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Tennis in Stuttgart : Haas tritt ehrenvoll ab

  • -Aktualisiert am

Noch in diesem Jahr will Haas nach zwei Jahrzehnten auf der Tour seine Karriere beenden. Bild: dpa

Zwei Tage nach seinem unverhofften Triumph über Roger Federer scheitert Tommy Haas im Viertelfinale in Stuttgart. Gegen Mischa Zverev konnte er das Kunststück nicht wiederholen und muss sich nach zwei Sätzen geschlagen geben.

          Tommy Haas ist wirklich kein sentimentaler Typ. Keine Wehmut im Blick, schon gar keine feuchten Augenwinkel: Sein Auszug vom Stuttgarter Centre Court hatte eher etwas von einer Flucht, denn von einem Abschied. Zwei Tage nach seinem unverhofften Triumph über Roger Federer wurde seine wundersame Reise zurück in die guten alten Tennis-Tage von Mischa Zverev beendet. Der 39 Jahre alte Tennisprofi spielte am Freitag nicht viel schlechter als gegen das Schweizer Tennis-Idol. Doch diesmal stand eine 4:6, 4:6-Niederlage, weil er nicht das Kunststück wiederholen konnte, in den entscheidenden Momenten seine besten Schläge auszupacken.

          Im Gegenteil, als es darauf ankam, produzierte er Fehler, ohne besonders unter Druck des Gegners gestanden zu haben. Das Break, das er im ersten Satz hinnehmen musste, leitete er mit zwei Doppelfehlern ein. Ein misslungener Überkopfschlag kostete ihm dann das Spiel. Im zweiten Satz hatte er beim Stand von 4:4 drei Gelegenheiten, Zwerew den Aufschlag abzunehmen, dreimal verschlug er.

          Der Vorjahresfinalteilnehmer Philipp Kohlschreiber scheitert am Franzosen Lucas Pouille.
          Der Vorjahresfinalteilnehmer Philipp Kohlschreiber scheitert am Franzosen Lucas Pouille. : Bild: AFP

          Damit war sein Willen angeknackst. Ohne größeren Widerstand gab dann Haas seinen Aufschlag zum Matchverlust ab. „Wenn man dem Gegner die Punkte machen lässt, dann hat man auch nicht verdient zu gewinnen“, sagte Haas leicht über sich verärgert. „Es kann gut sein, dass später noch ein Schläger dran glauben muss.“

          Keine zehn Minuten nach dem Matchball stellte er sich den Medien. Es dauerte ein wenig, bis seine Enttäuschung über das Match verraucht war. Was an seiner Tochter Valentina gelegen haben mag, die den Raum betrat und auf des Vaters Schoß Platz nahm. „Im Großen und Ganzen ist es eine sehr schöne Woche gewesen, mit dem Sieg über Roger als Highlight. Ich habe erstmals zwei Spiele nacheinander gewonnen und mein Körper fühlt sich ganz gut an. Ich hoffe, er hält und ich kann in den nächsten Wochen hier und da noch mal gutes Tennis spielen.“

          Schon am Montag geht es für ihn in Halle/Westfalen weiter. Eine Rückkehr nach Stuttgart im nächsten Jahr schloss er kategorisch aus. Ein barsches, kompromissloses „Nein“ brach aus ihm hervor, ob es ein Wiedersehen mit dem Stuttgarter Publikum gebe. Jetzt, da er wieder fast auf altem Niveau spielt (zumindest auf Rasen), meinten viele, er könne doch noch ein Jahr dranhängen. Aber Haas hatte nie vor, seine Tenniskarriere mit 39 noch einmal neu zu starten. Er wollte nur ein ehrenvolles Ende. Und das hat er geschafft.

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          „Hier sehen sie den Grund, warum ich mich noch Mal so angestrengt habe“, sagte Haas und deutete auf seine Tochter Valentina. Sie sollte ihren Daddy noch als Tennis-Held erleben. Die Quälerei ist Tommy Haas zu groß geworden, um darüber hinaus weiter Profi zu bleiben. Von früh bis spät habe er an seinem Körper gearbeitet, um wieder mithalten zu können. „Dabei habe ich wenig Tennis gespielt, die Schläge habe ich mittlerweile drauf. Aber ich musste wieder so fit werden wie früher. Ich wog zehn Kilo mehr, hatte keine Muskeln mehr.

          Wenn ich länger auf dem linken Bein stand, bin ich umgefallen.“ Am Ende sei er seinem Körper dennoch dankbar, das alles durchgehalten zu haben, obwohl er ihm während seiner Karriere so oft im Stich gelassen hatte: „Das ist nach vier Schulteroperationen keine Selbstverständlichkeit, dass ich das Programm überstand. Wenn ich ein Pferd wäre, wäre ich schon längst tot.“

          Kohlschreiber scheitert in Stuttgart

          Für Vorjahresfinalist Philipp Kohlschreiber ist das Rasen-Tennisturnier in Stuttgart nach dem Viertelfinale beendet. Der 33-Jährige verlor am Freitag gegen den favorisierten Franzosen Lucas Pouille 4:6, 6:2, 3:6 und verpasste damit den Sprung ins Halbfinale. 2016 und 2013 hatte der Augsburger jeweils im Endspiel gestanden.

          Im ersten Abschnitt musste Kohlschreiber zum Satzverlust seinen Aufschlag abgeben. Dann erwischte der Weltranglisten-52. gegen den favorisierten Franzosen einen guten Start in Durchgang zwei und bestimmte die Partie klar. Im dritten Satz gab er etwas leichtfertig das Spiel zum 1:3 ab, wenig später war das Viertelfinale entschieden.

          Der Weltranglisten-16. Pouille hatte im Achtelfinale den Warsteiner Jan-Lennard Struff im Tiebreak des dritten Satzes besiegt und dabei einen Matchball des Deutschen abgewehrt. Nach dem Aus des Schweizers Roger Federer, des Bulgaren Grigor Dimitrow und des Tschechen Tomas Berdych ist Pouille der in der Weltrangliste am besten platzierte Spieler, der noch im Feld verblieben ist.

          Der 23-Jährige trifft in der Vorschlussrunde am Samstag auf seinen Landsmann Benoit Paire oder den Polen Jerzy Janowicz und darf sich gute Chancen auf den Einzug ins Endspiel ausrechnen. Der frühere Wimbledon-Finalist Berdych musste sich im ersten Viertelfinale dem Spanier Feliciano Lopez 7:6 (7:4), 3:6, 4:6 geschlagen geben. (dpa)

          Quelle: F.A.Z.

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