Unbeeindruckt von den Attacken seines deutschen Rivalen Jan Ullrich steuert Lance Armstrong nach der letzten Pyrenäen-Etappe in souveräner Manier dem siebten Toursieg entgegen. Beim abschließenden Kräftemessen im Hochgebirge war der amerikanische Star auf dem 180,5 km langen Teilstück von Mourenx nach Pau jederzeit Herr der Lage.
Ullrichs Angriff auf die Podiumsplätze bleibt vorerst ohne Erfolg. „Er hat's versucht, wir haben gegengehalten. Man fühlt sich super, wenn man die Berge hinter sich hat. Jetzt heißt es sicher fahren, kein Risiko eingehen, auch nicht beim Essen, und das Zeitfahren über die Bühne bringen. Dann ist es gelaufen“, sagte Armstrong.
„Lance ist eben sehr souverän“
Den Tagessieg holte sich der Spanier Oscar Pereiro, der den Sprint einer vierköpfigen Ausreißergruppe vor seinem Landsmann Xabier Zandio und Eddy Mazzoleni (Italien) gewann. „Wir haben alles probiert. Aber Lance ist eben sehr souverän. Jetzt sind die schweren Berge vorbei, trotzdem werde ich weiter kämpfen“, sagte Ullrich.
Tour de France, 16. Etappe: Ullrich kommt Rasmussen nicht näher
Der Rostocker sowie Armstrong und alle anderen Top-Fahrer erreichten 3:26 Minuten zurück in der dritten Verfolgergruppe das Ziel. Der T-Mobile-Kapitän liegt damit weiterhin 5:58 Minuten hinter dem Träger des gelben Trikots, Armstrong, auf dem vierten Platz. Zweiter und Dritter bleiben der Italiener Ivan Basso (2:46 Minuten zurück) und Michael Rasmussen aus Dänemark (3:09).
Kann Klöden weiterfahren?
Bester Gerolsteiner-Profi ist Levi Leipheimer (7:35) auf Rang sechs. Die T-Mobile-Profis Alexander Winokurow (9:38) und Andreas Klöden (12:01) liegen auf den Plätzen neun und elf. „Eigentlich wollten wir heute nicht soviel arbeiten. Aber dann mußten wir Cadel Evans folgen. Fabian Wegmann ist dabei stark gefahren, letztlich war der Platz von Leipheimer nicht in Gefahr“, sagte der Gerolsteiner Teamleiter Christian Henn.
Eine Hiobsbotschaft erhielt das T-Mobile-Team nach dem Rennen. Der gleich zu Beginn der 16. Etappe am Dienstag in einen Sturz verwickelte Merdinger Andreas Klöden zog sich einen Kahnbeinbruch an der linken Hand zu. Erst am Mittwoch vor dem Start der 17. Etappe entscheidet sich, ob der Gesamtzweite der Vorjahres weiterfahren kann. Klödens Teamgefährte Matthias Kessler zog sich beim gleichen Sturz eine leichte Gehirnerschütterung und eine Stauchung der Wirbelsäule zu.
„Ich kämpfe bis Paris“
Der Bonner Rennstall hatte am letzten Berg der Ehrenkategorie bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt nichts unversucht gelassen. So sorgten Ullrich, Winokurow und Klöden auf dem 16,5 Anstieg des 1709 m hohen Col d'Aubisque mit ständigen Attacken schnell für eine Selektierung der Spitzengruppe. „Ich werde auf jeder Etappe versuchen, Zeit gut zu machen. Ich kämpfe bis Paris“, hatte Ullrich bereits vor der letzten Pyrenäen-Etappe angekündigt und seinen Worten auch Taten folgen lassen. Doch weder Armstrong, noch Basso oder Rasmussen ließen sich abschütteln.
Als Erster überquerte der frühere T-Mobile-Profi Cadel Evans den Aubisque. Sein Vorsprung auf die Armstrong-Gruppe betrug auf dem Gipfel insgesamt 4:15 Minuten. Der Australier hatte sich dabei als bester Kletterer einer ursprünglich elfköpfigen Spitzengruppe gezeigt.
Ullrich bangte um vierten Platz
Den Ausreißern, die zwischenzeitlich einen Vorsprung von knapp sechs Minuten herausgefahren hatten, gehörte auch zwischenzeitlich Jörg Ludewig an. Am Ende erreichte der Steinhagener in der ersten Verfolgergruppe das Ziel und wurde Siebter. „Der Etappensieg war eigentlich mein Ziel. Aber immerhin habe ich die erste Gruppe erwischt. Es gibt für einen Radsportler nichts schöneres, als bei der Tour an der Spitze mitzufahren“, sagte Ludewig zu seiner besten Platzierung in bislang drei Tour-Jahren.
Auf der langen Abfahrt schlossen die beiden Spanier Pereiro und Zandio sowie Mazzoleni zu Evans wieder auf und drückten fortan mächtig auf das Tempo. Zwischenzeitlich mußte Ullrich sogar um seinen vierten Platz im Gesamtklassement bangen, da Evans dem Toursieger von 1997 bedrohlich nah gekommen war.
Nach der letzten Pyrenäen-Etappe startet das Peloton am Mittwoch in Richtung Zentralmassiv durch. Dabei steht mit dem Teilstück von Pau nach Revel über 239,5 km die längste Etappe der diesjährigen Tour auf dem Programm. Das Peloton überquert jeweils zwei Berge der dritten und vierten Kategorie.