08.09.2006 · Thomas Haas ist trotz einer 2:0-Führung im Viertelfinale der US Open ausgeschieden. Der Tennisprofi unterlag dem Russen Dawidenko in fünf Sätzen. Damit stand der Hamburger in den letzten vier Tagen knapp zehneinhalb Stunden auf dem Court.
Nikolai Dawidenko bescherte Thomas Haas brennende Füße und Oberschenkelkrämpfe - nicht aber den ersehnten ersten Halbfinal-Einzug bei den US Open. Das tragische Aus gegen den Tennisprofi aus Rußland wird Haas in Körper und Kopf noch einige Tage lang quälen. Der dritte „Fünf-Akter“ in vier Tagen und fast zehneinhalb Stunden Tennis waren am Ende zu viel für den Hamburger, der in seinem zweiten Viertelfinale in New York lange wie der Sieger aussah.
„Dawidenko ist wie eine Ballmaschine. Er macht nicht nur mich verrückt, sondern auch die Zuschauer. Wenn er in Schwung kommt, trifft er die Ecken und Winkel. Ich konnte mein Niveau nicht aufrecht erhalten“, klagte Haas nach dem 3:45 Stunden langen Drama, das für ihn trotz einer 2:0-Satzführung mit 6:4, 7:6 (7:3), 3:6, 4:6 und 4:6 verloren ging.
„Einfach platt“
„Am Ende ging es nur um die Physis. Ich bin einfach sehr platt. Ich habe alles gegeben und lag knapp daneben“, sagte Haas und trug die Niederlage äußerlich mit Fassung. Der Schmerz, den Traum vom ersten Grand-Slam-Finale wieder einmal vorzeitig platzen zu sehen, dürfte beim sensiblen 28jährigen indes tief sitzen. „Ich habe mir die Chance gegeben, so weit zu kommen und muß hinnehmen, daß mein Traum vielleicht nicht in Erfüllung geht. Ich bin trotzdem zufrieden, wie das Jahr gelaufen ist“, sagte Haas und erkannte die Leistungssteigerung des Weltranglisten-Sechsten fair an.
Dawidenko trifft in der Vorschlußrunde am Samstag wie erwartet auf Titelverteidiger Roger Federer, der mit seinem zehnten Grand- Slam-Halbfinale nacheinander den Rekord von Ivan Lendl einstellte. Der Schweizer hatte beim 7:6 (9:7), 6:0, 6:7 (9:11) und 6:4 über Lokalmatador James Blake immer dann ungewohnte Mühe, wenn Satz und Sieg greifbar waren. Federer gab erstmals im Turnierverlauf einen Durchgang ab und mußte im ersten zudem drei Satzbälle abwehren.
Roddick gegen Juschni
Gegen Dawidenko gewann er bisher alle sieben Vergleiche, zuletzt bei den Australian Open aber nur mit Glück. Im zweiten Semifinale trifft der Amerikaner Andy Roddick, der die US Open 2003 gewann, auf Michail Juschni. Zum zweiten Mal nach 2001 stehen damit zwei russische Spieler im Semifinale von Flushing Meadows.
Haas blieb dies nach den hauchdünnen Tiebreak-Siegen über den Amerikaner Robby Ginepri und den Russen Marat Safin wie schon 2004 verwehrt, als er in einer Windlotterie klar dem Australier Lleyton Hewitt unterlegen war. Diesmal sah es zunächst so aus, als könnte sich Haas gegen Dawidenko für das deprimierende 5:7, 0:6 und 0:6 bei den French Open 2005 revanchieren. „Ich hätte in drei Sätzen verlieren können“, sagte der im rheinland-pfälzischen Salmtal bei seinem Bruder trainierende Dawidenko, dem die knappen Niederlagen von Safin und Ginperi im Kopf umher spukten. „Er hätte noch mal zurückkommen können. Ich hatte Glück, bei 5:4 meinen Aufschlag durchzubringen.“
2:5 lag Haas im letzten Satz bereits zurück und hatte sich mit seinem Racket wütend auf seine Oberschenkel geschlagen. Nach abgewehrtem Matchball und dem ersten Rebreak zum 3:5 scherzte der Wahl-Amerikaner in scheinbarer Verzweiflung mit dem Physiotherapeuten, während er sich durchkneten ließ.
Nach dem 4:5 besaß Haas sogar zwei Breakbälle zum Ausgleich, doch er brachte Dawidenkos Aufschläge nicht zurück. Der 25jährige Russe nutzte schließlich seine zweite Möglichkeit, in sein zweites Grand-Slam-Halbfinale nach Paris 2005 einzuziehen. Haas glaubt nach wie vor an seine Chance auf ein großes Endspiel, sah aber auch ein: „Ich werde nicht jünger und habe auch schon vor drei, vier, fünf Jahren gut gespielt.“