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Tischtennis-EM Mit Timo Boll heraus aus der Nische

13.09.2009 ·  Die Tischtennis-EM ist die dritte First-Class-Veranstaltung dieses Jahrzehnts innerhalb deutscher Grenzen. Der Deutsche Tischtennis-Bund will heraus aus der Nische. Zugpferd ist Titelverteidiger Timo Boll - doch der ist seit Monaten nicht in Bestform.

Von Peter Heß
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Schon wieder Deutschland! Neben den jährlichen Weltranglistenturnieren und verschiedenen hochkarätigen Einladungswettkämpfen beginnt an diesem Sonntag in Stuttgart mit der Tischtennis-Europameisterschaft die dritte First-Class-Veranstaltung dieses Jahrzehnts innerhalb deutscher Grenzen, nachdem der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) schon die kontinentalen Meisterschaften 2000 und die Mannschafts-Weltmeisterschaft 2006 in Bremen ausgetragen hat.

Ausgangspunkt der organisatorischen Anstrengungen sind die sportlichen Erfolge, oder, um es auf einen Namen zu reduzieren: Timo Boll. Der 28 Jahre alte Weltranglistendritte sorgt seit einem Jahrzehnt für positive Schlagzeilen und erregt ein gewisses öffentliches Interesse. Boll ist ein Name, mit dem sich arbeiten lässt, um bekannter zu werden, und der DTTB hat die Chance erkannt.

Deutsches Ziel: Öffentliche Reputation

Auf die Frage nach den deutschen Zielen der Stuttgarter EM sagt Verbandspräsident Thomas Weikert denn auch ganz unbescheiden: Öffentliche Reputation. Wir wollen heraus aus der Nische.“ Um diesen Schritt zu vollziehen, haben sich die Funktionäre ein viel größeres Programm aufgebürdet, als die sportlichen Wettbewerbe zu organisieren. Dafür gibt der DTTB Geld aus: „Die EM ist nicht darauf angelegt, Geld zu verdienen, wir wollen in unsere Sportart investieren“, sagt Weikert. Mit einem finanziellen Fiasko wird die EM jedenfalls nicht enden, immerhin sind 45.000 der 49.000 Eintrittskarten verkauft.

Genauso wichtig für das Fortkommen des Tischtennis ist, dass auch das Fernsehen verstärkt Interesse zeigt. Das ZDF hat am nächsten Samstag und am nächsten Sonntag jeweils eine Stunde Liveübertragung für das Doppel- und Einzelfinale reserviert. „Wenn wir die angedachten Fernsehpositionen bekommen und gute Quoten haben, dann verbessern wir unsere Ausgangsposition im Kampf der Sportarten“, sagt Weikert.

Seit Monaten ist Boll nicht Bestform

An diesem Punkt kommt Timo Boll ins Spiel. Vornehmlich auf dessen Schultern ruht die Verantwortung, den Programmplatz zu füllen. Der Hesse ist Titelverteidiger von 2007 und 2008 im Einzel und gemeinsam mit Christian Süß im Doppel. Und auch mit der Mannschaft könnte Boll das dritte Mal nacheinander Europameister werden. Vom reinen Leistungsvermögen sind die Aussichten also hervorragend für den DTTB, die begehrten Final-Fernsehzeiten zu bekommen.

Aber die deutsche und europäische Nummer eins ist nicht in Bestform. Seit Monaten leidet er unter Rückenbeschwerden. Um nicht wie bei der letzten WM Ende April in Japan kurzfristig absagen zu müssen, hat Boll sein Training dramatisch umgestellt: keine Wettkämpfe, kaum Tischtennisübungen, viel Schwimmen, Radfahren und Aquajogging - alles im Sinne möglichst geringer Rückenbelastung. „Ich komme mir vor wie ein Triathlet“, sagte Boll kurz vor dem WM-Start. Er hofft, über die Spielpraxis während der EM seine Form aufzubauen. Ein paar Zweifel klingen durch: „Ich hoffe, dass es reicht.“

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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