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Tour de France Don Limpio, der saubere Familienmensch

 ·  Carlos Sastre ist nach langen Jahren als Adjutant im Alter von 33 Jahren endlich am Ziel: Sieger der Tour de France. Der Madrilene ist noch nie positiv auf Doping getestet worden - aber er kennt die dunkle Seite seines Sports. Die letzte Etappe gewann der Belgier Gert Steegmans und in Paris wurde der vierte Dopingfall bekannt.

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Carlos Sastre saß auf einem Podium in Saint-Amand-Montrond und redete über Leben und Tod. Als feststand, dass niemand ihm das Gelbe Trikot mehr würde streitig machen können, dass er diese Tour de France gewinnen würde, gedachte Sastre eines Mannes, der im Dezember 2003 gestorben ist.

Er erinnerte an Jose Maria Jimenez, dessen letzte Jahre von Depressionen, Alkoholexzessen und Kokaingenuss gezeichnet waren. Jimenez war ebenfalls Radprofi, und er war ein Verwandter von Sastre. Der 33 Jahre alte Spanier, der am Sonntag in Paris in Gelb eintraf, ist mit der Schwester von Jimenez verheiratet. Sastre würdigte Jimenez, indem er sagte: „Er ist heute bei mir.“

Gert Steegmans gewann die letzte Etappe

Solche Worte dokumentieren einen Wesenszug von Sastre, der als Familienmensch bezeichnet wird. Aber auch als introvertiert, als zurückhaltend. Und tatsächlich zeigte Sastre am Samstag, nachdem er seinen australischen Rivalen Cadel Evans im Zeitfahren auf Distanz gehalten hatte, keine großen Emotionen. Mit ernster Miene beschrieb er seinen Werdegang, seinen Aufstieg zum Tour-Patron als Nachfolger seiner Landsleute Oscar Pereiro und Alberto Contador.

Am Sonntag reichte Sastre auf der letzten Etappe über 143 Kilometer von Etampes nach Paris ein Platz im Hauptfeld, um seinen Vorsprung zu verteidigen. Als Dritter beendete Gerolsteiner-Fahrer Bernhard Kohl aus Österreich die Frankreich-Rundfahrt. Den letzten Tagesabschnitt auf den Champs Elysees entschied der Belgier Gert Steegmans zu seinen Gunsten. Als Zweiter eroberte Sprint-Spezialist Gerald Ciolek aus Pulheim seinen vierten Podiumsplatz bei dieser Tour. Nur wenige Minuten nach der Siegerehrung vermieste der vierte Dopingfall die Stimmung.

Der Kasache Dimitri Fofonow wurde des Dopings mit dem stimulierenden Präparat Heptaminol überführt. Eine „sehr hohe Dosis“ des die Durchblutung fördernden Mittels sei bei ihm gefunden worden, sagte der Chef der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD), Pierre Bordry. Fofonow ist nach den beiden Spaniern Manuel Beltran und Moises Dueñas Nevado sowie dem Italiener Riccardo Ricco der vierte Dopinfall der 95. Tour, die damit die Doping-Marke des Vorjahres um bisher einen Fall übertraf.

„Endlich hat er das erreicht, was er seit Jahren verdient hat“

Über Sastre ließe sich nun sagen, dass er für seine Beharrlichkeit als Radrennfahrer belohnt worden ist. Er war schon Dritter und Vierter bei der Tour, das offenbart seine Konstanz. Da verwunderte es nicht, dass Jens Voigt, sein deutscher Kollege bei der dänischen CSC-Equipe, über das Leichtgewicht Sastre sagte: „Endlich hat er das erreicht, was er seit Jahren verdient hat.“ Der Spanier, einst Adjutant von Profis wie Laurent Jalabert, Joseba Beloki oder Ivan Basso, konnte sich diesmal der Unterstützung seiner gesamten Mannschaft sicher sein.

