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Triathlon Neuerfindung Ironman

04.07.2009 ·  Am Sonntagmorgen gehen wieder über 2000 Triathleten beim Ironman Germany ins Wasser. Ihr Sport ist „in“, er kommt aber auch in Bewegung: Der Ironman-Vermarkter Kurt Denk aus Frankfurt denkt in großen Dimensionen.

Von Michael Eder, Frankfurt
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Am Sonntag steht Frankfurt wieder ganz im Zeichen des Ironman. 2300 Triathleten aus 56 Nationen, darunter 30 Profis, gönnen sich einen langen Tag, der nach frühestens acht und spätestens sechzehn Stunden im Ziel auf dem Römerberg in Glück und Erschöpfung endet. Das Rennen ist noch nicht gelaufen, da planen viele Triathleten schon für das nächste Jahr, denn wer einmal bei einem Ironman mitmachen will, der muss sich schon vorher sputen. Als die Frankfurter Veranstalter am vergangenen Mittwoch auf ihrer Internetseite zu je 415 Euro Startgeld die ersten tausend Plätze für 2010 anboten, waren die nach einer Stunde vergriffen. Die restlichen 1300 sind am kommenden Montag zu buchen, um 15 Uhr wird die Anmeldung freigeschaltet, und es wird nur ein paar Minuten dauern, ehe es heißt: Ausverkauft!

Vordenker Kurt Denk

Langstreckentriathlons boomen, besonders jene Veranstaltungen, die unter dem Ironman-Label firmieren, 62 sind es weltweit mit rund 100.000 Startern pro Jahr, sie führen über die klassische Strecke (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) oder über die Halbdistanz, die unter dem Kürzel 70.3 läuft, der Zahl, die die Gesamtdistanz in Meilen angibt. Das Original freilich ist die Langstrecke, und der Run auf die Ironman-Rennen liegt auch daran, dass man sich quer durch alle Altersklassen nur bei ihnen für die Weltmeisterschaft qualifizieren kann, die im Oktober auf Hawaii stattfindet – Traumziel jedes Triathleten.

In Frankfurt werden 120 Plätze für das größte aller Rennen vergeben. In den nächsten Jahren werden es einige weniger werden, denn der Ironman ist dabei, sich neu zu erfinden, mehrere Veranstaltungen werden hinzukommen. Vordenker ist Kurt Denk, der Macher des Frankfurter Großveranstaltung. Er hat seine Agentur Xdream im Frühjahr dieses Jahres an die World Triathlon Corporation (WTC) verkauft, die kein Verband ist, sondern ein Privatunternehmen, das im April 2008 vom amerikanischen Investor Providence übernommen wurde.

Neuer Ironman-Wettbewerb in Deutschland geplant

Denk und sein Partner Kai Walter bekamen Anteile der WTC und firmieren nun als Europa-Geschäftsführer der WTC. Und weil Denk, der den Frankfurter Ironman mit einem Etat von 2,4 Millionen Euro längst zum Vorzeige-Event gemacht hat, nicht in kleinen Dimensionen plant, kommt nun Bewegung in eine Szene, die in den vergangenen Jahren nicht gerade durch Dynamik aufgefallen war. Mit Denk an verantwortlicher Stelle wird sich das ändern. „Einige Dogmen“, sagt er, „werden fallen.“ So wird es spätestens 2011, wahrscheinlich aber schon im nächsten Jahr, einen zweiten Ironman in Deutschland geben, und zwar mit einem Staffelwettbewerb. Das kommt einer Revolution gleich, denn bisher waren Staffeln im Ironman-Lager verpönt, weil das Credo hieß: Triathleten sind Einzelkämpfer, und sie bestreiten drei Disziplinen. Daneben kündigt Denk an, dass ein weiteres Ironman-Grundgesetz aufgegeben wird: Künftig steht der Massenstart, bei dem alle Teilnehmer gleichzeitig in den Wettkampf gehen, nicht mehr im Pflichtenkatalog eines Ironman-Rennens.

Das Frankfurter Rennen, das als Europameisterschaft ausgeschrieben ist, will Denk weiter aufwerten, das Preisgeld soll von 100.000 „auf 300.000 bis 400.000 Dollar“ steigen. Bis 2013 will er weitere Rennen in Europa aufbauen: in Italien, Spanien, Benelux und Skandinavien. Auf die bereits etablierten Ironman-Rennen in Europa – Klagenfurt, Zürich, Lanzarote und Nizza – könnten neue Zeiten zukommen. Wenn die bestehenden Lizenzverträge ausliefen, sagt Denk, werde er den Veranstaltern das Angebot machen, „unter das Dach der WTC“ zu kommen. Ziel der WTC sei es, die Rennen selbst zu veranstalten.

Roth zeigt sich renitent

Wo der zweite deutsche Ironman stattfinden soll, steht noch nicht fest. Denk spricht von drei Angeboten, die ihm vorlägen, und „einem Gespräch“. Hinter diesem verbirgt sich das fränkische Städtchen Roth und damit eine Menge Brisanz. Denk würde auch die Bayern, denen er 2002 das Ironman-Label abnahm, um es in Frankfurt zu vermarkten, gern in die WTC integrieren. Freilich hat sich Roth mittlerweile neu und erfolgreich positioniert – auch dank der lukrativen Staffeln, die es dort seit Jahren gibt – und expandiert international mit seiner Challenge-Serie, die bereits sieben Rennen in Europa umfasst, dazu eines in Wanaka/Neuseeland.

Ein erster Annäherungsversuch von Denk an die bayerische Konkurrenz ging schief; „die Heuschrecken“ kämen, sagte Roth-Organisator Felix Walchshöfer. Denk will nicht lockerlassen, hofft auf ein klärendes Gespräch, doch Walchshöfer winkt ab. „Es gibt kein Verhältnis zwischen uns und Frankfurt, uns interessiert dieser Ironman-Zirkus wenig. Wir sind gut aufgestellt und brauchen uns nicht zu verstecken.“

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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