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Unruhen beim Confed-Cup : Die Fifa taucht ab

  • -Aktualisiert am

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: Fifa-Präsident Blatter versteckt sich Bild: AP

Fifa-Präsident Blatter erscheint nicht beim Projekt „Football for Hope“, Verbandsembleme werden entfernt. Brasilien ist vor dem Halbfinale des Confed-Cups zwischen Brasilien und Uruguay (21 Uhr) endgültig zum Krisengebiet für den Weltfußballverband geworden.

          Es ist eines seiner Lieblingsprojekte: „Football for Hope“ heißt eine Aktion des internationalen Fußballverbandes (Fifa), mit der sich die Fifa und deren Präsident Joseph Blatter gerne schmücken. Der Fußball als Triebfeder einer sozialen Entwicklung mit durchaus überzeugenden Projekten für Jungen und Mädchen aus benachteiligten Schichten dieses Erdballs. Vorzugsweise in Ländern, in denen die Fifa eines ihrer Turniere gerade abhält oder bald abhalten wird. Das verleiht dem Sportverband, in dem viele nur noch einen Konzern zur Verwaltung des Produkts Fußball sehen, einen sozialen Anstrich.

          Eigentlich ein Pflichttermin, den Blatter gerne wahrnimmt. Doch die geplante Eröffnungsfeier für das „Football for Hope Forum“ in Belo Horizonte im Vorprogramm des Halbfinalspiels zwischen Brasilien und Uruguay am Mittwoch (21 Uhr MESZ/live im ZDF) wird diesmal ohne den Präsidenten über die Bühne gehen. Grund für die Streichung sei eine „unvorhersehbare Verlegung des Austragungsortes“, teilte die Fifa mit. Blatter übermittelt nun Grüße von der Video-Leinwand.

          Dass das Fernbleiben Blatters mit einer „unvorhersehbaren Verlegung des Austragungsortes“ zusammenhängt, ist schwer zu glauben, zu perfekt sind die Auftritte des Fifa-Präsidenten in der Regel geplant. Nichts wird dem Zufall überlassen, wenn sich Blatter in der Scheinwerferwelt der Medien positioniert. Stattdessen passt die Entscheidung, das Forum nicht persönlich zu eröffnen, zu einigen weiteren bemerkenswerten Beobachtungen, die dieser Tage in Brasilien möglich sind. Der Weltverband zieht sich still und heimlich zurück. Vor dem Hotel Copacabana Palace, einer der traditionsreichsten Herbergen der Stadt, stand bis vor wenigen Tagen noch die Fahrzeugflotte der Fifa aufgereiht wie an einer Perlenkette. Auch in anderen Austragungsstädten des Confed Cups 2013 ist die Fifa von ihrer bisherigen Praxis abgewichen, sich offensiv öffentlich zu präsentieren. Manchmal wirkte das sogar etwas protzig.

          Besatzungsmacht Fifa

          Der Hintergrund ist ganz einfach: Zuletzt schreckten Meldungen den Weltverband auf, es habe Übergriffe auf die durch das Sponsoren- und Fifa-Logo leicht erkennbaren Fahrzeuge gegeben. In der Tat sind die Mitarbeiter des Weltverbandes an ihrer uniformierten Kleidung sowie ihren Transportfahrzeugen leicht zu erkennen. Das war bisher auch kein Problem, war der internationale Fußballverband doch bei den vergangenen Weltmeisterschaften und Turnieren stets herzlich willkommen. Doch in Brasilien ist das anders.

          Die Fifa wird von vielen Brasilianern als Eindringling, ja, geradezu als Besatzungsmacht empfunden. So jedenfalls steht es auf den handgemalten Plakaten zu lesen, die die Demonstranten durch die Straßen São Paulos, Brasilias und Rio de Janeiros tragen. Entsprechende Reaktionen erhalten auch die tüchtigen Mitarbeiter der Fifa in der zweiten und dritten Reihe, die die Proteststimmung nun ausbaden müssen. Dass der ein oder andere Mitarbeiter im Verbands-Anzug nun nicht mehr so gerne in das bereitstehende Fahrzeug steigt und sich durch die aufgeladene Stimmung in der Stadt fahren lässt, ist verständlich. So eine Verhaltensregel gilt auch für Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen in Krisengebieten.

          Lernt die Fifa vom Papst?

          Für die Fifa ist Brasilien derzeit ein Krisengebiet. Und ganz besonders Belo Horizonte, wo es in den letzten Tagen rund um das Stadion heiß herging. Die Ereignisse in Brasilien sind aber auch eine große Chance, das eigene Auftreten zu überdenken. Müssen es immer die besten und teuersten Hotels in der Stadt sein? Muss es eine Ehrentribüne mit Ledersesseln und persönlicher Bewirtung sein, nur ein paar Meter vom normalen Fan getrennt, der staunend auf diese Insel der Mächtigen blickt? So nah dran und doch so weit entrückt. Müssen die Mitarbeiter aussehen, als hätten sie sich gerade im teuersten Laden der Stadt für den Stadionbesuch einkleiden lassen?

          Vielleicht hilft Joseph Blatter ein Blick auf den Vatikan. Dort ist der neue Papst dabei, seine „Organisation“ vom Kopf her neu auszurichten. Dazu gehört auch, dass Franziskus gerne mal Bus und Bahn fährt und in einer einfachen Unterkunft logiert. Dem Papst ist es gelungen, damit in wenigen Wochen Vertrauen und Anerkennung zurückzugewinnen. Vielleicht nicht der schlechteste Ansatz für einen entrückten Weltverband, um sich den Fans wieder anzunähern.

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