Die Strategie des Dänen Riis war ganz auf Sastre ausgerichtet, alles wurde diesem Konzept untergeordnet. Auch der Berliner Voigt, der für seine Ausreißversuche bekannt ist, musste sich in diesem Juli zügeln - und wie die Luxemburger Bruder Frank und Andy Schleck das Feld für den spanischen Kapitän bereiten. „Es sollte die Sastre-Show werden“, sagte Voigt, und er gerierte sich am Samstag so, als wäre mit Sastres Erfolg auch für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Nach elf Jahren Tour, sagte er, sei er endlich da, „wo ich hinwollte“.

Riis: „Ich möchte gerne Beweise sehen“

Auch Riis zeigte Genugtuung, ja Stolz darüber, dass es ihm gelungen war, „einen Unterschied“ herzustellen zwischen CSC und allen anderen Teams bei der Tour. Für ihn dürfte dies auch ein spezielles persönliches Anliegen gewesen sein, nachdem er 2007 bei der Tour gefehlt hatte: Nach seinem Dopinggeständnis war er in Frankreich zur unerwünschten Person erklärt worden. „Ich bin froh“, sagte Riis nun, „dass ich dabei sein konnte.“ Er sprach nicht davon, dass Revanchegelüste ihn getrieben hätten, aber sein Lächeln am Samstag schien süffisante Züge zu tragen.

Mancher begegnet dem Haudegen aus Dänemark, der mit seiner Mannschaft die Tour 2008 eindrucksvoll beherrscht hat, immer noch sehr reserviert. Schließlich hatte er - wie Erik Zabel oder Rolf Aldag - lediglich ein Vergehen zugegeben, das längst verjährt war. Seinen Wandel versucht er mit dem Hinweis darauf zu belegen, dass in seinem Rennstall ein striktes Anti-Doping-Programm installiert worden ist.

Sastre, Vertreter des Traditionalismus im Radsport?

Gleichwohl ist Riis gerade mit neuen Verdächtigungen konfrontiert worden: Er soll zusammen mit Frank Schleck Kontakt zu dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gehabt haben, der als Schlüsselfigur eines spanisches Dopingnetzwerkes gilt. „Ich war nie da“, behauptete Riis am Wochenende, und provozierend ergänzte er: „Ich möchte gerne Beweise sehen.“ Für ihn zumindest ist bereits klar, dass in dieser Angelegenheit nichts gegen ihn vorgebracht werden kann: „Hundertprozentig kommt das nicht.“

Und Sastre, Vertreter des Traditionalismus im Radsport? In Spanien, wo man Sportstars - zu sehen am Beispiel des belasteten Profis Contador - sehr pfleglich behandelt und von Nachstellungen Abstand nimmt, gilt Sastre als „Don Limpio“, als Herr Saubermann. Dazu passt, was die Zeitung „Marca“ über ihn schrieb: „Sein Triumph kommt dem spanischen Radsport angesichts der stümperhaften Operación Puerto und anderer Dopingfälle sehr gelegen.“

60.000 Euro in einem Koffer

Tatsächlich ist Sastre in seiner Karriere noch nie positiv getestet worden. Aber der Madrilene erwähnte kurz vor den Feierlichkeiten in Paris auch den früheren Teammanager Manolo Saiz, von dem er viel gelernt haben will. In Sachen Professionalität, erzählte Sastre, der einst bei dem spanischen Team Once unter Vertrag stand, sei Saiz allen anderen im Radsport um zehn Jahre voraus. Eine solche Aussage hat einen seltsamen Klang, schließlich spielte Saiz in der Fuentes-Affäre eine Hauptrolle. Er wurde im Mai 2006, als er sich mit dem Mediziner Fuentes getroffen hatte, von der Polizei festgenommen. In einem Koffer trug Saiz 60.000 Euro bei sich; das Geld soll für den Kauf von Dopingsubstanzen bestimmt gewesen sein.

Aber Sastre, der Gemütsmensch, baut ja auf andere Methoden. Als Grundlage seines Aufschwungs nennt er „harte Arbeit“ und „große Leidensfähigkeit“. Jörg Jaksche, ehemaliger Mitstreiter von Sastre und Dopingkronzeuge, urteilte über den siebten spanischen Tour-Sieger so: „Carlos ist ein sehr talentierter Fahrer.“ Man glaubte, eine gewisse Ironie herauszuhören.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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