In seinen besten Jahren erinnerte er an den jungen Harry Belafonte. Nicht mit seiner Stimme, mit seinen Fäusten machte Teofilo Stevenson Karriere. Die waren von solch zerstörerischer Wirkung, dass sich die Promoter in Amerika und Europa einander überboten, den Boxer für das Profilager zu gewinnen. George Foreman, auch ein Weltmeister der Vermarktung, hat glaubhaft versichert, dass Stevenson jeden Schwergewichtler aus dem Profilager geschlagen hätte. Den Beweis hat er nie antreten können. Bis zum heutigen Tag ist immer wieder spekuliert worden, was wäre, wenn.
Im Ring hatte der Kubaner die Aura eines Muhammad Ali. „Als Gott in Bronze“ adelte ihn das Programmheft einer Weltmeisterschaft. In München, bei den Olympischen Spielen 1972, ging sein Stern auf. Um Gold zu gewinnen, benötigte er gerade mal insgesamt fünf Minuten und 51 Sekunden. Als Stevenson 1988 seine Karriere beendete, blickte er auf drei Olympiasiege und drei WM-Titel zurück. Die Bilanz des 1,98 Meter großen Athleten: 321 Siege, 22 Niederlagen.
Eine Million Dollar war dem dekorativen Aushängeschild der kubanischen Revolution 1974 für ein Duell mit Muhammad Ali geboten worden. Stevenson winkte ab. „Ich boxe nicht, damit andere mit meiner Leistung Geld verdienen - ich boxe und siege nur für Kuba und das kubanische Volk.“ So punktete das Idol auch bei Staatschef Fidel Castro.
Für Stevenson blieb Kuba auch in wirtschaftlich schwerer werdenden Zeiten das Land, in dem Milch und Honig flossen: als Delegierter der Nationalversammlung, dann als Vizepräsident des kubanischen Box-Verbandes. Der gelernte Autoelektriker repräsentierte, ohne jemals als gewiefter Funktionär zu überzeugen. „Ich liebe den sauberen, fairen Amateursport“, hat er mal gesagt und musste sich eines Besseren belehren lassen, als seine kubanischen Boxer Opfer von bestochenen oder parteiischen Kampfrichtern wurden.
Angst, zum Sklaven des Preisboxens zu werden
Aber es gab auch Tage, da wurde der Apoll Stevenson Opfer seiner selbst: Etwa bei der WM in München, als ihn der Italiener Francesco Damiani entzauberte. Dort genoss Stevenson seine Sonderstellung in der Nationalstaffel, trainierte wenig, versagte sich keinem Interview, warf nicht nur einen Blick auf die Schönheiten des Landes und bekam die harsche Kritik Castros zu spüren.
Ob Stevenson stark genug gewesen wäre für eine Karriere im Kapitalismus? Wohl kaum. Auf der Zuckerinsel ist er wieder auf Kurs gebracht worden. Er krönte sein Comeback mit dem dritten WM-Titel. Vielleicht hatte er tatsächlich Angst, zum Sklaven des Preisboxens zu werden. Am Montag ist Teofilo Stevenson im Alter von 60 Jahren in seiner Heimat Kuba an einem Herzinfarkt gestorben.