Home
http://www.faz.net/-gub-753ci
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Unsere Sportlerin des Jahres Im Wellental der Gefühle

Eine Sportlerin mit einem ganz eigenen Weg über die Wellen: Kristin Boese ist die erfolgreichste deutsche Kitesurferin und als Lebenskünstlerin oft verzweifelt.

© Juan Luis De Deeckeren Vergrößern Spiel mit Wind und Wasser: „Dabei habe ich die Freiheit lieben gelernt“

Ein Traum, die Brandung von Hookipa, Überwintern auf Hawaii. Kristin Boese kennt die schönsten und legendärsten Strände. Als Kitesurferin sind es ihre Wettkampfplätze, rund um die Welt. Dennoch ist ihr bei aller wiederkehrender Normalität die Sehnsucht erhalten geblieben, nach der Natur, nach Meer, Wellen dem Wind - und damit nach Freiheit. „Es ist mein Leben“, sagt Kristin Boese.

Sie liebt das Abenteuer und vor allem die extremen Herausforderungen mit dem Lenkdrachen, der bei strammen Winden nicht einfach zu beherrschen ist. Ihre Mutter war wasserscheu. Auch die gebürtige Potsdamerin musste erst lernen, sich zu überwinden. Das geschah als junges Mädchen beim Windsurfen im Ostseeurlaub. Heute gehört die Fünfunddreißigjährige zu den größten Akrobaten auf dem Wasser. Kristin Boese steht mit neun WM-Titeln in fünf Disziplinen im Guinnessbuch der Rekorde, kein anderer Kitesurfer war bisher vielseitiger und erfolgreicher. Im Sommer wurde sie vor St. Peter-Ording WM-Zweite.

22550903 © Juan Luis De Deeckeren Vergrößern Ein Leben mit dem Brett: Kristin Boese

Sie ist eine Ausnahmeerscheinung ihres Sports. Der spleenige Milliardär Richard Branson lud sie schon mit anderen Weltklasse-Kitesurfern auf seine Privatinsel in der Karibik ein. Hinzu kommt seit neuestem ihr Engagement als Mitveranstalterin. Vor Hookipa fand in der vergangenen Woche das Finale der besten Wellenreiter unter den Kitesurfern statt. Mit einigen Kollegen hatte sich Kristin Boese vor einiger Zeit zusammengetan und die kleine Serie aufgezogen. Ein Zeichen, dass sie sich langsam als aktive Athletin zurückzieht, soll diese Arbeit nicht sein. „Ich kann doch nicht aufhören“, sagt sie. Auch dieses Jahr war wieder ihr Jahr.

Ihre Freundin starb beim Kitesurfen

Die ausgeprägte Leidenschaft hatte bei Kristin Boese immer viel mit Selbstüberwindung zu tun. Nicht nur bei der Gewöhnung an tiefes, wildes Wasser. Sie musste oft kämpfen, um ihren unkonventionellen Lebenstraum zu verwirklichen, dabei auch schlimme Schicksalsschläge hinnehmen. Ihre Freundin starb beim Kitesurfen auf dem Darß, als es noch kein Notauslösesystem für die im Wind so unberechenbaren Drachenkonstruktionen gab. Kristin Boese hätte damals aufhören können. Aber sie hat überlegt, sich gegen ihre schlechten Gedanken durchgesetzt und ist auch in anderen Fällen immer wieder zurückgekommen. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation verdiente Kristin Boese ihr Geld als Kitesurf-Lehrerin an Nord- und Ostsee, auf Fuerteventura und in den Urlaubgebieten Ägyptens.

Mehr zum Thema

Als sich erste sportliche Erfolge einstellten und ein paar Sponsoren Interesse zeigten, ermöglichte ihr das etwas bessere Budget auch Trainingsaufenthalte in Australien, Südafrika und auf Hawaii. Ihr Publizistik-Studium an der FU in Berlin fortzuführen, dafür war ab einem gewissen Moment keine Zeit mehr. Sie entschied sich für das Vagabundenleben an den Stränden dieser Welt - und für den Leistungssport. Der große Reichtum als Sportprofi stellte sich allerdings nie ein. Kitesurfen ist zwar Trend, aber im Sportbusiness doch nur eine Randerscheinung. „Es gab schon Momente, in denen ich komplett verzweifelt war. Da fehlte mir sogar das Geld für die nächste Mahlzeit“, sagt Kristin Boese. Nach der Lehman-Krise 2008 fuhren viele Sponsoren ihr Engagement herunter. Wieder da ist das Geld bisher nicht.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schlechtes Wetter Venedig versinkt im Regen

Im krisengebeutelten Italien bleiben jetzt auch noch Sonne und Touristen aus. Das Gastgewerbe hatte hohe Erwartungen an die Sommermonate. Doch die fallen nun ins Wasser. Mehr

30.07.2014, 17:37 Uhr | Gesellschaft
Österreich Propalästinensische Fußballfans stürmen Platz

Folgen des Gaza-Konflikts: Ein Testspiel zwischen Haifa und Lille muss abgebrochen werden, weil propalästinensische Fußballfans das Spielfeld stürmen. Ein Testspiel von Paderborn findet nun unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Mehr

24.07.2014, 04:50 Uhr | Sport
Weitspringer Markus Rehm „Die EM - das Thema ist für mich durch“

Markus Rehm kritisiert den Deutschen Leichtathletik-Verband, will aber auf eine Klage verzichten. Er habe „Respekt“ für die anderen Sportler, wolle nicht weiter für Verwirrung sorgen und „fair bleiben“. Mehr

31.07.2014, 08:26 Uhr | Sport
Umfrage

Markus Rehm darf nicht zur EM: Ist das „Nein“ zum Prothesenspringer richtig?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Zu Befehl!

Von Christoph Becker

Liebe Ultras, bevor es dieses Wochenende in der zweiten Bundesliga losgeht, ein gut gemeinter Tipp: Bemüht euch. Denn der pflegeleichte, brave Fanbot wartet schon in der Nachbarschaft. Mehr 2