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Universität Notre Dame Ein Mythos aus Besessenheit

Nach über zwanzig Jahren ohne Titel steht die Footballmannschaft der Universität Notre Dame wieder im Finale der Collegemeisterschaft. Mit dem Comeback kommen die Erinnerungen wieder hoch.

© REUTERS Vergrößern Die „Fighting Irish“ mit Quarterback Everett Golson beim Training

Die Spieler tragen nicht nur goldene Helme, sondern bekommen sie auch noch jede Woche von fleißigen Kommilitonen frisch lackiert. Denn sie sollen im herbstlichen Sonnenlicht am Lake Michigan so grell glänzen wie nur möglich.

Vor jedem Match geht die Mannschaft zu einer Messe in der Sacred-Heart-Basilika und anschließend durch ein Spalier der Fans zum Stadion. Sicher auch beseelt von jenem großen Wandgemälde unweit der Arena, das an diesem Ort hauptsächlich unter dem Spitznamen „Touchdown Jesus“ bekannt ist.

Notre Dame - die katholische Universität in South Bend im Bundesstaat Indiana - lebt nämlich hauptsächlich von zwei Dingen: den erzieherischen Prinzipien einer Glaubenslehre, wie sie der französische Priester Edward Sorin in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Gründung verankerte. Und von einem Mythos, der sich mit einer uramerikanischen Besessenheit verbindet - College-Football.

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Damit diese Mischung funktioniert, braucht man nicht nur ein Stadion mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern, das man in der kurzen Saison zwischen Ende August und Ende Dezember jedes Mal bis zum Rand ausverkauft. Notre Dame bietet mehr: so etwas wie den Inbegriff einer fast heiligen säkularen Idee, die sich unerschöpflich an der eigenen Vergangenheit labt.

Das begann vor knapp hundert Jahren - mit dem Studenten Knute Rockne, der anschließend als Trainer mit seinen Mannschaft mehrfach amerikanischer Meister und in dieser Rolle zu einer legendären Figur wurde. Aber es endete keineswegs mit den letzten zwanzig sportlich ausgesprochen mageren Jahren. Denn Wiederauferstehung, die gehört in Notre Dame selbstverständlich zu den vielen Glaubensgrundsätzen dazu.

Finale gegen die Universität Alabama

Das Vertrauen hat sich gelohnt. Und so werden an diesem Montag (Dienstag, 2.30 Uhr MEZ) Millionen von Amerikanern in der Live-Übertragung eine Mannschaft bestaunen, die sich in den letzten Monaten mit zwölf Erfolgen in zwölf Spielen sportinteressierten Öffentlichkeit ins Endspiel um die Collegemeisterschaft gegen die Universität Alabama vorgekämpft hat.

Die beiden treffen sich an einem neutralen Ort: dem NFL-Stadion der Dolphins in Miami. Dass die „Fighting Irish“, so der anspielungsreiche und klischeebesetzte Spitzname aus den Zeiten von Coach Rockne, vierundzwanzig Jahre nach dem Gewinn des letzten Titels 1988 wieder ganz oben mitmischen, hilft natürlich, das Match zu hypen.

Denn mit dem Comeback kommen automatisch die Erinnerungen an all die vielen Episoden und Anekdoten wieder hoch. An jenes poetische Zitat aus einem Bericht des Sportjournalisten Grantland Rice von 1924 etwa, in dem er die vier unwiderstehlichen Offensivspieler Harry Stuhldreher, Jim Crowley, Don Miller und Elmer Layden zu den vier apokalyptischen Reitern aus dem sechsten Kapitel der Offenbarung des Johannes stilisierte - „ein verwirrendes Panorama, ausgebreitet auf der grünen Fläche unter uns“.

AP Coach of the Year Football © dapd Vergrößern Gut lachen: Trainer Brian Kelly freut sich auf das Finale

Oder an den Hollywood-Film „Knute Rockne, All-American“, der die Geschichte des Trainers erzählte und in dem der junge Schauspieler Ronald Reagan die Rolle des Spielers George Gipp erhielt, der die Mannschaft vom Krankenbett aus grüßte: „Win just one for the gipper.“ Der Spitzname „Gipper“ begleitete den späteren Politiker bis ins Weiße Haus.

Notre Dame war auch für einen anderen Amerikaner von Rang und Namen eine wichtige Station: Der aus Pennsylvania stammende Quarterback Joe Montana, der als Profi bei den San Francisco 49ers viermal den Super Bowl gewann. Das Besondere an der Karriere: Der nicht besonders kräftige Montana, später berühmt für seine Coolness und Nervenstärke, musste sich nicht nur im Team von 1977, das die Collegemeisterschaft gewann, von der Reservebank aus ins Rampenlicht vorarbeiten.

„Er erinnert mich an Bill Clinton“

Er galt auch unter NFL-Scouts zunächst nur als zweite Wahl. Ausgerechnet Montana, inzwischen 56 Jahre alt und in Kalifornien mit solchen Dingen wie einem eigenen Weingut beschäftigt, kritisierte am Anfang der Saison die Situation in Notre Dame: Cheftrainer Brian Kelly sei nicht in der Lage, „herauszufinden, was er will. Jeden seiner Quarterbacks hat er zum kommenden Star hochgelobt. Aber keiner bleibt lange.“

Tatsächlich hat der Coach, der 2010 mutig in den Mustopf aus Mythen und Meisterschaftserfolgen trat und nun die Früchte seiner Arbeit erntet, in dieser Saison seine Mannschaft vor allem über die Defensive stark gemacht. Talent zur Selbstdarstellung hat er übrigens auch. Tim Selgo, sein Vorgesetzter an seinem letzten Arbeitsplatz an der Grand Valley State University in Michigan, hat ihn mal so beschrieben: „Er erinnert mich an Bill Clinton. Der versteht es, Menschen in seiner Gegenwart das Gefühl zu geben, dass jeder Teil von etwas ganz Besonderem ist.“ Und ganz Amerika darf daran teilhaben.

Quelle: F.A.Z.

 
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