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Unsere Sportlerin des Jahres Im Wellental der Gefühle

Eine Sportlerin mit einem ganz eigenen Weg über die Wellen: Kristin Boese ist die erfolgreichste deutsche Kitesurferin und als Lebenskünstlerin oft verzweifelt.

© Juan Luis De Deeckeren Vergrößern Spiel mit Wind und Wasser: „Dabei habe ich die Freiheit lieben gelernt“

Ein Traum, die Brandung von Hookipa, Überwintern auf Hawaii. Kristin Boese kennt die schönsten und legendärsten Strände. Als Kitesurferin sind es ihre Wettkampfplätze, rund um die Welt. Dennoch ist ihr bei aller wiederkehrender Normalität die Sehnsucht erhalten geblieben, nach der Natur, nach Meer, Wellen dem Wind - und damit nach Freiheit. „Es ist mein Leben“, sagt Kristin Boese.

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Sie liebt das Abenteuer und vor allem die extremen Herausforderungen mit dem Lenkdrachen, der bei strammen Winden nicht einfach zu beherrschen ist. Ihre Mutter war wasserscheu. Auch die gebürtige Potsdamerin musste erst lernen, sich zu überwinden. Das geschah als junges Mädchen beim Windsurfen im Ostseeurlaub. Heute gehört die Fünfunddreißigjährige zu den größten Akrobaten auf dem Wasser. Kristin Boese steht mit neun WM-Titeln in fünf Disziplinen im Guinnessbuch der Rekorde, kein anderer Kitesurfer war bisher vielseitiger und erfolgreicher. Im Sommer wurde sie vor St. Peter-Ording WM-Zweite.

22550903 © Juan Luis De Deeckeren Vergrößern Ein Leben mit dem Brett: Kristin Boese

Sie ist eine Ausnahmeerscheinung ihres Sports. Der spleenige Milliardär Richard Branson lud sie schon mit anderen Weltklasse-Kitesurfern auf seine Privatinsel in der Karibik ein. Hinzu kommt seit neuestem ihr Engagement als Mitveranstalterin. Vor Hookipa fand in der vergangenen Woche das Finale der besten Wellenreiter unter den Kitesurfern statt. Mit einigen Kollegen hatte sich Kristin Boese vor einiger Zeit zusammengetan und die kleine Serie aufgezogen. Ein Zeichen, dass sie sich langsam als aktive Athletin zurückzieht, soll diese Arbeit nicht sein. „Ich kann doch nicht aufhören“, sagt sie. Auch dieses Jahr war wieder ihr Jahr.

Ihre Freundin starb beim Kitesurfen

Die ausgeprägte Leidenschaft hatte bei Kristin Boese immer viel mit Selbstüberwindung zu tun. Nicht nur bei der Gewöhnung an tiefes, wildes Wasser. Sie musste oft kämpfen, um ihren unkonventionellen Lebenstraum zu verwirklichen, dabei auch schlimme Schicksalsschläge hinnehmen. Ihre Freundin starb beim Kitesurfen auf dem Darß, als es noch kein Notauslösesystem für die im Wind so unberechenbaren Drachenkonstruktionen gab. Kristin Boese hätte damals aufhören können. Aber sie hat überlegt, sich gegen ihre schlechten Gedanken durchgesetzt und ist auch in anderen Fällen immer wieder zurückgekommen. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation verdiente Kristin Boese ihr Geld als Kitesurf-Lehrerin an Nord- und Ostsee, auf Fuerteventura und in den Urlaubgebieten Ägyptens.

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Als sich erste sportliche Erfolge einstellten und ein paar Sponsoren Interesse zeigten, ermöglichte ihr das etwas bessere Budget auch Trainingsaufenthalte in Australien, Südafrika und auf Hawaii. Ihr Publizistik-Studium an der FU in Berlin fortzuführen, dafür war ab einem gewissen Moment keine Zeit mehr. Sie entschied sich für das Vagabundenleben an den Stränden dieser Welt - und für den Leistungssport. Der große Reichtum als Sportprofi stellte sich allerdings nie ein. Kitesurfen ist zwar Trend, aber im Sportbusiness doch nur eine Randerscheinung. „Es gab schon Momente, in denen ich komplett verzweifelt war. Da fehlte mir sogar das Geld für die nächste Mahlzeit“, sagt Kristin Boese. Nach der Lehman-Krise 2008 fuhren viele Sponsoren ihr Engagement herunter. Wieder da ist das Geld bisher nicht.

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