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Triathlet wird Ironman Unger und die Wundertüte

Der Weltmeister von 2007 wagt den Wechsel. In Frankfurt wird er seinen ersten Ironman absolvieren. „Ich will endlich ein richtiger Triathlet sein.“

© ddp Der Höhepunkt: Daniel Unger wird 2007 in Hamburg Weltmeister.

Da geht noch was. Da ist noch Luft für etwas Großes. Daniel Unger weiß auch schon genau, was es ist: ein Ironman. Die ultimative Herausforderung über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. „Meine Karriere ist noch nicht fertig.“ Sagt einer, der eigentlich schon auf dem Gipfel angekommen ist. Hamburg, 2. September 2007: Unger schafft das Unmögliche, schlägt den besten und beständigsten Kurzstreckenspezialisten des Jahres und kommt bei der Weltmeisterschaft vor dem Spanier Javier Gomez als Erster über die Ziellinie auf dem Rathausmarkt. „Als Gomez angetreten ist, habe ich gemerkt, dass ich mithalten kann. Da wusste ich, dass ich es packen kann.“ Nun will es Unger wieder packen. Aber nicht auf der angestammten Kurzstrecke über die Olympiadistanzen von 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Der 34 Jahre alte Oberschwabe aus Bad Saulgau traut sich mehr zu. Der Ironman soll es sein. „Ich will endlich ein richtiger Triathlet sein“, sagt er.

Ralf Weitbrecht Folgen:

Seit 22 Jahren schon hat sich der charismatische Profi dem Triathlon verschrieben. „Ich bin mit mir selbst im Reinen“, sagt Unger in dem Gespräch, zu dem er in die Europazentrale des Ironman nach Hanau gekommen ist. Kai Walter, der die Gesamtverantwortung für die insgesamt 22 europäischen Ironman-Veranstaltungen trägt, lauscht aufmerksam Ungers Worten. „Eigentlich wollte ich noch bei Olympia in London starten. Aber es hat nicht geklappt.“ Auch deshalb stellte sich Unger die Frage: „Lasse ich den Triathlon auslaufen, oder betreibe ich es weiter als Beruf?“ Unger spürte, „dass das ganz große Feuer nie mehr entfacht wurde“.

„Ich habe aber großen Respekt vor der Strecke“

Doch am Lodern ist es stets gewesen, und für seinen Entschluss, auf der Zielgeraden seiner Karriere noch einmal etwas Neues, Unbekanntes auszuprobieren, spürt er reichlich Unterstützung. Die nötige Rückendeckung, die es ihm erleichtert, noch ein, zwei Jahre weiterzumachen, kam von mehreren Seiten. Ungers Frau versprach ihrem Mann, sich auch zukünftig um die beiden kleinen Kinder zu kümmern. Und Walter überzeugte den Weltmeister von 2007 mit einem wirtschaftlich attraktiven Gesamtpaket davon, sein Debüt auf der Langstrecke in Frankfurt zu geben. Ironman am Main, das nach Hawaii zweitwichtigste Ultrarennen der Welt. „Ich liebe den Eventcharakter in der Stadt“, sagt Unger über sein Motiv, gerade in Frankfurt sportliches Neuland zu betreten. Schon jetzt empfinde er „große Freude“ für den längsten Tag des Jahres am 7. Juli. „Ich habe aber großen Respekt vor der Strecke. Ironman - das ist eine große Wundertüte.“

Triathlon 2011 Ironman World Championship © picture alliance / dpa Vergrößern Der Ironman auf Hawaii gilt als der bekannteste von allen Ironman-Veranstaltungen weltweit.

Ungers großes Plus: Er kennt die Stars der Szene, ist seit Jahren mit Triathleten wie Andreas Raelert, Timo Bracht, Thomas Hellriegel und Faris Al-Sultan befreundet. Aus vielen Gesprächen weiß er: „Es darf keine muskulären Probleme geben. Aber am Schluss eines Ironman ist es eine absolute Willenssache.“ Was kann, was will der Körper leisten? Wie groß sind die Potentiale, über die der ausgewiesene Kurzstreckenexperte Unger verfügt - und was bringen sie bei einem Ironman?

Um sich vorsichtig an die neue Herausforderung heranzutasten, wird Unger zunächst halbe Sachen machen, um ganz auf Nummer Sicher zu gehen. Halb-Ironman auf Mallorca. „Unser drittes deutsches Rennen“, sagt Walter hintersinnig. Die Langstrecke in Frankfurt, der Halbdistanzevent am 11. August in Wiesbaden - und ebendas nach den Längen der Meilen 70.3 genannte Rennen auf der Lieblingsinsel der Deutschen am 11. Mai. Unger wird vor Ort und unter den Teilnehmern sein, wenn auf der größten Baleareninsel in der Bucht vor Alcudia die Ironmansaison in Europa gestartet wird. „Beim Triathlon musst du hundert Prozent fit sein, um gut zu sein“, sagt Unger. „Beim Fußball kannst du das ganze Spiel schlecht sein. Aber wenn du in der neunzigsten Minute das Tor schießt, ist alles gut.“

Schwächen sind tabu

Um für Mallorca und in der Folge Frankfurt gerüstet zu sein, will Unger einen Großteil seiner Tagesarbeit minutiös durchplanen. „Essen, schlafen, trainieren: Nicht jeder Tag muss perfekt sein“, sagt er. „Aber er muss immer am Optimum sein.“ Schwächen, das weiß der Triathlon-Seitenwechsler aus eigener Erfahrung, sind tabu. „Ich dachte, ich könnte nach meinem WM-Sieg auch bei Olympia in Peking etwas erreichen“, erinnert er sich. „Aber ich habe sportlich Federn lassen müssen.“ Jan Frodeno machte das Rennen seines Lebens, wurde erster deutsche Olympiasieger - und von Ehrung zu Ehrung und von Talkshow zu Talkshow herumgereicht. Etwas, das Unger im Vorjahr nur in Maßen auskosten konnte. Immerhin: Sein Coup in Hamburg war und ist bei Weltmeisterschaften das Beste, das der Deutschen Triathlon-Union in ihrer bisherigen Verbandsgeschichte passiert ist.

Ironman Frankfurt - Über 2.500 Athletinnen und Athleten aus 51 Nationen nehmen die Herausforderung 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon mit dem Finale auf dem Frankfurter Römer an. © Wonge Bergmann Vergrößern Zieleinlauf am Römerberg: Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem Marathonlauf hatten es die Athleten geschafft.

Für die Zukunft auf ungewohntem Terrain fühlt sich Unger gut ins Rollen gekommen. „Die Motivation ist da. Ich freue mich wieder richtig auf das Training und mache gerne tausend Schritte mehr.“ Der sprintstarke Triathlet weiß, „dass Laufen meine Stärke ist“. Und weil ein Ironman noch immer auf der finalen Marathonstrecke entschieden wird, rechnet sich Ironman-Rookie Unger durchaus Chancen aus, die Etablierten ein wenig zu ärgern. Frei von jeglichem Druck, beseelt nur von einem letzten großen Ziel: „Ein richtiger Triathlet zu sein und 2014 auf Hawaii zu starten.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.12.2012, 07:00 Uhr

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