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Turnen Die Hambüchen-Festspiele gehen weiter

15.11.2008 ·  Der Frust von Peking ist längst vergessen. Für Hambüchen ist der DTB-Pokal in Stuttgart eine „Riesengaudi“. Und dabei ist er selbst wieder der Fabian, der dem deutschen Turnen diesen unnachahmlichen Glanz verleiht.

Von Christiane Moravetz, Stuttgart
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Fabian Hambüchen hatte die Hände tief vergraben in den Taschen seiner Trainingsjacke; mit kalten Fingern turnt es sich nicht gut an Barren und Reck. Wie zufällig schlenderte er von der einen Ecke der Porsche-Arena in Stuttgart in die schräg gegenüberliegende. Als von irgendwo auf der Tribüne der Ruf hinunter und ins weite Oval der Halle schallte, schien das ein Signal: „Fabi, Fabi“, stimmten Hunderte ein. Fabian Hambüchen weiß, was er seinen Fans schuldig ist und winkte freundlich in alle Richtungen, er genießt die Zuneigung von den Rängen. Egal, wo er auftritt in Deutschland, er hat ein Heimspiel.

Und dann ist da noch dieses ganz besondere Pflaster: In Stuttgart gewann Hambüchen vor gut einem Jahr den Weltmeistertitel am Reck, und seit langem schon haben sie hier alles auf ihn ausgerichtet. „Schön“, sagte er am Freitagabend nach der Qualifikation im DTB-Pokal. Es war sein erster großer Auftritt in Deutschland nach den Olympischen Spielen von Peking. „Schön, dass sie die Einmarschmusik von der WM gespielt haben.“ Na ja, die Wettkampfhalle von heute war damals nur die Aufwärmhalle. „Aber die Stimmung ist wie immer toll.“ Für die Kinder und Jugendlichen, die ihm in schier endloser Geduld Blöcke, Hefte und Fotos zur Unterschrift entgegenstrecken, ist er mehr als nur der Weltmeister, Europameister, der Olympia-Dritte. Sie lieben ihn. Er muss sich nicht überwinden, freundlich zu ihnen zu sein, und die Anfeuerungsrufe „haben wohl nur den Hallensprecher gestört“.

Tiefes Durchatmen nach der Reck-Kür

Der bat nämlich die jugendlichen Anhänger um Ruhe, als sich Hambüchen für seine erste Reck-Übung am Stuttgarter Turn-Wochenende bereitmachte. Er siegte, wie selbstverständlich. Tiefes Durchatmen nach der Reck-Kür am Samstag, beide Fäuste nach oben gereckt und anschließend noch einmal das Publikum zu einer Zusatz-Portion Jubel aufgefordert: Hambüchen hat wieder einmal mit der schwierigsten Übung (Ausgangswert 7,1) allen gezeigt, was für ein Wettkampftyp er ist. Zusätzlich gewann er noch das Bodenturnen und wurde Dritter am Barren.

Vergessen die Minuten, Stunden, Tage nach dem Reck-Finale von Peking, das ihn in tiefe Enttäuschung hatte stürzen lassen, vergessen der Frust, der nur ganz langsam der Freude über die Bronzemedaille Platz gemacht hatte? Fabian Hambüchen hat sich schon in den vergangenen Wochen selbst überzeugt, dass „nur“ Platz drei bei Olympia nicht den Untergang seiner Turn-Welt bedeutete, dass er trotzdem der beste Reck-Turner der Welt ist. Er hat erkannt, dass er Peking als Erfolg und nicht als Scheitern betrachten darf, und ist daran gewachsen. Und er hat sich im Training wieder so konzentriert, wie er das vor den Olympischen Spielen getan hatte. Er hat sich erste Streicheleinheiten in seinen Bundesliga-Kämpfen mit der KTV Straubenhardt geholt. Auch dort, am Rande des Schwarzwalds, trägt ihn die Woge der Begeisterung. Auch dort gibt Hambüchen jedesmal sein Bestes. Und niemals sucht er Ausreden für Patzer, die auch ihm unterlaufen.

„Kapselverletzung“ diagnostizierten die Ärzte

Dabei hätte er sowohl in Peking als auch in den Wochen danach guten Grund gehabt, allen Kritikern einen Fingerzeig zu geben. Denn schon bei Olympia behinderte ihn eine Verletzung am kleinen Finger der linken Hand, erlitten im Training vor dem ersten Wettkampf. „Kapselverletzung“ diagnostizierten die deutschen Ärzte vor Ort, Hambüchen biss die Zähne zusammen und lehnte jeden Versuch ab, seine Unsicherheiten am Reck damit zu erklären. Beinahe drei Monate später ist er schlauer, sind die Verantwortlichen schlauer. Weil der Finger nach einem Wettkampf in der Schweiz vor zwei Wochen wieder Probleme verursachte, wurde endlich eine Kernspin-Untersuchung vorgenommen, mit niederschmetterndem Ergebnis. Schon in Peking, so stellte sich heraus, musste eine Sehne gerissen sein, zudem wurde ein Knochen-Ausriss diagnostiziert. Anfang kommender Woche wird bei weiter gehenden Untersuchungen entschieden, ob der Finger operiert werden muss.

In Stuttgart verzichtete Fabian Hambüchen wegen der Verletzung auf seine Teilnahme am Sprung im Rahmen des DTB-Pokals. Den Mehrkampf an diesem Sonntag, die neue „Champions Trophy“, wird er bestreiten. Schließlich ist Turnen das, was ihm nun, da die Nervosität in den ersten Wettbewerben nach Olympia endgültig gewichen ist, wieder die größte Freude bereitet. „Es war einfach nur eine Riesengaudi“, sagte er. Und war dabei wieder der Fabian Hambüchen, der dem deutschen Turnen diesen unnachahmlichen Glanz verleiht.

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