23 Jahre nach dem WM-Gold von Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner im Doppel hat die Dortmunder Westfalenhalle am Freitag wieder einmal wegen Tischtennis gebrodelt. Nicht wie allseits erwartet wegen der Herren-Mannschaft. Deren Weg ins Halbfinale der Team-WM und der damit verbundenen Bronzemedaille war zu unspektakulär und sicher, als dass die 8000 Zuschauer mehr als freundlichen Beifall übrig gehabt hätten.
In der Neuauflage des EM-Finales von Danzig 2011 besiegten Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Baum ihre schwedischen Gegner Jörgen Persson, Jens Lundqvist und Pär Gerell 3:0 und treffen nun am Samstag auf Japan.
Es war das Damen-Team, das die Besucher mitriss. Die Mannschaft von Jie Schöpp zeigte im Viertelfinale gegen den Titelverteidiger Singapur eine sensationelle Leistung und stand nach einer 2:0-Führung vor einer Riesenüberraschung. Doch am Ende schaffte es der hohe Favorit, der Partie noch eine Wende zu geben und mit 3:2 zu gewinnen. Das Publikum revanchierte sich für die unverhoffte Dramatik, indem es eine Gänsehautatmosphäre schuf.
Nach Bronze bei der WM 2010 in Moskau spielt Deutschland nun um die Plätze fünf bis acht. Schon durch die Viertelfinalteilnahme ist die DTTB-Auswahl der Olympiaqualifikation einen großen Schritt näher gekommen. „Obwohl es nicht zur Medaille gereicht hat, kann die Mannschaft stolz auf sich sein“, sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert.
Die Nummer 18, 49 und 61 der Weltrangliste hatten die Nummer 5, 8 und 15 an den Rand einer Niederlage gebracht. Die Mannschaft aus Singapur setzt sich aus Exil-Chinesinnen zusammen, die vor zwei Jahren die beste Auswahl aus dem Reich der Mitte im Moskauer WM-Finale überraschten.
Zwei kleine Wunder
Irene Ivancan hatte den Startschuss zu diesem denkwürdigen Abend mit ihrem nie erwarteten 3:0-Erfolg über Feng Tianwei gegeben. Sieben Jahre nach ihrem WM-Debüt bot die 28 Jahre alte Abwehrspielerin bei ihrem Comeback eine grandiose Vorstellung. Mit ihrer kämpferischen und emotionalen Art brachte sie das Publikum sofort hinter sich. Danach baute Wu Jiaduo gegen Wang Yuegu die Führung auf 2:0 aus, auch sie gab wunderlicherweise keinen Satz ab.
Fast hätte Kristin Silbereisen in der dritten Begegnung die Überraschung perfekt gemacht. Sie zwang Li Jiawei nach 0:2-Rückstand in den fünften Satz. Doch den verlor sie nach Abwehr von fünf Matchbällen 12:14. Auch Wu Jiaduo hatte ihre Chancen gegen Feng Tianwei, unterlag aber 1:3. So kam es nach fast drei Stunden Spielzeit zum Showdown zwischen Ivancan und Wang. Aber es reichte nicht zum Happy-End. Wang Yuegu setzte sich in 3:2-Sätzen durch.