20.07.2008 · Der Australier Simon Gerrans hat die erste Alpenetappe gewonnen. Der Luxemburger Frank Schleck durfte unterdessen das Gelbe Trikot überziehen. Seine Verfolger Bernhard Kohl und Cadel Evans haben jedoch lediglich sieben beziehungsweise acht Sekunden Rückstand.
Die Tour de France erlebt italienische Momente - und sie hat seit Sonntag, dem ersten Tag in den Alpen, einen neuen Spitzenreiter. Der Luxemburger Frank Schleck profitierte von der harten Arbeit seines CSC-Teams und übernahm das Gelbe Trikot von dem Australier Cadel Evans.
Eine bemerkenswerte Darbietung gelang auch dem Österreicher Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner, der jetzt in der Gesamtwertung als Zweiter lediglich sieben Sekunden hinter Schleck liegt. Und eine Sekunde vor Evans, der nun Dritter ist. Kohl war vor der Fahrt von Embrun in Frankreich nach Prato Nevoso in Italien, die der Australier Simon Gerrans für sich entschied, Vierter gewesen.
Kohl im gepunkteten Trikot
Beim 11,4 Kilometer langen Anstieg zur Skistation Prato Nevoso bewies er aufs neue seine Kletterqualitäten. Ob der Klagenfurter allerdings in der Lage sein wird, nach dem Ruhetag bei der Tour Schleck zu attackieren, ist fraglich. In den Bergen ist er auf den letzten Kilometern in der Regel auf sich alleine gestellt - auch am Sonntag hatte er keinen Mitstreiter von Gerolsteiner mehr an seiner Seite.
Kohl kam als Fünfter in Prato Nevoso an, direkt vor dem Spanier Carlos Sastre von CSC. Sie waren mehr als vier Minuten langsamer als Gerrans. Immerhin trägt Kohl schon einmal das Trikot mit den roten Punkten, das den besten Bergfahrer auszeichnet.
CSC zermürbt Evans
CSC hatte mit den Brüdern Frank und Andy Schleck sowie Sastre immer wieder versucht, Evans zu zermürben - und letzlich war der Australier tatsächlich nicht mehr in der Lage, diese Angriffe zu kontern. Evans, der mühevoll in die Pedale trat, landete am Sonntag auf Platz 13.
Für Oscar Pereiro bedeutete der Sonntag das schmerzhafte Ende der Tour. Der Spanier stürzte bei der Abfahrt vom 2744 Meter hohen Agnel Pass über eine Leitplanke und zog sich einen Schulterbruch zu. Er wurde ins Krankenhaus von Cuneo gebracht. Pereiro war nachträglich zum Sieger der Tour 2006 erklärt worden, da der Amerikaner Floyd Landis des Dopings überführt wurde. Vor der Etappe am Sonntag hatte der Spanier auf Platz 15 gelegen. Er ist Teamkollege von Alejandro Valverde bei Caisse d'Epargne.
Vorzeitigen Abschied von der Tour nahm vor den Alpen auch Mark Cavendish vom Team Columbia - der junge Sprinter von der Isle of Man verließ die Tour müde, aber auch sehr zufrieden. Mit vier Etappensiegen hatte er gezeigt, dass er in seiner Zunft derzeit das Maß der Dinge ist, unerreichbar auch für Erik Zabel. „Er ist ein absoluter Gewinnertyp“, sagte Rolf Aldag, der Sportdirektor der amerikanischen Equipe. Cavendish will sich jetzt auf das nächste große Ziel vorbereiten, die Bahnwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Peking. Dass er nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Bahn sehr schnell fahren kann, hat der Brite bereits demonstriert: Er ist zweifacher Weltmeister.