Die längste Etappe der 92. Tour de France endete für Andreas Klöden bereits nach 13 Kilometern. Vergeblich hatte der Vorjahres-Zweite gegen die Schmerzen in seinem gebrochenen Handgelenk angestrampelt und mußte dann doch aufgeben. Weniger dramatisch verlief die 17. Etappe am Mittwoch von Pau nach Revel über 239,5 Kilometer für die Topfahrer. Nach den Anstrengungen der Pyrenäen gönnten sich Armstrong, Ullrich und Co. einen verkappten Ruhetag und 17 Ausreißern die Reise durch die Haute Garonne.
Der zweifache Giro-Gewinner Paolo Savoldelli, trotz der langen Liste seiner persönlichen Erfolge nicht mehr als ein einfacher Helfer in Armstrongs Team Discovery Channel, sicherte sich den Tagessieg im Spurt vor Kurt-Asle Arvesen (Norwegen) und Simon Garrans (Australien). „Die Steigungen in der Tour sind zwar nicht so schwierig wie beim Giro, aber hier ist die Konkurrenz größer und es wird schneller gefahren. Ich weiß nicht, ob ich das Zeug hätte, auch ein Mal die Tour zu gewinnen“, sagte Savoldelli nach dem ersten Etappensieg seiner Karriere bei der Frankreich-Rundfahrt.
Winokurow rückt auf Platz sieben
Auf den letzten 20 Kilometern wachten die Topfahrer am Mittwoch auf. T-Mobile forcierte das Tempo, um in der Teamwertung nicht zu viel Boden zu verlieren. An der letzten Schwierigkeit des Tages, dem kleineren Anstieg auf die Cote de Saint Ferréol drehten Jan Ullrich, Lance Armstrong und Alexander Winokurow noch ein Mal auf und setzten sich vom großen Verfolgerfeld ab. Die Armstrong-Gruppe erreichte das Ziel 22:28 Minuten nach Savoldelli, aber 20 Sekunden vor Floyd Landis (USA) und Cadel Evans (Australien).
Dadurch rückte Winokurow im Gesamtklassement zwei Plätze auf Rang sieben vor. Ansonsten änderte sich das Gesamtklassement an der Spitze nicht. Armstrong geht mit beruhigenden 2:46 Minuten Vorsprung auf den Italiener Ivan Basso auf die verbleibenden 543 Kilometer seiner letzten Tour de France und hat den siebten Erfolg in Serie weiter unbeirrt im Auge. Ullrich hat weiterhin 2:49 Minuten Rückstand auf den Dritten Mickael Rasmussen.
Ullrich: „Traurige Sachen“
Die Ausreißergruppe - ohne deutsche Beteiligung - hatte sich nach 35 Kilometern zusammengefunden und machte den Sieger unter sich aus. Aus dieser Formation hatten sich 40 Kilometer vor dem Ziel die acht stärksten Fahrer herauskristallisiert, die sich im Finale auf der Cote de Saint Ferréol noch ein Mal trennten. Mit Savoldelli, bis zum Vorjahr noch im T-Mobile-Team, gewann der Stärkste der Ausreißer. Nach dem Erfolg des Amerikaners George Hincapie gelang damit dem zweiten Armstrong-Helfer ein Etappensieg.
Trotz der Turbulenzen in seinem Team konnte Ullrich ebenso wie Armstrong am Mittwoch mit seinen Kräften vor den beiden schweren Etappen am Donnerstag und Samstag einigermaßen haushalten. Der T- Mobile-Kapitän hatte den Ausfall seines wertvollen Helfers und Freundes Klöden zu verkraften und kann im nächsten Jahr nicht mehr auf Winokurow zurückgreifen. Der Tour-Dritte von 2003 entschied sich am Mittwoch für einen Wechsel zum Jahresende. Die französische Equipe AG2R gilt als großer Favorit, ab 2006 Winokurow-Arbeitgeber zu sein.
„Die Schmerzen waren zu groß“
„Sowohl die Aufgabe von Andreas als auch der Weggang von Alexander sind traurige Sachen für mich. Ich fand, wir waren ein gutes Team. Aber bei Andreas war mir heute Morgen schon klar, dass er nicht durchhalten kann, zumal bei der superschlechten Straße heute“, sagte Ullrich.
Klöden, der mit geschienter rechter Hand angetreten war, erreichte das Ziel im Begleitwagen. „Es war eigentlich eine Frage der Zeit, wann ich heute aufgeben würde. Die Schmerzen waren zu groß. Immer nur hoffen und hoffen ist doch sinnlos. Ich konnte weder den Lenker richtig halten noch bremsen“, sagte der Wahlschweizer, der sich im Massensturz am Dienstag einen Kahnbeinbruch zugezogen hatte.
Er soll am Donnerstag nach Hause fliegen und wahrscheinlich in einer Woche operiert werden, wenn seine Hand abgeschwollen ist. „Sollte er operiert werden, könnte er etwa zehn Tage später wieder auf dem Rad sitzen“, erklärte Teamarzt Lothar Heinrich. Der ebenfalls am Dienstag gestürzte Matthias Kessler konnte die 17. Etappe beenden. Der Nürnberger T-Mobile-Kollege von Klöden leidet an einer Wirbelsäulen-Stauchung und einer leichten Gehirnerschütterung, die er im selben Sturz davongetragen hatte.