20.07.2009 · Lance Armstrong fand bei der Bergankunft in Verbier seinen Meister: Der spanische Astana-Kollege Alberto Contador fuhr auf und davon - und übernahm die Führung bei der Tour de France. Eine Enttäuschung gab es für Tony Martin.
Von Rainer Seele, VerbierDie Anstrengungen des Tages waren Lance Armstrong deutlich anzusehen. Mit starrem Blick rollte er am Sonntag über die Ziellinie in Verbier. Der Amerikaner war Neunter geworden beim ersten Abstecher der Tour de France in die Alpen, ein achtbares Ergebnis, zweifelsohne – und doch hatte der 37 Jahre alte Texaner vermutlich seinem Alter Tribut zollen müssen. Und er musste erkennen, dass der wahre Kapitän beim Team Astana doch der elf Jahre jüngere Alberto Contador ist.
Der Spanier war der Mann des Tages in Verbier, er holte sich in einem Solo den Etappensieg im Wallis. Damit übernahm Contador auch das Gelbe Trikot von dem Italiener Rinaldo Nocentini. Der Spanier, der die Tour im Jahr 2007 gewonnen hatte, setzte damit in Verbier ein deutliches Ausrufezeichen. Und er scheint jetzt beste Aussichten zu haben, die Frankreich-Rundfahrt ein zweites Mal für sich zu entscheiden.
An seinen Gesten nach dem Triumph von Verbier war zu erkennen, wie sehr Contador diesen Moment genoss, wie groß seine Erleichterung war nach den tagelangen Debatten über seine vermeintliche Auseinandersetzung mit Armstrong. Immer wieder hatte es geheißen, der Amerikaner führe einen „Psycho-Krieg“ gegen den Widersacher in der eigenen Mannschaft. Am Sonntag gab Contador eine eindrucksvolle sportliche Antwort – er war Armstrong um Längen voraus.
Lance Armstrong nach der Etappe: „Ich habe gelitten“
Der Spanier deutete, kaum dass sein Werk vollbracht war, erst selbstbewusst auf seine Brust. Dann formte er eine Hand zu einer Pistole, als wollte er auch mit einer solch eigenwilligen Bewegung seine Stärke symbolisieren. Contador erzählte später, dass er seine ganze Kraft ausgeschöpft habe. Er sei an seinem Maximum angekommen. Immerhin zollte auch Armstrong ihm sofort Anerkennung. Contador, dessen Idol der Amerikaner angeblich einst gewesen ist, sei der beste Fahrer gewesen, sagte der Rückkehrer, und Armstrong behauptete sogar: „Ich bin stolz auf ihn.“ Der Amerikaner machte überdies kein Hehl daraus, dass diese 15. Etappe der Tour ihn arg geschlaucht hatte. „Ich habe gelitten“, sagte er.
Contador hatte gegenüber dem Zweiten, dem Luxemburger Andy Schleck, einen Vorsprung von 43 Sekunden herausgefahren. Dessen Bruder Frank Schleck lag ebenso wie der Spanier Carlos Sastre oder der Australier Cadel Evans mehr als eine Minute hinter dem Spanier. Armstrong war in Verbier exakt 1:35 Minuten langsamer als sein Teamgefährte Contador.
Im Klassement der Tour scheint der Spanier erst einmal sicher in Führung zu liegen: Der Abstand zu seinem nächsten Verfolger, zu Armstrong, beträgt jetzt 1:37 Minuten. Für den Amerikaner wird es jetzt bei der Tour darum gehen, zumindest diesen Rang zu verteidigen. Für Contador könnte vermutlich nur Andy Schleck noch eine Gefahr darstellen – der Luxemburger muss inzwischen jedoch 2:26 Minuten gegenüber Contador aufholen (siehe auch: Tour de France: Gesamtwertung).
Tony Martin verliert das Weißt Trikot trotz Platz zwölf
„Runter mit den Masken“, hatte die französische Zeitung „L'Equipe“ am Wochenende gefordert – und prompt offenbarte Contador sich. Etwa sechs Kilometer vor der Ankunft in Verbier, bei einem Anstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,5 Prozent, entschloss er sich zu einer Attacke. Und unwiderstehlich zog der Madrilene davon. Armstrong, der von dem Deutschen Andreas Klöden begleitet wurde, war zu einer Tempoverschärfung nicht fähig. Er hat am Sonntag seine Meister gefunden – und der schlagkräftigste Fahrer unter ihnen befindet sich in seiner unmittelbaren Nähe.
Klöden, einer der Helfer beim Team Astana, war als Achter bester Deutscher. Der Eschborner Tony Martin machte unterdessen am Sonntag Gewinn – und doch auch Verlust. Als Zwölfter schlug er sich wacker, doch das Weiße Trikot verlor Martin an Andy Schleck. Andere Profis aber dürften an dem Tag, an dem Contador auftrumpfte, wesentlich enttäuschter gewesen sein als der junge Deutsche.
ICH MÖCHTE AN FLYOD LANDIS ERINNERN,
Bruno Mahlmeister (mahlmeister)
- 19.07.2009, 22:17 Uhr
Großartig und ohne Beispiel
Stan Kowalski (Naschfreudiger)
- 20.07.2009, 00:06 Uhr
Klöden wird zweiter - mindestens
David Perlbach (HerrKeuner)
- 20.07.2009, 02:20 Uhr
Armstrong ist der moralische Sieger..
Faruk Yalcin Dinc (fereli)
- 20.07.2009, 02:36 Uhr
Astana auf allen Podiumsplätzen der Gesamtwertung?
Lüko Willms (l.willms)
- 20.07.2009, 12:54 Uhr