zum ersten Mal werden die Führungskräfte an Bord geschult – dabei kann der Sport von der Wirtschaft lernen. Mehr Von Michael Ashelm

18.05.2015, 10:57 Uhr | Sport
Legendäres Segelschiff Frankreichs Hermione segelt nach Amerika

235 Jahre, nachdem der französische General Lafayette an Bord der Fregatte Hermione" über den Atlantik gesegelt ist, um die amerikanischen Revolutionstruppen im Kampf gegen die Engländer zu unterstützen, ist ein Nachbau des legendären Schiffes von Frankreich aus in Richtung USA in See gestochen. Das Schiff wurde in jahrelanger Arbeit nach historischem Vorbild zusammengebaut. Mehr

20.04.2015, 07:29 Uhr | Gesellschaft
Alte Kunst bei Van Ham Nackter Ritter

Bei den Auktionen mit Alten Meistern und Kunst des 19. Jahrhunderts bei Van Ham in Köln gibt es wenig opulentes - überraschend aber ist das Angebot im Kunstgewerbe. Mehr Von Rose-Maria Gropp

15.05.2015, 05:00 Uhr | Feuilleton
Segel-Klassiker Wild Oats XI gewinnt Sydney-Hobart

Wild Oats XI und Comanche liefern sich ein spannendes Finish beim Segel-Klassiker Sydney-Hobart. Am Ende liegt die Yacht von Multimillionär Robert Oatley vor der von Netscape-Gründer James Clark. Mehr

28.12.2014, 16:42 Uhr | Sport
Rettungsschiffe Save Our Souls

Seit 150 Jahren wird unter dem Kürzel DGzRS in Nord- und Ostsee Leben gerettet. In dieser Zeit haben sich die Seenotkreuzer und Rettungsboote deutlich gewandelt - und die Suche nach dem besten Schiff dauert bis heute an. Mehr Von Henning Sietz

17.05.2015, 11:29 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.11.2012, 12:51 Uhr

Aufrecht in die zweite Liga

Von Peter Penders

Aus dem Denkzettel für verfehlte Vereinspolitik in Stuttgart und Hamburg wird nichts, es erwischt doch die kleinsten Klubs Paderborn und Freiburg. Wehmütig, aber nicht geknickt sollten sie in die zweite Liga gehen. Mehr 7 10