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Tour de France Andreas Klöden übt für die Tour den Tunnelblick

07.07.2007 ·  Andreas Klöden zählt bei der Tour de France zum Favoritenkreis. Bei der Präsentation ging es vor allem um Doping. Doch der Deutsche ignorierte stur die Zeichen der Zeit und ließ drängende Frager schroff abblitzen.

Von Rainer Seele, London
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Von Andreas Klöden war vor allem seine Kappe zu sehen. Sie prangte wie ein Schutzschild auf seinem Kopf. Klödens schmales Gesicht war darunter kaum zu erkennen. Das passte zur Situation: Klöden ging vorwiegend in Deckung, als das Team Astana sich bei der Tour de France präsentierte und ankündigte, dass nichts anderes als der Tour-Sieg das Ziel sei. Aber das war dann fast nur ein Randthema. Klöden und sein Kapitän Alexander Winokurow konnten wenig über Sport reden. Die Fragen kreisten in erster Linie um Doping, um Verdächtigungen. Es herrschte dabei eine gereizte, fast schon aggressive Stimmung im Saal. Es war ein skurriles Szenario.

Zwei Fahrer nur hatte das Team Astana zu diesem Auftritt geschickt, Winokurow und Klöden. Sie erschienen mit versteinerten Mienen, und es gab danach kaum einen Anlass für sie, ihre Mimik zu ändern. Der Kasache Winokurow wurde umgehend mit dem Thema Michele Ferrari konfrontiert. Unlängst hatte er eingeräumt, mit dem umstrittenen italienischen Mediziner zusammenzuarbeiten; dieser sei sein Trainer, hatte Winokurow dabei betont, nicht sein Arzt. Er wiederholte das nun, und er wies darauf hin, dass Ferrari exzellente Pläne für ihn erstelle.

Ausweichend und defensiv in Sachen Doping

So gut sind sie angeblich, dass bei Winokurow durch die Verbindung mit Ferrari Erinnerungen an seine Anfänge als Rennfahrer wach werden. An die Betreuung in der ehemaligen UdSSR, an die „großen Fortschritte“, die er damals machte. Mithin gibt es für ihn keinen Grund, sich von Ferrari zu trennen, zumal seine Mannschaft ihn auch nicht dazu drängt. Offensichtlich glaubt das Team Astana, dass Winokurow tatsächlich nicht medizinisch von Ferrari betreut wird.

Klöden äußerte sich am Donnerstag wesentlich drastischer als sein kasachischer Kompagnon. Während der in Monaco lebende Winokurow wenigstens zu Ferrari Stellung nahm, blieb der Deutsche in Sachen Doping ausweichend und defensiv. In scharfem Ton machte er deutlich, dass er sich mit diesem Sujet nicht beschäftigen will, auch nicht mit einem „durchgeknallten“ Jörg Jaksche. Als er auf Jaksches jüngste Doping-Enthüllungen angesprochen wurde, reagierte Klöden sehr missmutig.

„Ich beuge mich ihnen, ich habe nichts zu verbergen“

„Ich habe keine Lust, darauf zu antworten“, sagte Winokurows erster Helfer. „Ich bin hier“, sagte er, „um meine Form zu erläutern.“ Alles andere würde ihn nur stören, „ich muss mich auch noch auf meinen Job konzentrieren“. Schließlich, fügte Klöden hinzu, „müssen Geist und Beine eine Einheit bilden“. Die Formulierung stammt von Erik Zabel, Klöden fand es passend, sie jetzt zu übernehmen.

Klöden, der schon einmal Zweiter und einmal Dritter bei der Tour de France war, klagte darüber, „ständig Gegenwind“ durch Debatten über Doping zu bekommen. Er würde dem Sturm, der den Radsport in schwere Turbulenzen gebracht hat, gerne entkommen; Klöden machte daraus in London keinen Hehl. „Ich hoffe“, sagte er, „dass irgendwann der Funke zum Sport überspringt.“ Klöden, ein Freund von Jan Ullrich, behauptete auch, sich nichts vorzuwerfen zu haben. Seit Januar hat er angeblich 13 Doping-Kontrollen mitgemacht: „Ich beuge mich ihnen, ich habe nichts zu verbergen.“

Zweifel verstärken sich durch Doping-Anschuldigungen

Seine Equipe allerdings steht im Zwielicht, sie wird, da sie aus dem im spanischen Doping-Skandal untergegangenen Liberty-Seguros-Team hervorging, seit jeher kritisch verfolgt. Die Zweifel verstärkten sich durch die Doping-Anschuldigungen gegen Matthias Kessler und Eddy Mazzoleni, die vom Team Astana suspendiert wurden.

Generalmanager Marc Biver versuchte den ambitionierten Rennstall jetzt zu verteidigen mit der Bemerkung, mit alten Strukturen, aufgebaut von Liberty-Seguros-Teamchef Manolo Saiz, nichts zu tun zu haben. Die Fälle Kessler und Mazzoleni bewertet er zunächst mit Zurückhaltung. Im Fall des Franken Kessler, bei dem ein überhöhter Testosteronwert festgestellt wurde, will Biver erst einmal die B-Probe abwarten.

Astana weiterhin unter argwöhnischer Beobachtung

Die italienischen Untersuchungen in der Causa Mazzoleni bezögen sich, sagte er, auf die Vergangenheit, auf das Jahr 2004. Auch über den bisherigen Berater Walter Godefroot, gegen den ebenfalls schwere Doping-Vorwürfe erhoben wurden, will Biver nichts Schlechtes sagen. Schließlich habe er keine Beweise für mögliche Verfehlungen des Belgiers, der einst das Team Telekom geleitet hat.

Das Team Astana, von kasachischen Unternehmen mit einem üppigen Etat ausgestattet, dürfte sich jedoch weiterhin argwöhnischer Beobachtung nicht entziehen können. Ein Spannungsfeld, das auch auf Klöden ausstrahlen wird, der dazu beitragen möchte, dass bei der Tour „am Ende der Alexander ganz vorne steht“. Käme es so, dürfte es wieder eine sehr hitzige Diskussion um ein Team geben, das im Zeichen der Sonne fährt.

Quelle: F.A.Z., 07.07.2007, Nr. 155 / Seite 35
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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