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Radsport-WM : Dumoulin siegt, Martin verpasst Medaille

  • Aktualisiert am

Keiner ist in Bergen schneller als Tom Dumoulin. Bild: POPPE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Titelverteidiger fährt bei der WM in Norwegen nur hinterher. Für Tony Martin reicht es im Zeitfahren nur zu Platz neun. Den Titel holt sich ein Niederländer mit deutlichem Vorsprung.

          Beim Rad-Spektakel am Mount Floyen quälte sich Tony Martin schweren Trittes die Rampen hinauf, dann senkte er den Kopf und musste den Traum von einer Medaille aufgeben. Stattdessen raste der niederländische Giro-Sieger Tom Dumoulin bei der ersten Bergankunft der WM-Geschichte mit einer Gala-Vorstellung zum Titel im Einzelzeitfahren. Das Giganten-Duell mit dem britischen Tour- und Vuelta-Champion Chris Froome war im Regen von Bergen eine einseitige Angelegenheit. Dumoulin distanzierte am Mittwoch im „Alpe d’Huez des Nordens“ nach 31 Kilometern den früheren slowenischen Skispringer Primoz Roglic um 57,79 Sekunden. Für Froome reichte es nur zu Platz drei - mit 1:21 Minuten Rückstand.

          Martin, als Titelverteidiger und viermaliger WM-Champion gestartet, erreichte nach der Kletterpartie über 3,4 Kilometer mit durchschnittlich 9,1 Prozent Steigung 1:39 Minuten hinter Dumoulin als Neunter den beliebten Aussichtspunkt. Auch die prächtige Kulisse am Straßenrand konnte Norwegen-Fan Martin nicht zu einer Medaille tragen. Zehntausende Radsport-Fans hatten für eine Stimmung ähnlich wie bei den Bergankünften der Tour de France gesorgt.

          Mit Bronze hatte Martin im Vorfeld geliebäugelt, doch auch daraus wurde nichts. Denn diesmal waren die bergfesten Zeitfahrspezialisten gefragt. Dabei hatte der deutsche Hoffnungsträger eigentlich schon vor dem Anstieg seine Chancen verspielt. Der Wahl-Schweizer verfehlte die angepeilte Bestzeit und lag da schon 50 Sekunden hinter Dumoulin auf Platz sechs. Danach verlor er von Meter zu Meter weiter an Boden.

          Martin hatte darauf verzichtet, in der Wechselzone seine Zeitfahrmaschine gegen ein Straßenrad zu tauschen - wie auch alle anderen Favoriten. Eine richtige Entscheidung, wie Teamkollege Jasha Sütterlin meinte: „Es ist verdammt schwierig, diese Zeit aufzuholen. Da musst du schon ein guter Kletterer sein.“ Der Freiburger hatte es mit einem Radwechsel versucht, kam aber auch nur auf einen 35. Platz (+3:28 Minuten). Nikias Arndt als weiterer deutscher Starter belegte den 19. Rang (+2:16).

          Damit blieb der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstmals seit den Titelkämpfen 2006 in Salzburg ohne Medaille in den Einzelzeitfahren. Die Hoffnungen ruhen nun auf den ab Freitag beginnenden Straßenrennen. Allerdings geht der BDR nach der krankheitsbedingten Absage von John Degenkolb im Männerrennen ohne festen Kapitän an den Start.

          Die Protagonisten am Mittwoch waren die großen Rundfahrer. Dabei brachte Giro-Champion Dumoulin eine traumhafte Fahrt auf den Asphalt, lag bei der ersten Zwischenzeit nach drei Kilometern schon zehn Sekunden vor Froome. Bei der zweiten waren es schon 24 Sekunden, dann 34 und vor dem Anstieg führte der Niederländer mit fast einer Minute Vorsprung. Schon beim Sieg im Mannschaftszeitfahren hatte Dumoulin mit dem Sunweb-Team den Briten und dessen Sky-Mannschaft düpiert. Froome musste am Ende sogar Roglic den Vortritt überlassen und sicherte sich gerade noch seine erste WM-Einzelmedaille, verpasste nach den Sietgen in Frankreich und Spanien aber das historische Triple.

          Womöglich erhielt die Radsport-Welt bereits einen Vorgeschmack auf die kommende Tour, wenn Dumoulin dann den viermaligen Champion Froome vom Thron stoßen will. In diesem Jahr hatte der Niederländer noch auf einen Start verzichtet. „Er hat eine überragende Leistung gebracht - ich hatte ihm mit einer Hand die Daumen gedrückt“, sagte Arndt über seinen Sun-Web-Teamkollegen Dumoulin.

          Für Tony Martin reichte es nicht zum Sprung auf das Podium.

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