09.04.2008 · Das Verfahren gegen Triathlet Lothar Leder wurde eingestellt, obwohl auffällige Blutwerte und eindeutige Gutachten vorliegen. Zu viele Fehler sind gemacht, zu viele Schwachstellen aufgedeckt worden - nun muss es Konsequenzen geben.
Von Michael EderLäge eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent vor, sagt Klaus Pöttgen, dann sei der Proband der Vater des Kindes, da könne er noch so viel erzählen. Pöttgen ist Rennarzt beim Frankfurter Ironman-Triathlon. Mit Vaterschaftstests hat er nicht zu tun, aber mit Bluttests und Wahrscheinlichkeiten schon, mit der Frage zum Beispiel, ob der Triathlet Lothar Leder im vergangenen Jahr bei der Frankfurter Großveranstaltung gedopt war oder nicht.
In der Causa Leder liegen auffällige Blutwerte vor und auch wissenschaftliche Gutachten, die eindeutig sind. Im krassesten Fall wird die Doping-Wahrscheinlichkeit mit 10.000:1 angegeben. Pöttgen und der Frankfurter Veranstalter Kurt Denk beziehen sich gern auf dieses Gutachten, für sie war nur ein Schluss möglich: Leder hätte verurteilt werden müssen, doch die Deutsche Triathlon-Union (DTU) entschied anders. Sie ist nach mehr als fünf Monaten zäher Untersuchung zum Schluss gekommen, dass dem 37 Jahre alten Darmstädter kein Verstoß gegen die Doping-Richtlinien nachgewiesen werden könne und das Verfahren deshalb einzustellen sei.
Alarmierende Werte, dürftige Erklärungen
Es ist ein Freispruch zweiter Klasse, und man kann nicht sagen, dass er in der Triathlon-Szene sonderlich gut angekommen wäre. Leder ist in der Spitzenklasse seiner Sportart zum Außenseiter geworden, und die Frage, ob zu Recht oder nicht, ist kaum zu klären. Zu viele Fehler sind gemacht, zu viele Schwachstellen aufgedeckt worden.
Der Frankfurter Veranstalter hatte vor dem Ironman im vergangenen Juli für die Spitzenathleten einen freiwilligen Test anberaumt, an dem Leder teilnahm. Die Aktion war ein Solo des Veranstalters, und obwohl die Abwicklung fragwürdig war, nahm die DTU vier Monate nach der Veröffentlichung von Leders Blutwerten Ermittlungen auf. Die Werte waren alarmierend, Leders Erklärungen dürftig, und der Verband wollte sich bei diesem sensiblen Thema nicht Untätigkeit vorwerfen lassen.
Eindeutigeres Procedere, engeres Netz
Dass die Geschichte nun ausgeht wie das Hornberger Schießen, wenn auch mit erheblichen Verletzungen auf beiden Seiten, war zu erwarten, und das ist eine schlechte Nachricht für den Kampf gegen Doping. Wo Eindeutigkeit herrschen sollte in der Abwicklung der Tests, in der Analyse der Werte, da herrscht im Fall Leder nur Chaos und Konfusion.
Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan, nicht gerade ein Freund Leders, hat als Konsequenz zwei Dinge angemahnt: Das Procedere der Tests müsse eindeutig und unstrittig sein. Und das Netz müsse enger geknüpft werden. Darum geht es: Wer sich darin verfängt, darf kein Schlupfloch mehr finden. Alles andere zerstört die Glaubwürdigkeit der Doping-Bekämpfung und damit auch jene des Sports.