Home
http://www.faz.net/-gub-sjgu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Tour de France Hushovd gewinnt den Prolog

01.07.2006 ·  Der norwegische Radprofi Thor Hushovd hat überraschend den Prolog bei der 93. Tour de France gewonnen. Die Rundfahrt war nach dem jüngsten Dopingskandal, bei dem neben Jan Ullrich weitere Favoriten ausgeschlossen wurden, nur mit 176 statt 198 Fahrern gestartet worden.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner ist zum Auftakt der vom Dopingskandal überschatteten 93. Tour de France nur um vier Sekunden am ersten Gelben Trikot vorbeigefahren. Beim 7,1 Kilometer langen Prolog durch die Innenstadt Straßburgs mußte der deutsche Zeitfahrmeister am Samstag in 8:21 Minuten nur dem Norweger Thor Hushovd (8:17) und den Amerikanern George Hincapie und David Zabriskie den Vortritt lassen und wurde Vierter.

Überraschungssieger Hushovd feierte seinen insgesamt dritten Tour-Etappensieg. Der Sprinter aus Skandinavien, der im Vorjahr das Grüne Trikot eroberte, besitzt gute Chancen, sein Gelbes Trikot auf den kommenden Flachetappen zu verteidigen. David Millars Plan, sein Comeback mit dem Gelben Trikot zu krönen, schlug fehl. Der Schotte der 8:31 Minuten brauchte, wäre als Sieger den Veranstaltern nach dem Dopingskandal (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: T-Mobile suspendiert Jan Ullrich) wahrscheinlich auch ein Dorn im Auge gewesen. Die zweijährige Dopingsperre gegen Millar war erst sieben Tage vor dem Tourstart abgelaufen.

Trotzdem Hunderttausende Zuschauer

In Abwesenheit des in die Affäre verwickelten Jan Ullrich, der zusammen mit seinen Anwälten eine Verteidigungsstrategie ausarbeitet, brachte Lang eine starke Leistung. „Ich habe im Mannschaftsbus mitgezittert und die letzten Fahrer abgewartet. Das Gelbe bei der Tour - das wäre es gewesen. Ich ärgere mich jetzt schon ein bißchen, aber es ist trotzdem ein geiles Ergebnis“, sagte der Etappenvierte aus Erfurt.

Die Atmosphäre beim Tourstart ließ nicht unbedingt darauf schließen, daß das größte Radrennen der Welt unter einer schweren Hypothek gestartet war. Neun Profis, unter ihnen mit Ullrich und Ivan Basso die Topfavoriten und ersten Kandidaten, die Erbfolge Lance Armstrongs anzutreten, wurden unter schwerem Dopingverdacht ausgeschlossen. Das Publikum schien sich dafür aber nicht sehr zu interessieren. Am Straßenrand standen bei strahlendem Sonnenschein Hunderttausende und viele deutsche Fans forderten vor dem Teamwagen von T-Mobile Andreas Klöden auf, für Ullrich, der ursprünglich seinen zweiten Toursieg nach 1997 anpeilen wollte, in die Bresche zu springen: „Andreas - mach du es“.

„Absolut drogenfrei“

Langs Gerolsteiner Team hat bei der Rumpf-Tour, zu der am Samstag nur noch 176 Fahrer von der Startrampe rollten, beste Aussichten. Der Amerikaner Levi Leipheimer ist als Sechster des Vorjahres der am besten plazierte Fahrer der Tour 2005, der diesmal dabei ist. Der frühere Helfer von Armstrong fuhr am Samstag 8:26 Minuten. Bester der neuen Kandidaten für den Gesamtsieg war der spanische ProTour-Spitzenreiter Alejandro Valverde auf Rang fünf eine Sekunde hinter dem vor ihm plazierten Lang.

Für diesen einen Tag hatte Millar seit einem Jahr versessen und wie er bekannte „absolut drogenfrei“ trainiert. Vor dem Tourstart im Team Saunier Duval gab er sich restlos geläutert: „Ich habe einen Riesenirrtum begangen und dafür schwer gebüßt. Mit Hilfe des englischen Verbandes habe ich gelernt, daß es auch ohne Doping geht. Dem Problem ist nur beizukommen, wenn mehr unangemeldete Kontrollen stattfinden.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Improvisieren unter Zeitdruck

Von Michael Ashelm

Die Nationalelf setzt darauf, dass die frustrierten Münchner ihr neuen Anschub geben. Über genug Turniererfahrung und Reife verfügen die Leistungsträger. Zudem ist es ja nicht so, als hätten die Gegner keine Sorgen. Mehr 1