17.11.2004 · "Bitte, sperrt mich nur ein Jahr.“ Das Gnadengesuch von Nina Kraft dürfte keinen Erfolg haben. Die Dopingrichtlinien sehen eine dreijährige Sperre vor. Von 2005 an soll es Trainingskontrollen für alle Profi-Triathleten geben.
Von Ralf WeitbrechtDieser Kniefall kommt zu spät. Nina Kraft, die des Dopings geständige Hawaii-Siegerin, bittet um Gnade. Einen kleinen Zirkel innerhalb der Deutschen Triathlon-Union (DTU) und des Opel Ironman Germany hat sie inständig darum gebeten, ihr trotz der dreiwöchigen Epo-Kur eine zweite Chance zu geben.
"Bitte, sperrt mich nur ein Jahr, dann Blut- und Urintests alle drei Monate. Und dann würde ich gerne in Hawaii und in Frankfurt starten. Was Vergangenheit ist, kann ich nicht mehr rückgängig machen, doch gebt mir eine Chance und laßt mich beweisen, daß man auch fair siegen kann."
Trainingskontrollen für alle Profis
Die Bitte um Gnade dürfte keinen Erfolg haben. Die vor kurzem erst neu abgefaßten Dopingrichtlinien der DTU sehen eine dreijährige Sperre vor. Der Fall der gestürzten Hawaii-Siegerin Nina Kraft wird schon bald Geschichte sein, doch der Stein, den er ins Rollen gebracht hat, wird noch mehr Folgen zeitigen.
So hat der mit großer Spannung erwartete Runde Tisch mit Vertretern der DTU, der beiden Langstreckenveranstalter Frankfurt und Roth sowie den eigentlichen Hauptpersonen, den Athleten, erste vielversprechende Resultate gebracht. Die vielleicht wichtigste Botschaft: Vom 1. Januar 2005 an wird es eine Profilizenz geben, die für alle Distanzen gilt. Die Lizenzinhaber schließen sich dem im Februar 2002 gegründeten Sonderkader Trainingskontrollen der Deutschen Triathlon-Union an.
Rückwirkende Dopingtest
Deren Zahl soll zukünftig "deutlich erhöht werden", wie DTU-Präsident Klaus Müller-Ott am Mittwoch in Frankfurt ausführte. Gab es 2004 bei 33 Kaderathleten 100 Kontrollen, sollen von 2005 an "mindestens 150 Kontrollen gemacht werden". Mehr noch: Funktionäre und Athleten, unter ihnen die Langstreckenasse Thomas Hellriegel, Lothar und Nicole Leder und Jürgen Zäck sowie Kurzstreckenmeister Daniel Unger, haben sich während der gut dreistündigen Konsultationen darauf verständigt, auch rückwirkend Dopingtests anzusetzen.
Da vorgeschrieben ist, Dopingkontrollen bis zu acht Monate lang aufzubewahren, könnte so im Verdachtsfall problemlos auch später noch beispielsweise auf Erythropoietin (Epo) getestet werden. Am 11. Juli stieß Nina Kraft in neue Dimensionen vor, denn sie absolvierte den Qualifikationswettkampf für Hawaii erstmals in ihrer Karriere unter neun Stunden. Nach ihrer Entdeckung hätte man ihre Probe vom Opel Ironman Germany auf Epo nachuntersuchen können. "Ich bin absolut dafür, wenn wir das so machen könnten", sagte der Frankfurter Ironman-Veranstalter Kurt Denk. Einzig juristische Prüfungen, die derzeit laufen, stünden dem Rückgriff in die Vergangenheit noch im Wege.
„Schreckhaft aus Dornröschenschlaf erwacht"
Rund 15.000 Euro jährlich gibt die DTU für Dopingkontrollen aus, und nach dem Runden Tisch von Frankfurt sieht es so aus, als ob sich die Athleten in einem vernünftigen Rahmen beteiligen werden. "Für mich gibt es keine Schmerzgrenze", sagte der Darmstädter Lothar Leder. Ähnliche Profilizenzen gibt es schon in Frankreich. Dort müssen rund 500 Euro von Athleten gezahlt werden. In Deutschland, wo nach Einschätzung von DTU-Präsident Müller-Ott 200 bis 300 Profilizenzen realistisch erscheinen, könnte es durchaus vierstellige Kostenbeteiligungen geben. Daß gerade die Langstreckenspezialisten Profilizenzen beantragen werden, gilt als abgemacht. Die Veranstalter haben sich verpflichtet, Preisgelder nur an Lizenzinhaber zu zahlen.
Die wegen des Dopinggeständnisses von Nina Kraft in die Schlagzeilen geratene DTU sieht sich in der Pflicht. "Wir kommen zwar vom Mythos Ironman", sagt Präsident Müller-Ott, "aber wir haben eine Gesamtfaszination Triathlon." Der Verbandschef findet, "daß wir aus unserem Dornröschenschlaf schreckhaft erwacht" sind. Weitere bedeutsame Schreckensmeldungen dürfte es nach DTU-Angaben vorerst nicht geben. Zwar ist noch ein Dopingverfahren anhängig. Doch dabei handelt es sich um eine Breitensportlerin, die nur vergessen hat, ein ärztliches Attest bei dem fraglichen Kurzstreckenrennen vorzulegen.