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Dumoulin beim Giro d’Italia : Ein Kraftprotz auf zwei Rädern

  • -Aktualisiert am

Tom Dumoulin fährt beim Giro d’Italia allen davon. Bild: AFP

Tom Dumoulin fährt beim Giro d’Italia allen davon. Als nächstes stehen die Hochgebirgsetappen an. Sollte er dort verlieren, wartet aber noch eine große Konterchance auf ihn.

          Rosa Helm, rosa Trikot, rosa Streifen an Brille und Rennhose – Tom Dumoulin ist mittlerweile auch optisch der Patron des Giro d’Italia. Der 26-jährige Niederländer dominierte in der mittleren Woche die Italien-Rundfahrt. Erst schlug er beim Zeitfahren seine ärgsten Rivalen um mehr als zwei Minuten. Dann war er am Samstag auf dem Anstieg zur Wallfahrtskirche Oropa fast so schnell wie einst Marco Pantani.

          Nur rund 15 Sekunden war der Radprofi laut „Gazzetta dello Sport“ langsamer als Pantani bei dessen Ritt im Jahr 1999. Debatten um Doping löste das nicht aus, denn der Anstieg nach Oropa war der einzige des Tages. Er war durch einige steile Stücke, aber auch viele flachere Passagen gekennzeichnet; so etwas kommt dem kraftvollen Zeitfahrer Dumoulin entgegen.

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          Obwohl langsamer als Pantani, war Dumoulin allemal schneller als die mitfahrende Konkurrenz. Er, der eigentlich angegriffen werden sollte von den Kletterern Nairo Quintana und Thibaut Pinot, baute seinen Vorsprung weiter aus. „Ich habe mir ein anderes Finale ausgerechnet“, sagte Quintana. Dumoulin hingegen setzte sein charmantes Lächeln auf und genoss den Sieg. Als Sieger des Giro sieht er sich dennoch nicht: „Ich weiß, was alles in der letzten Woche passieren kann. Da kann man schnell mal fünf, sechs Minuten verlieren. Dann wäre ich weg von der Spitze. Mir ging es vor zwei Jahren bei der Vuelta schon mal so.“ Angst, dass ihm das jetzt wieder passieren könnte, hat er aber nicht. „Ich hatte damals einen schlechten Tag, war etwas krank.“ Dumoulin wirkt in diesen Tagen sehr gefasst, sehr selbstsicher.

          Er ist sich seiner Kräfte bewusst, aber auch seiner Defizite. Das beeindruckt die Konkurrenz. „Du kannst ihn zwar kurzzeitig abhängen. Aber du kannst keinen großen Vorsprung herausfahren“, sagte Vincenzo Nibali. Sowohl auf der Etappe zum Blockhaus im Apennin als auch auf der nach Oropa musste Dumoulin erst Quintana und dann auch Nibali ziehen lassen. Dann aber kämpfte er sich mit machtvollem Tritt wieder heran. Gewaltig spannte das rosa Trikot auf seinem massigen Oberkörper. Seine Beine stampften wie die Kolben einer Dampfmaschine und sorgten für einen Vortrieb, gegen den die Anstrengungen der anderen hilflos wirkten. Am Blockhaus schloss Dumoulin nicht ganz die Lücke. In Oropa flog er aber sogar an den Konkurrenten vorbei. Am Sonntag, beim Etappensieg des Luxemburgers Bob Jungels vor Quintana, verteidigte Dumoulin das Rosa Trikot erfolgreich.

          Die Kombination von physischer Kraft und mentaler Gelassenheit ist beeindruckend. „Wir gehen vor dem Rennen jeden einzelnen Anstieg durch. Wir markieren die steilsten Stellen, an denen die anderen wahrscheinlich angreifen werden. Kommt dann ein Angriff, weiß Tom seine Kräfte richtig zu kalkulieren. Er fährt dann sein eigenes Tempo, eine Art Einzelzeitfahren“, sagte Luke Roberts, Dumoulins Sportlicher Leiter vom Team Sunweb: „Bislang klappt das richtig gut, eigentlich sogar besser, als wir zu hoffen wagten.“

          Rosa Helm, rosa Trikot, rosa Streifen an Brille und Rennhose – Tom Dumoulin ist mittlerweile auch optisch der Patron des Giro d’Italia.

          Im Team glaubt man mittlerweile an die Chance, den Giro gewinnen zu können. „Zum Anfang der Rundfahrt war das noch nicht wirklich klar. Jetzt aber wissen wir, dass wir definitiv um den Sieg mitfahren können“, sagt Dumoulis Teamkollege Simon Geschke. Der Berliner staunt selbst ein wenig, wie sich die Prioritäten im einstigen Sprinterteam verändert haben: „Früher haben wir bei den Bergetappen allerhöchstens versucht, mal einen Mann in der Fluchtgruppe unterzubringen. Jetzt halten wir das Feld im Gebirge zusammen, und alle anderen Teams gucken auf uns.“

          Die Metamorphose vom Sprinterteam mit Marcel Kittel und John Degenkolb zu einem Rundfahrerteam rund um Dumoulin und das französische Klettertalent Warren Barguil ist schon weit fortgeschritten. „Wir sind hier neben Movistar das stärkste Team. Zur Tour-Mannschaft von Sky fehlt uns nur noch ein Schritt“, sagte Luke Roberts. In den Hochgebirgsetappen, die von Dienstag an auf dem Programm stehen, wird Dumoulin solch ein starkes Team auch brauchen. Mit seinen Zeitfahrerqualitäten allein kann er die wilden Kletterer nicht an die Leine legen. Doch selbst wenn er dort verlieren sollte: Eine große Konterchance wartet am letzten Tag der Rundfahrt. Das abschließende Einzelzeitfahren ist genau der richtige Parcours für den Kraftprotz aus den Niederlanden.

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