09.10.2009 · „Die Umstände von Doping-Kontrollen im Wettkampf sind manchmal extrem, manchmal menschenunwürdig“, sagt Timo Bracht: „Der Preis, den wir in diesem System zahlen beim Versuch, unsere Glaubwürdigkeit zu beweisen, ist sehr hoch.“
Timo Bracht über manchmal menschenunwürdige Doping-Kontrollen „Die Umstände von Doping-Kontrollen im Wettkampf sind manchmal extrem, manchmal menschenunwürdig. Bei einem Ironman kommst du nach acht, neun Stunden mit einem körperlichen Totalschaden ins Ziel. Wenn du gut bist, hast du erst einmal einen Medienmarathon vor dir. Du darfst nur das Wasser trinken, das dir die Doping-Kontrolleure reichen, du hast die ganze Zeit einen Begleiter neben dir. Das heißt: Du stehst da als Sieger, und neben dir steht einer, der einen gelben Umhang anhat, auf dem steht: Anti-Doping. Du stehst da wie ein Verdächtiger, bewacht auf Schritt und Tritt. Du kannst nach dem Medienmarathon nicht zu deiner Frau, deinen Freunden, du musst zur Kontrolle, musst oft warten mit voller Blase, bis du dran bist, das Ganze in Wettkampfkleidung, du gehst halb barfuß, die Füße voller blutiger Blasen, ins Pissoir, es passiert, dass Kollegen um dich herum kollabieren, dann müssen Rettungskräfte her, schließlich pinkelst du, wird der ph-Wert getestet, musst hoffen, dass er in Ordnung ist für die Probe, dann musst du den Urin umfüllen, A- und B-Probe, musst ihn versiegeln, dann gehst du raus, musst alles unterschreiben, musst deinen Personalausweis dabeihaben, musst alle möglichen Angaben machen, musst mitdenken, darfst keinen Fehler machen. Ich habe oft starke Kopfschmerzen nach einem Rennen, das ist nicht einfach, weil du nach diesen acht, neun Stunden kaputt bist und nicht mehr kannst. Wenn die Leute draußen das alles mal sehen würden, würden sie uns Sportler nicht nur als mögliche Täter betrachten, sondern auch sehen, was für einen Preis wir in diesem System zahlen beim Versuch, unsere Glaubwürdigkeit zu beweisen. Dieser Preis ist mittlerweile sehr, sehr hoch.“