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US Open Power gegen Zermürbungstaktik

06.09.2010 ·  Im Achtelfinale der US Open treffen Maria Scharapowa und Caroline Wozniacki aufeinander. Unterschiedlicher könnten zwei Weltklasse-Spielerinnen gar nicht sein. Nur in puncto Haarfarbe sind sich die beiden Damen ähnlich.

Von Thomas Klemm, New York
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Als Maria Scharapowa die keineswegs überraschende Nachricht bekam, auf welche Spielerin sie als Nächstes treffen würde, lautete ihre erste Reaktion „Uh-huh“. Das von der Russin mehr gehauchte als gesprochene Unwort kann so ziemlich alles bedeuten. Zum Beispiel: Ach du liebe Güte, ausgerechnet diese Dauerläuferin! „Uh-huh“ könnte in Scharapowas Sinne aber auch heißen: Na und, die soll ruhig kommen! Ein bisschen Geheimnistuerei gehört zum Image der Russin, deren vielgepriesene mentale Stärke vor allem daher rührt, dass sie sich auf sich selbst konzentriert und um die anderen nicht kümmert. Die nächste Gegnerin heißt übrigens Caroline Wozniacki, wird in der Weltrangliste auf Platz zwei geführt und ist bei den US Open an Position eins gesetzt.

Das Achtelfinale zwischen den Branchenstars elektrisiert die New Yorker nicht nur deshalb, weil sie zwei aparte Blondinen zu sehen bekommen, die ihr Spiel auf amerikanische Weise perfektioniert haben, sondern weil die beiden zum Feinsten gehören, was das Damentennis derzeit zu bieten hat. Neben ihrer Haarfarbe, ihrer Rolle als Mitfavoritinnen und der gemeinsamen Vorliebe für Floskeln sind es aber vielmehr die Unterschiede, die schon zur Halbzeit der US Open für einen prickelnden Höhepunkt sorgen: In der Spielweise und im Auftreten sind kaum verschiedenere Typen denkbar als die 23 Jahre alte Russin und die drei Jahre jüngere Dänin.

Auf der einen Seite steht Maria Scharapowa, die bereits drei Grand-Slam-Turniere gewonnen hat, eine Zeitlang Weltranglistenerste war, mit ihrem Powertennis stets den direkten Punktgewinn sucht und von gekünstelter Freundlichkeit ist. Auf der anderen Seite wartet Caroline Wozniacki, mit vier Turniersiegen die erfolgreichste Spielerin des Jahres, aber noch ohne großen Titel, die mit ihrem Defensivspiel die Gegnerinnen zermürbt und abseits des Platzes eine natürliche Fröhlichkeit ausstrahlt. Zweimal standen sie sich im Jahr 2008 auf der WTA-Tour gegenüber, beide Mal siegte Maria Scharapowa deutlich.

„Sie rennt den lieben langen Tag“

Danach verloren sich die beiden aus den Augen, haben angeblich nicht einmal die bisherigen New Yorker Matches ihrer Gegnerin verfolgt. Aber beide wissen genau, was sie an diesem Montag erwartet: Aggressiv und gleichzeitig geduldig müsse sie spielen, sagt Maria Scharapowa vor dem Duell mit der Dänin, „sie rennt den lieben langen Tag, bringt jeden Ball zurück und zwingt dich, immer noch einen Versuch zu starten.“

Caroline Wozniacki bleibt dagegen ihrer Abwehrhaltung treu: „Ich muss mich darauf einstellen, dass sie vom ersten Ballwechsel an angreifen wird. Ich werde sehr schnell sein müssen.“ Am stürmischen New Yorker Samstag schienen die beiden Damen ihr Duell in Windeseile klarmachen zu wollen. Sie benötigten jeweils nur 73 Minuten für ihre Drittrundensiege gegen überforderte Gegnerinnen: Maria Scharapowa gewann ihr Match 6:0 und 6:0, Caroline Wozniacki das Ihrige 6:1 und 6:0. Überhaupt nimmt sich die Dänin, die seit Wimbledon nur eines ihrer 17 Matches verlor, in Flushing Meadows nicht viel Zeit, um ihre Konkurrentinnen kleinzukriegen: In ihren drei Matches endeten drei Sätze mit 6:0, die anderen drei mit 6:1. Die vergangenen Gegnerinnen waren zwar nicht vom Kaliber der nächsten, aber die Weltranglistenzweite nimmt auch Maria Scharapowa, wie sie kommt: „Wenn ich auf den Platz gehe, denke ich nie groß darüber nach, wer auf der anderen Seite steht.“

Klatschspalte oder Siegerliste

Vor allem für die Russin wird das Aufeinandertreffen zu einem Härtetest, ob sie nach einigen Unterbrechungen nicht nur für die Klatschspalten, sondern auch für die Siegerlisten taugt. Nachdem sie das Tennisjahr 2008 wegen Schulterbeschwerden weitgehend verpasste, hatte sie in der vergangenen Saison versucht, auf der Profitour langsam wieder Fuß zu fassen. In diesem Frühjahr warf sie eine Ellenbogenverletzung abermals zurück, dennoch erreichte sie - wie Wozniacki - bislang fünf Endspiele, wovon sie zwei gewann. „An bestimmten Tagen ist es wichtiger, psychisch stabil zu sein als körperlich“, sagte Scharapowa, zurzeit Siebzehnte der Weltrangliste.

Im Gegensatz zu ihrer Gegnerin, die im vergangenen Jahr das US Open-Finale gegen Kim Clijsters verlor, hat sie seit 2006 schon einen Triumph in New York hinter sich. Und auch diesmal mag sie sich nicht vorstellen, dass ihr eine andere Spielerin in die Quere kommt. „Wenn man anfängt zu denken, jeder außer dir selbst kann das Turnier gewinnen, dann bekommt man ernsthafte Probleme. Dann sollte man lieber nicht antreten.“ Von Billie Jean King, der großen Dame im amerikanischen Tennis, bekam Maria Scharapowa aber etwas Nachdenkliches mit auf den Weg in das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres. „Egal, was du auch tust, wie viel du auch erreichst, es wird immer eine andere Person kommen und die nächste Nummer eins werden.“ Gut möglich, dass Caroline Wozniacki sehr bald diese Person sein wird.

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