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US Open Cool in New York

02.09.2010 ·  Andrea Petkovic hatte gegen Nadja Petrowa ihre Nerven im Griff und die Fans auf ihrer Seite. In Runde zwei trifft sie diesen Donnerstag auf die Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands - und muss das Heimpublikum für ihre Hessenschau neu gewinnen.

Von Thomas Klemm, New York
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Als Andrea Petkovic am Dienstagabend um 22.59 Uhr ihre Spätschicht beendet hatte, begann ihr persönliches Showprogramm. Kaum hatte sie ihr neu einstudiertes Siegestänzchen beendet, kam auch schon der Interviewer auf sie zu, stellte ihr vor versammeltem Publikum einige Fragen, die die Darmstädterin glücklich beantwortete.

Der Funkenschlag an Freude sprang sogleich auf die Zuschauer über, die New Yorker applaudierten, jauchzten und stritten sich um die drei Filzbälle, die Andrea Petkovic als Gewinnerin in Richtung Tribünen schlagen durfte. Am Ende des zweiten Turniertages, der für die deutsche Tennisspielerin einige Überraschungen parat hatte, bereitete sie sich selbst die größte Überraschung.

Anders als in den vergangenen Monaten behielt Andrea Petkovic in der ersten Runde der US Open in einem denkbar engen Match die Nerven, spielte konstanter und fehlerloser als ihre Gegnerin Nadja Petrowa und zog nach dem 6:2, 4:6 und 7:6 (7:4)-Erfolg in die zweite Runde ein. „Ich bin glücklich darüber, dass ich mental so tough war. Das gibt mir eine Ruhe im Spiel, die ich vorher nicht kannte“, sagte die 38. der Weltrangliste, die bei ihrer neunten Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier zum sechsten Mal die zweite Runde erreichte.

Dort wartet an diesem Donnerstag Abend in der Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands eine Gegnerin, deren extravagante Tenniskleidung zwar die öffentliche Meinung spaltet, die aber das amerikanische Publikum in New York ganz auf ihrer Seite weiß.

Keine Ablenkung, keine störenden Gedanken

Dass sie zweieinhalb Stunden lang so cool geblieben war, schätzte Andrea Petkovic noch höher ein als ihren Sieg zu später Stunde. Störende Gedanken konnte sie verdrängen, sie war sogar so sehr auf sich und ihre Schläge konzentriert, dass sie nur selten den Spielstand kannte. „Beim Stand von 4:5 im zweiten Satz habe ich das erste Mal aufs Scoreboard geguckt“, sagte die Darmstädterin. Weil sie sich nicht ablenken ließ, widerfuhr ihr auch nicht ein ähnliches Schicksal wie in der zweiten Runde der French Open, als sie gegen Swetlana Kusnezowa den Sieg vor Augen hatte, aber fünf Matchbälle nicht nutzen konnte. „Die Erfahrung von Paris hat heute den Unterschied gemacht“, sagte die Hessin.

Der Tag der Überraschungen hatte schon damit begonnen, dass Andrea Petkovics Auftaktmatch, das eigentlich am späten Nachmittag auf dem mittelgroßen Court 11 hätte beginnen sollen, verschoben und verlegt wurde, weil sich die vier vorherigen Begegnungen arg in die Länge zogen. Am Ende fand sich die Hessin unverhofft in der zweitgrößten Arena von Flushing Meadows wieder: Das Flutlicht erleuchtete das Louis-Armstrong-Stadium, auf der Riesenleinwand prangte ihr Name, die Zuschauer berauschten sich an ihrer kämpferischen Einstellung und trieben sie vor allem gegen Ende des Matches immerzu an. Während sich der Weltranglistenerste Rafael Nadel nebenan im noch größeren Arthur-Ashe-Stadium zum Sieg mühte, genoss Andrea Petkovic ihre ganz persönliche „Night Session“: „Ich mag es, dass die Amis aus allem eine Show machen.“

Hessenschau in New York

Aber die Zuneigung der New Yorker hat sich die Zweiundzwanzigjährige auch ehrenvoll erarbeitet. Andrea Petkovic, die in der laufenden WTA-Saison die viertmeisten Asse aller Damen geschlagen hat, servierte gut, während ihre Gegnerin, die die Statistik der direkten Servicepunkte anführt, sich phasenweise einen Fehlschlag nach dem anderen leistete. Die 52 unerzwungenen Fehler Nadja Petrowas erleichterten der deutschen Fed-Cup-Spielerin, das hessisch-russische Duell nach 2:33 Stunden Spielzeit zu gewinnen. „In diesem Jahr war es mein wichtigster Sieg“, sagte Andrea Petkovic, die in den vergangenen Wochen ohne Erfolgserlebnisse geblieben war.

Die Hartplatzsaison hatte für die Hessin noch gut begonnen, als sie Mitte Juli das Halbfinale von Istanbul erreichte. Doch der Wechsel auf die amerikanischen Hardcourts fiel ihr schwer. Beim ersten Turnier in Cincinnati erreichte sie noch die zweite Runde, danach schied sie in Montreal und in New Haven sofort aus. Im Nachhinein sieht die Tennisspielerin aber das Gute an den schlechten Ergebnissen: „Ich habe gespürt, dass ich mich weiterentwickelt habe, aber mir fehlte der Glauben daran, so dass ich in mein altes Spiel zurückgefallen bin.“

Ihr Selbstvertrauen auf dem Platz ist nach dem Sieg gegen die in der Weltrangliste 22 Plätze höher eingestufte Nadja Petrowa, die am vergangenen Samstag noch im Finale von New Haven stand, ein gutes Stück gewachsen. Weil Andrea Petkovic nicht mehr die Alte ist, kann die Hessenschau in New York weitergehen.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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