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Tischtennis-Kommentar Anhaltendes Hoch im Tischtennis

17.09.2009 ·  Dank des Glücksfalls Timo Boll sind die deutschen Tischtennisspieler in Europa so dominant wie früher die Schweden. Auch hinter dem Team, das zum dritten Mal hintereinander Europameister wurde, lauern weitere Talente.

Von Peter Heß
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Schon wieder Europameister! Nachdem die deutsche Herren-Nationalmannschaft 49 Jahre lang warten musste, ehe sie den kontinentalen Titel gewann, drängelten sich in Stuttgart zum dritten Mal nacheinander die deutschen Spieler auf der höchsten Stufe des Siegerpodestes. Ein Blick auf die Ranglisten und die Geburtsurkunden verheißt, dass das goldene Zeitalter noch lange nicht beendet ist.

Die Elite des Deutschen Tischtennis-Bundes ist mit Abstand die jüngste und die ausgeglichenste aller europäischen Spitzenverbände. Patrick Baum als Zehnter und Bastian Steger als Siebzehnter der Setzliste wären in jedem anderen Team Stammspieler gewesen, für Deutschland wurden sie lediglich im bedeutungslos gewordenen letzten Gruppenspiel gegen Spanien eingesetzt.

Glücksfall Timo Boll

Das deutsche Hoch wird durch mehrere Faktoren befeuert. Zum einen durch den Glücksfall Timo Boll. Sein außergewöhnliches Talent und seine konstanten Erfolge wirken seit einem Jahrzehnt nach innen und außen. Er ist dem Nachwuchs Vorbild, dem Verband Identifikationsfigur, Botschafter und Werbe-Ikone in einem und für die Öffentlichkeit das sympathische Gesicht mit hohem Wiedererkennungswert. Zum anderen besaß und besitzt der Deutsche Tischtennis-Bund die Köpfe, die durch Boll verbesserte Ausgangslage auch zum Aufschwung zu nutzen. Vom Präsidium über Geschäftsführung bis zur sportlichen Leitung und zu den Trainern wurde zielgerichtet zusammengearbeitet. Jugendarbeit, Marketing, Organisation von Welt- und Europameisterschaften – kein Feld ist vernachlässigt worden.

Und so ist der Deutsche Tischtennis-Bund von allen europäischen Verbänden am besten aufgestellt, wirtschaftlich, aber auch sportlich. Mit Dimitrij Ovtcharov, Christian Süß und Patrick Baum haben ein 21-jähriger, ein 24-jähriger und ein 22-jähriger Spieler ein Niveau erreicht, das sie befähigt, an einem guten Tag jeden europäischen Spitzenspieler zu schlagen. Da Boll in der EM-Vorbereitung durch Rückenbeschwerden behindert war und seine Bestform noch sucht, ist es lange nicht ausgemacht, dass er sich in der Einzelkonkurrenz gegen seine Mannschaftskameraden durchsetzen wird.

Dominatoren wie früher die Schweden

Eine Dominanz wie die der Schweden in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren zeichnet sich ab. Mit einem Unterschied: In den Achtzigern waren Waldner, Persson, Appelgren, Lindh und Karlsson an ihren besten Tagen in der Lage, China zu schlagen. Dies erscheint den Deutschen im 21. Jahrhundert unmöglich. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens ist die kontinentale Konkurrenz schwächer geworden, zu schwach, um als Treibmittel zu wirken, zum Zweiten erfreut sich das Reich der Mitte an der sogenannten Übergeneration. Ma Lin, Ma Long, Wang Hao und Wang Liqin sind auch für chinesische Verhältnisse außergewöhnliche Stars.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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