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Vendée Globe Der Everest der Meere

An diesem Samstag fällt der Startschuss: Das Vendée Globe ist die härteste Regatta der Welt - ein 100 Tage langer Kampf gegen Einsamkeit, Orkane und Monsterwellen.

© AFP Ein Mann, ein Boot, ein Horizont: Das Vendée Globe führt Einhandsegler nonstop über die sieben Weltmeere

Die Unruhe ist ihm anzumerken. Es sind die letzten Tage einer endlos langen Vorbereitungszeit. Für Alex Thomson könnte es sofort losgehen. Er ist bereit. Zehn Jahre wartet der Waliser nun schon darauf, sich seinen Traum zu erfüllen: Einmal durchkommen bei diesem Rennen. Vielleicht sogar gewinnen. Er wirkt ein wenig genervt, als er an diesem Mittag auf sein Rennboot im Yachthafen zurückkehrt - von einem der zuletzt immer häufiger stattfindenden Sicherheitstreffen. Nur Theorie, aber trotzdem überlebensnotwendig. Diesmal ging es um die Eisberge im Südpolarmeer. „Manche sind so groß wie Irland. Die werden uns keine Probleme bereiten. Aber die Eistrümmer, die abbrechen und dann auch von unserem Radar an Bord nicht mehr zu orten sind, können uns den Kopf kosten“, sagt Thomson. Schlagartig ist seine Begeisterung zurück. Der Wettkampf-Freak kommt wieder durch.

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Es ist die härteste Regatta der Welt. Das Vendée Globe. Eines der größten Abenteuer im Sport. Die Skipper sind alleine an Bord. Es geht nonstop um die Welt, kein Hafen darf angelaufen werden. Wer Schäden nicht selbst reparieren kann, wird disqualifiziert. Der Trip, der für manchen Teilnehmer zum Albtraum werden kann und in der Vergangenheit auch schon das Leben einiger Segler gefordert hat, dauert 90 bis 100 Tage. Aber nur für den, der durchkommt. Vor vier Jahren war es nicht einmal die Hälfte des Feldes.

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Nur besonders erfahrene Einhandsegler werden überhaupt zugelassen. „Die Isolation, der physische und mentale Druck über drei Monate - es gibt keine größere sportliche Herausforderung“, sagt Thomson. Wer mitten im Ozean in Not gerät, ist wie in der Todeszone im Himalaja auf sich alleine gestellt. Deshalb nennen sie das Rennen auch den „Everest der Meere“.

England's skipper Thomson poses in front of the fleet of the Vendee Globe Challenge sailing race at Les Sables d'Olonne, on France's Atlantic coast © REUTERS Vergrößern Alex Thomson im Startmodus vor Les Sables d’Olonne: Zeit, dass es los geht

Thomson ist 38 Jahre alt, Familienvater und einer der Favoriten. An diesem Samstag werden die Yachten von Les Sables-d’Olonne am französischen Atlantik in See stechen. Wer gewinnt, erhält ein Preisgeld von 160.000 Euro. Aber das sind Peanuts im Vergleich zum großen Ganzen. Hinter den meisten Teilnehmern steht eine Multi-Millionen-Kampagne. Allein das Boot kostet etwa drei Millionen Euro.

Zum Team von Thomson gehören zwanzig Experten - Bootsbauer, Wetterspezialisten, Informatiker, Elektroniker, Controller, Marketing- und PR-Leute. Der deutsche Mode-Konzern Hugo Boss sponsert ihn, dazu gibt es noch einige reiche Geschäftsleute von der Insel, die als Mäzene mithelfen. Thomson ist ein lebhafter Typ, emotional, kein Eigenbrötler, der die Einsamkeit sucht. Als Racer an der Pinne galt er lange Zeit als Draufgänger, der sein Boot gnadenlos auf Geschwindigkeit trimmte. Vielleicht manchmal zu extrem. So ist Thomson auch ein Pechvogel. 2004 und 2008 nahm er am Vendée Globe teil, musste aber jeweils wegen Materialbruchs aufgeben.

22080422 © AFP Vergrößern Volle Kraft voraus: Thomson ist bekannt dafür, weder Mensch noch Material zu schonen

Vor vier Jahren raste er nachts in einen Fischkutter. Diesmal will er die Limits kontrollierter ausloten. Mit einem befreundeten Unternehmensberater und Banker, der bei ihm als Teamdirektor arbeitet, hat sich Thomson intensiv mit der rationalen Seite dieses Segel-Abenteuers beschäftigt. „Ich habe nun mehr Verständnis für die Risiken. Ich versuche, alles zu verstehen, was schieflaufen kann“, sagt er. Trotzdem bleibt das Rennen unkalkulierbar.

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