Home
http://www.faz.net/-gub-13qeo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Tischtennis-EM Herren im Finale, Damen um Platz fünf

15.09.2009 ·  Die deutschen Tischtennis-Herren stehen bei der Heim-EM in Stuttgart im Finale. Nach dem Halbfinalsieg gegen Rumänien spielen die Titelverteidiger nun am Mittwoch gegen Dänemark um Gold. Die Damen indes schieden aus.

Von Peter Heß, Stuttgart
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die deutschen Tischtennisherren werden ihrem Auftrag bei der Europameisterschaft in Stuttgart gerecht. Der Turnierfavorit unterfüttert die ehrgeizige Organisation durch sportliche Erfolge. Er heizt die Stimmung nicht durchweg durch überragende Leistungen an. Aber es sind große Spannungsmomente oder spektakuläre Ballwechsel, die das Publikum faszinieren. So war es auch am Dienstagabend, als das Team von Bundestrainer Richard Prause durch ein 3:0 über Rumänien ins Finale einzog. Dort wartet an diesem Mittwoch Dänemark, das sich durch ein 3:1 über Österreich qualifizierte.

Die deutschen Damen schieden dagegen am Morgen im Viertelfinale durch ein 1:3 gegen Polen aus dem Kampf um die Medaillen aus. Spitzenspielerin Wu Jiaduo gewann den Punkt durch ein 3:0 über Xu Jie. Ihre erste Einzelniederlage im Mannschaftswettbewerb nach fünf Siegen beendete dann die Medaillenträume. In einer hochklassigen Begegnung unterlag sie der an vier gesetzten Li Quian. Damenbundestrainer Jörg Bitzigeio zog ein positives Fazit: „Die Entwicklung zeigt nach oben, wir sind auf dem Weg zurück.“ Sein Team spielt an diesem Mittwoch nach einem 3:1 gegen Frankreich im ersten Plazierungsspiel um Platz fünf.

Im Entscheidungssatz stand es plötzlich 8:8

Da sind die deutschen Herren viel weiter, bei den sechs letzten Europameisterschaften gewannen sie fünfmal eine Mannschaftsmedaille, zuletzt zweimal Gold. Auf dem Weg zum Triple verirrten sich Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll gegen Rumänien allerdings kurz. Die Nummer vier und die Nummer eins der Setzliste verloren gegen die Nummer zwölf und die Nummer 34 jeweils die beiden ersten Sätze. Boll, als langsamer Starter bekannt, drehte dann auf und beherrschte Constantin Cioti bis zum Satzausgleich. Aber im Entscheidungssatz stand es plötzlich 8:8, und der Umweg wurde richtig gefährlich. Der Europameister ballte erleichtert die Faust, als er mit einem Vorhandschuss den ersten Matchball zum 11:8 und damit zum 3:2-Erfolg verwandelt hatte.

Ovtcharov quälte wie schon im Viertelfinale gegen Schweden seine Kollegen und das Publikum in noch viel stärkerem Maße. 6:9 lag der 21-Jährige gegen Adrian Crisan im dritten Satz zurück, ehe er den Satz mit 11:9 noch wendete. Die letzten beiden Durchgänge wogten hin und her, ein spektakulärer Ballwechsel jagte den nächsten.

Die genaue digitale Meßmethode kam nicht zur Anwendung

Zum Schluß hatte der Deutsche das bessere Ende für sich, zum ersten Mal bei dieser EM gerieten die Zuschauer richtig in Wallung. Ovtcharovs Leistung ist noch höher zu bewerten, da er mit einem Ersatzschläger spielen musste. Bei der Kontrolle behauptete der Schiedsrichter, einer der Beläge des Deutschen sei zu dick. Die Meßmethode erscheint allerdings zweifelhaft. Mit Hilfe einer Lupe wurden 4,25 Millimeter statt des erlaubten Grenzwertes 4,05 Millimeter festgestellt. Die genaue digitale Meßmethode, mit der der als akribisch bekannte Ovtcharov seinen Belag vor dem Aufkleben geprüft hatte, kam nicht zur Anwendung.

Der Deutsche regte sich furchtbar auf, weil er sich sicher war, nichts Falsches getan zu haben. Zu allem Überfluß stellte er dann noch bei seinem Ersatzschläger einen Riß im Belag fest. Mit Erlaubnis der Schiedsrichter nahm Ovtcharov seinen zweiten Ersatzschläger und spielte dann hervorragend. Beide verwendeten Schläger erwiesen sich bei der Kontrolle nach dem Match als korrekt. Nach all der Aufregung beruhigte Christian Süß dann zum Abschluss die Nerven aller, in dem er Andrei Filimon sicher in drei Sätzen besiegte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1959, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Improvisieren unter Zeitdruck

Von Michael Ashelm

Die Nationalelf setzt darauf, dass die frustrierten Münchner ihr neuen Anschub geben. Über genug Turniererfahrung und Reife verfügen die Leistungsträger. Zudem ist es ja nicht so, als hätten die Gegner keine Sorgen. Mehr 1