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THW-Kiel-Torhüter : Wolff in der Falle

  • -Aktualisiert am

Andreas Wolff ist mit seinem derzeitigen Klub THW-Kiel unzufrieden. Bild: dpa

Handball-Nationaltorhüter Andreas Wolff und der THW Kiel stehen kurz vor der Trennung. Ein Verein noch etwas weiter nördlich schaut genau hin, wie sich die Causa Wolff entwickelt.

          19 Sekunden durfte Andreas Wolff zum Kieler Saisonausklang in Balingen mitwirken. Das ist unwesentlich mehr als nichts. Und dürfte schon der Kurzauftritt beim Sieg des THW am Samstag frustrierend genug für den deutschen Nationaltorwart gewesen sein, so gab es zwei andere Spiele, die ihn noch viel deutlicher auf die Fährte führten, womöglich doch keinen Traumvertrag in Kiel unterschrieben zu haben. Als es im Klassiker gegen den FC Barcelona im Mai Handball vom Feinsten gab, schaute der 26 Jahre alte Wolff dem Wogen in diesem packenden Champions-League-Viertelfinale zu.

          Niklas Landin hielt 120 Minuten den Körper hin. Wolff kam für einen Siebenmeter. Auch beim Kieler Saisonhöhepunkt wirkte Wolff nur ein paar Zeigerumdrehungen mit – Landin hielt den Pokalsieg gegen Flensburg Anfang April fest. Aus Wolffs Teilzeitjob ist ein Hauskrach geworden, der (garniert mit Vertragsdetails) zu seinem frühen Aus in Kiel nach nur einer Saison führen dürfte. „Dass ich in den K.-o.-Spielen der Champions League nicht gespielt habe, gibt mir natürlich zu denken“, sagte Wolff dem NDR. Trainer Alfred Gislason hält ihm entgegen: „Er hat exakt 50 Prozent der Spielanteile bekommen. Da sollte er sich nicht beschweren.“

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          Es geht nicht nur um Sekunden oder Minuten auf dem Feld. Kiel hatte Wolff aus Wetzlar geholt, bevor sein Stern im deutschen Tor bei der Europameisterschaft im Januar 2016 aufging. Aus dem Namenlosen war das Gesicht des Titels geworden, und natürlich wollte Wolff nun möglichst viel spielen. Anfangs lief die Abwechslung auch gut – zumal der stille Landin und der nach außen gerichtete Wolff harmonierten.

          Doch je länger die enttäuschende Kieler Saison lief, desto mehr setzte Gislason auf Landin. Der rechtfertigte seine Einsätze mit Weltklasseleistungen – Wolff durfte nur noch bei Pflichtsiegen ran. „Niklas hat schon einige Jahre Champions-League-Erfahrung, Andi Wolff ist das erste Jahr bei uns“, sagte Geschäftsführer Thorsten Storm, „es gibt aber gar keinen Handlungsbedarf, denn Wolff hat einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019.“

          Als es nun darum ging, Wolffs Kontrakt vorzeitig zu verlängern und sein Gehalt anzuheben, gingen die Parteien ohne Einigung auseinander. „Es geht nur ums Geld“, sagt Gislason. Wolffs laufende Arbeitspapiere dürften niedrig dotiert sein. Verständlich aus seiner Sicht, dass er sich einen neuen Vertrag fürstlich bezahlen lassen will. Verständlich aus Kieler Sicht, gut zu überlegen, ob man sich zwei hochbezahlte Top-Keeper leisten kann. Wolff griff das THW-Management mit scharfen Worten an – das Tischtuch zwischen Spieler und Vereinsführung dürfte zerschnitten sein, und es kommt nicht von ungefähr, dass Wolffs neuer Berater Sasa Bratic Kontakt zum ungarischen Spitzenklub Telekom Veszprem aufgenommen haben soll.

          Allerdings hat sich die Kieler Verhandlungsposition auch verschlechtert. Zum einen muss der Klub sparen, zum anderen sind hier keine Titel mehr garantiert. Trotz des Siegs im DHB-Pokal gibt es vernehmbare Unzufriedenheit im Umfeld, nicht zuletzt beim Aufsichtsrat, der sich genötigt sah, Gislason und Storm gegenüber eine Jobgarantie bis 2019 auszusprechen.

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          Etwas weiter nördlich wird genau hingeschaut, wie sich die Causa Wolff entwickelt. Bei der SG Flensburg-Handewitt ist man mit der abgelaufenen Serie noch viel unglücklicher als in Kiel. Als Favorit gestartet, bis Ende Februar famos gespielt – dann in allen drei Wettbewerben gescheitert. Die im Januar verkündeten Wechselabsichten des Trainers Ljubomir Vranjes vergifteten den Zusammenhalt. Am Ende war der Schwede, der nach Veszprem geht, eine „lame duck“.

          Es misslang, alle Team-Mitglieder auf das große Ziel einzuschwören. Nun steht die SG vor eben jenem Umbruch, den der THW gerade mühsam manövriert: Dieses oder nächstes Jahr gehen mit Eggert, Jakobsson, Mahé, Mogensen und den Torhütern Möller und Andersson wichtige Spieler. Der neue Trainer Maik Machulla ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden – vor allem im Tor braucht die Vereinsführung Geld, ein Händchen und Glück, um die Lücke zu füllen, die das starke Duo Andersson/Möller reißen wird, wenn es die SG zum 30. Juni 2018 verlässt. Gern hätte man den Dänen Jannik Green aus Magdeburg geholt, doch der verlängerte dort. Nun dürfte Wolff frei werden – aber ob sich Flensburg einen solchen Großverdiener leisten könnte?

          Quelle: F.A.Z.

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