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Timo Boll Immense Überlegenheit

04.01.2011 ·  Timo Boll übernimmt an diesem Dienstag nach acht Jahren wieder die Spitze der Tischtennis-Weltrangliste. 2011 hätte nicht besser beginnen können. Dem besten deutschen Spieler der Geschichte haftet nach wie vor aber ein Makel an.

Von René Adler, Stuttgart
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Neues Jahr, alte Dominanz - Timo Boll hat am Sonntag in drei Matches nur einen einzigen Satz verloren und seinen Klub Borussia Düsseldorf bei der Pokal-Endrunde in Stuttgart zum 20. Cupgewinn geführt. Der 29 Jahre alte Odenwälder, der an diesem Dienstag nach acht Jahren wieder die Spitze der Tischtennis-Weltrangliste übernimmt, war wieder einmal eine Klasse für sich. Dem 3:1 im Halbfinale gegen Fulda ließen die Rheinländer im Endspiel gegen Ochsenhausen sogar ein 3:0 folgen. „Es war leichter, als wir es uns vorgestellt haben“, meinte Boll höflich.

Erfolgreich ist die Borussia zwar schon lange, in Stuttgart sicherten sich die Düsseldorfer den 55. Titel der Vereinsgeschichte. Aber mit Boll haben die Rheinländer das Verlieren verlernt. Die letzte Trophäe, die Düsseldorf nicht gewann, war der Pokal in der vorletzten Saison. Wobei Boll damals im Halbfinale gegen Bremen ungeschlagen blieb. Seit er für die Borussia aufschlägt (Sommer 2007), hat der Klub in der Bundesliga mit ihm kein einziges Spiel verloren. Ohne Boll gab es 2010 nur zwei Niederlagen: im Februar in Saarbrücken (Bundesliga) und im November mit zweifachem Ersatz in Angers (Frankreich), als der Gruppensieg in der Champions League längst feststand.

Die Hoffnungen der Konkurrenz erfüllen sich nicht

Ehemals ambitionierte Widersacher lässt die immense Überlegenheit mehr und mehr verzweifeln. Weil sie Düsseldorf ohnehin nicht gefährden können, verzichten sie auf spektakuläre Neuzugänge. Am ehesten versucht es noch Ochsenhausen. Deshalb freute sich Präsident Rainer Ihle, als er im vergangenen Frühsommer den Japaner Seiya Kishikawa, den drittbesten Spieler der vergangenen Saison, nach Oberschwaben gelockt hatte - aus Düsseldorf.

Doch die Hoffnungen, näher heranzukommen, erfüllten sich nicht. Kishikawas Nachfolger Patrick Baum schaffte nach wenigen Wochen in Düsseldorf durch Platz zwei bei der Einzel-Europmeisterschaft (Finalniederlage gegen Boll) den internationalen Durchbruch und gewann in der Bundesliga-Hinrunde als einziger Profi neben Boll alle seine Einzel. Im direkten Duell mit Ochsenhausen siegte er auch gegen Kishikawa, der dort „viel mehr im Fokus und unter Druck“ steht, wie es TTF-Präsident Rainer Ihle formulierte. Im Stuttgarter Pokalfinale blieb Kishikawa gegen Baum ohne Satzgewinn.

„Noch nie in so guter Form“

Für Boll hätte das Jahr 2011 nicht besser beginnen können. Doch nach wie vor haftet dem besten deutschen Spieler der Geschichte ein Makel an: Eine Einzel-Medaille bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften fehlt ihm noch. In diesem Jahr nimmt er einen neuen Anlauf, mit besseren Voraussetzungen denn je: „Zu diesem Zeitpunkt im Jahr war ich spielerisch noch nie in so guter Form“, sagt Boll und fügt an: „Meine Weltranglistenposition ist zudem günstig für die Setzung bei der Einzel-WM in Rotterdam im Mai.“

Rekordnationalspieler Jörg Roßkopf ist überzeugt davon, den Grund zu kennen, warum Bolls Karriere bis jetzt noch nicht gekrönt wurde: Das Verhältnis zwischen, Training, Wettkampf und Regeneration habe nicht gestimmt. Boll spielte alles, nahm jeden Euro mit und war bei den eigentlichen Höhepunkten meist schlecht vorbereitet, körperlich und mental erschöpft oder sogar verletzt. Als Teamkollege hatte „Rossi“ jahrelang gebetsmühlenartig auf seinen Freund Boll eingeredet - vergeblich. Seit diesem Sommer ist Roßkopf Bundestrainer, und nun hat sich der Landsmann durchgesetzt. „Wir hatten ein sehr offenes Gespräch, und ich habe ihm knallhart gesagt: Wenn du diese Medaillen wirklich gewinnen willst, dann musst du komplett umdenken“, verrät Roßkopf.

Der Schlüssel zum Erfolg

Die Worte zeigten Wirkung: Nach dem Weltcup im vergangenen Oktober legte Boll eine für ihn völlig untypische einmonatige Pause ein - und triumphierte danach beim Volkswagen Cup in Braunschweig. Das Endspiel gewann er 4:1 gegen den Olympiasieger Ma Lin aus China, den er zuvor in 17 Duellen nur dreimal bezwungen hatte. „Vielleicht sollte ich öfter einfach mal vier Wochen Pause machen“, sagte Boll scheinbar im Scherz, aber dahinter verbarg sich der Schlüssel zum Erfolg. „Als Bundestrainer kann ich jetzt mehr auf ihn einwirken: Gut, dass er auch mal hört und Turniere absagt, die nicht ganz so wichtig sind“, sagte Roßkopf. „Er ist mittlerweile finanziell so unabhängig, dass er auch mal auf 50.000 Dollar Preisgeld verzichten kann.“ Boll werde auch in diesem Januar kein internationales Turnier spielen, stattdessen trainieren und viel für seinen Körper tun.

Sogar ein Verzicht auf die deutschen Meisterschaften im März sei möglich, was Boll bisher strikt ablehnte. „Wir werden das kurzfristig entscheiden, aber es ist absolut denkbar. Wenn es sinnvoller ist zu trainieren oder er eine Pause braucht, muss er sie sich nehmen“, sagt Roßkopf. Genauso hat es der 41-Jährige selbst gemacht, als er noch die deutsche Nummer eins war: Er ließ viele nationale Titelkämpfe aus, und obwohl er mit viel weniger Talent gesegnet war als Boll, gewann er 1996 Olympia-Bronze. „Wenn Timo es jetzt auch so macht, ist das keine Garantie, aber dann muss er sich zumindest nicht irgendwann vorwerfen, nicht alles für den ganz großen Erfolg getan zu haben.“

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