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Tour de France Im Zweifel gewinnt immer Contador

25.07.2009 ·  Der spanische Radprofi Alberto Contador geht als Führender auf die Schlussetappe der Tour de France. Seine Landsleute haben ihren Teil dazu beigetragen, dass er vor dem zweiten Sieg steht: Sie haben die Doping-Liste überarbeitet.

Von Michael Eder, Bedoin
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A.C. hat die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Er hat auch auf der extrem schweren vorletzten Etappe, die vor 500000 Zuschauern auf den Mont Ventoux führte, keine Schwäche offenbart. Mit Leichtigkeit konterte er die Attacken des Luxemburgers Andy Schleck, der alles probierte, aber letztlich einsehen musste, dass mehr als der zweite Platz in der Gesamtwertung nicht möglich war, nicht gegen diesen übermächtigen Gegner. An diesem Sonntag werden A.C. und Kollegen nach einer gemütlichen Etappe in Paris einrollen, dort geht es noch um den prestigeträchtigen Etappensieg auf den Champs-Elysées, das Klassement aber wurde am Mont Ventoux gemacht: A.C. gewinnt diese Tour, Andy Schleck wird Zweiter, Lance Armstrong Dritter, Bradley Wiggins Vierter, Fränk Schleck Fünfter und Andreas Klöden Sechster.

Herzlichen Glückwunsch, A.C.! Oder vielleicht besser: Herzliches Beileid, Tour de France! A.C. – unter diesem Kürzel firmierte Alberto Contador bei Eufemiano Fuentes, er war die Nummer 31 in der Kartei des spanischen Doping-Arztes und Blutpanschers. Man könnte sich fragen, warum dieser dürre Mann aus Madrid, der so leicht über die Berge fliegt und plötzlich auch das Zeitfahren beherrscht, in den vorigen Wochen durch Frankreich radelte und nicht eine Doping-Sperre absaß.

Die Antwort: Er ist Spanier. Und in Spanien sieht man die Sache mit Doping nicht so eng. Ja, sagt Contador, sein Name sei in einer ersten Liste der Guardia Civil aufgetaucht, aber in einer zweiten nicht mehr. Man hat die Listen ein wenig überarbeitet. Während beispielsweise in der Radsportnation Frankreich der Anti-Doping-Kampf mit politischer Rückendeckung so schlagkräftig ist, dass ein französischer Tour-Sieger seit zehn Jahren so wahrscheinlich ist wie ein Fußball-Weltmeister aus Kasachstan, haben die spanische Justiz, die spanische Politik und der spanische Verband eine wunderbare Ähnlichkeit mit jenen drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen.

Vollkommene Überlegenheit von Contador bei der Tour

Es ist nicht so, dass Contador der einzige unter den Weltklassefahrern wäre, der in Zusammenhang mit Doping gebracht wird, ganz und gar nicht. Armstrong, Klöden, Fränk Schleck, Sastre – keinem ist wirklich zu trauen. Doch keiner ist wie Contador, keiner radelt wie er, wie ein Roboter, besser noch als Armstrong in seinen besten Zeiten: Seit der Bergankunft in Verbier, die er locker gewann, hält A.C. einen zweifelhaften Weltrekord: Er hat dort 1864 Höhenmeter in einer Stunde überwunden, mehr als je zuvor ein Mensch auf einem Rennrad schaffte, mehr als Indurain, mehr als Pantani, mehr als Armstrong. Und das mit 26 Jahren, einem Alter, in dem Rennfahrer gewöhnlich längst nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen sind.

Wenn Contador so weiterfährt, kann er die Tour – wie seinerzeit Armstrong – auf Jahre hinaus dominieren, selbst die Rekordmarke des Texaners von sieben Siegen ist nicht mehr sicher. Contador, der 2008 den Giro d’Italia und die Spanien-Rundfahrt gewann, war 2007 schon einmal Tour-Sieger, damals profitierte er von der Disqualifikation des Dänen Michael Rasmussen. Auch vergangenes Jahr hätte er die Frankreich-Rundfahrt gewonnen, wenn die Tour-Leitung seinem Astana-Team nicht aus gutem Grund den Start verweigert hätte. In diesem Jahr nun fährt die Tour wieder einen Schmusekurs gegen hochverdächtige Doper, auch für Contador hat sie das Rennen freigegeben – dass sie sich damit einen Gefallen tut, darf man bezweifeln.

Die vollkommene Überlegenheit von Contador in den vergangenen drei Wochen wäre noch deutlicher geworden, hätte nicht ausgerechnet sein Astana-Teamkollege Armstrong versucht, ihn zu bremsen. Der Amerikaner arbeitete mit einem ganzen Arsenal von psychologischen Tricks, um den intellektuell einfach gestrickten Spanier einzuschüchtern und auszubremsen. Ein Coup gelang ihm dabei auf der dritten Etappe, als er sich, ohne Rücksicht auf Contador, in einem schwierigen, vom Wind bestimmten Rennen in die erste Gruppe absetzte und 19 Sekunden Vorsprung auf den Spanier herausfuhr.

Die Fachwelt staunt über das schnelle Zeitfahren

Man brauche keinen Nobelpreis, sagte Armstrong damals, um zu wissen, dass man in einem Windrennen weit vorn fahren müsse, um bei einem auseinanderfallenden Feld in der ersten Gruppe zu landen. Armstrong warf sich in die Chefpose, doch als es in Andorra-Arcalis darauf ankam, musste er klein beigeben: Contador ließ ihn, wie die gesamte Konkurrenz, stehen, als hätten alle einen Platten. Von da an hatte die Tour einen neuen Patron: Contador, so unbedarft wie unwiderstehlich.

Verwunderung löste auch seine Leistung beim Zeitfahren rund um den Lac d'Annecy aus, als er selbst Fabian Cancellara, Weltmeister und Olympiasieger und in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die Uhr praktisch unschlagbar, besiegte. Contador fuhr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 50 Kilometern pro Stunde und ließ mit seinen 62 Kilogramm Körpergewicht den weitaus athletischeren Zeitfahrspezialisten Cancellara hinter sich. Die Fachwelt schüttelte den Kopf.

A.C. kontrolliert das Rennen, kontert jede Attacke

Auch beim Ausscheidungsfahren am Mont Ventoux war A.C. eine Klasse für sich. Zum ersten Mal in der mehr als hundertjährigen Geschichte der Tour stand am Vortag des Schaulaufens nach Paris eine schwere Bergankunft auf dem Programm. Eine extreme Steigung, 22 Kilometer lang, dazu Hitze und Wind, eine halbe Million Zuschauer, und viele von ihnen hofften noch einmal auf eine Wende im Klassement. Contador ging mit 4:11 Minuten Vorsprung auf die Etappe, und so überlegen, wie sich der Spanier auf der rasenden Fahrt durch Frankreich bislang präsentiert hatte, blieb dem frankophilen Teil des Publikums, das mit den Schleck-Brüdern aus Luxemburg sympathisierte, nur eine vage Hoffnung auf eine Sensation am Berg der Berge.

Aber das blieb Wunschdenken. A.C. kontrollierte das Rennen nach Belieben, konterte jede Attacke und hätte, wenn er denn gewollt hätte, sicher auch gewonnen. So aber überließ er den beiden Ausreißern Juan Garate (Rabobank) und dem Eschborner Tony Martin (Columbia) die ersten beiden Plätze und ließ freundlicherweise auch Andy Schleck noch den Vortritt. Mehr als Vierter musste er diesmal nicht werden, um am Ende zweifelhafter Erster zu sein.

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