Tischtennis-Profi Dimitrj Ovtcharov hat in Abwesenheit von Top-Star Timo Boll die Gunst der Stunde beim Europa-Top-12 konsequent genutzt. Der Team-Europameister gewann am Sonntag durch einen klaren 4:0-Erfolg gegen Kirill Skatschow (Russland) als zweiter deutscher Spieler das prestigeträchtige Ranglistenturner.
Im Damen-Einzel trug sich Jiaduo Wu vom FSV Kroppach ebenfalls zum ersten Mal in die Siegerliste ein. Damit stellte der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) zum zweiten Mal nach 2003 (Timo Boll/Jie Schöpp) beide Top-12-Sieger. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich dieses Turnier unbedingt gewonnen wollte. Anfangs war ich sehr nervös, doch dann konnte ich mein Viertelfinal-Trauma besiegen“, kommentierte Ovtcharov den größten Einzelerfolg in seiner Karriere.
„Zwei Titel, das ist überragend“
Der Russland-Legionär, der sein Geld in Orenburg verdient, war zuvor viermal in der Runde der besten Acht gescheitert. Diesmal behielt er die Nerven und bezwang den Rumänien Adrian Crisan mit 4:1. In insgesamt fünf Turnier-Partien gab der 23 Jahre alte Rechtshänder nur vier Sätze ab.
„Dima hat starke Form gezeigt, sein Level geht nach oben“, lobte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf die souveräne Vorstellung des Weltranglisten-Zehnten. „Das war sieben Wochen vor der Heim-WM in Dortmund eine sehr positive Rückmeldung“, sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig zu dem Doppelsieg. „Zwei Titel, das ist überragend.“ Beide Top-12-Sieger erhielten eine Prämie von jeweils 9000 Euro.
Stromausfall wegen Kälte
Im Damen-Wettbewerb stach Wu diesmal die EM-Zweite Irene Ivancan (Berlin) aus. Die gebürtige Chinesin startete am Samstag mit einer Niederlage ins Turnier. „Danach habe ich aber nie aufgesteckt. Dieser Sieg macht mich sehr froh. Es ist nach dem EM-Titel mein zweitwichtigster Erfolg“, sagte Wu. Sie gewann im Finale knapp mit 4:3 gegen die Niederländerin Li Jie.
Zuvor hatte die Top-Favoritin gute Nerven bewiesen, als ihre Viertelfinalpartie am Samstagabend nach einem Stromausfall wegen der extremen Kälte abgebrochen werden musste. Bei der Wiederaufnahme am Sonntagmorgen holte sie einen 2:3-Rückstand gegen Elizabeta Samara (Rumänien) auf.