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Timo Boll Die instabile Rückenlage der Nummer 1

13.09.2009 ·  Der erste Belastungstest für Timo Boll ist positiv ausgefallen, der Titelverteidiger hat zu Beginn der Tischtennis-EM in Stuttgart keine Schmerzen - und Deutschland siegt zwei Mal. Doch die nächsten Aufgaben warten schon.

Von Peter Heß, Stuttgart
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Die Körperhaltung verhieß nichts Gutes. Timo Boll bewegte sich am Sonntagvormittag in der Stuttgarter Porsche Arena, als wäre er auf dem Weg zum Arzt. Oder zur Rückentherapie. Ein wenig steif in den Hüften, mit unnatürlich geradem Oberkörper, stark im Hohlkreuz, betrat der beste europäische Tischtennisspieler die Spielbox, um bei der Europameisterschaft seinen Beitrag im Eröffnungsmatch der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich zu leisten.

Anderthalb Stunden später bezeichnete Boll den Beginn seiner Vorstellung als „ein wenig behäbig.“ Aber dabei lächelte er. Denn das Ergebnis seiner bisweilen etwas uneleganten Bemühungen stimmte. Mit 3:0-Siegen über Emmanuel Lebesson und Abdel-Kader Salifou steuerte der 28 Jahre alte Hesse zwei Punkte zum 3:1 der Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) bei. Und auch nach Beendigung seines Tagwerkes war seine Bilanz makellos. Im zweiten deutschen Match des Tages sorgte er am späten Nachmittag gegen Dänemark für den ersten Punkt zum 3:0, das Deutschland vorzeitig den Einzug ins Viertelfinale bescherte.

Das 3:1 gegen Kasper Sternberg bildete zwar keine Sternstunde seiner Karriere, aber Boll wirkte glücklicher als sonst nach Erfolgen über Konkurrenten, die in der Weltrangliste weit über 100 Plätze hinter ihm stehen. Der erste kleine Belastungstest der EM hätte schlechter ausfallen können. Seit Jahren leidet er unter Rückenbeschwerden, in den vergangenen Wochen trainierte er so, dass die zur Blockade neigenden Muskeln geschont wurden.

„Wir haben eine ausgeglichene Mannschaft“

Der Auftritt des Lokalhelden in Stuttgart sollte nicht gefährdet werden, vor der letzten WM in Japan Ende April hatte Boll kurzfristig seine Teilnahme absagen müssen. Das Schonprogramm bedeutete: kaum Tischtennisübungen, keine Wettkämpfe, kein Joggen, dafür Schwimmen, Radfahren Gymnastik. So hatte der Titelverteidiger im Einzel, Doppel und mit der Mannschaft keine rechte Vorstellung, wo er vor dem Turnierstart spielerisch und gesundheitlich stand. Seine erste Erkenntnis: „Ich hatte keine Schmerzen. Und nachdem ich erst mal die Oberhand gewonnen hatte, habe ich mich im Spiel auch recht wohl gefühlt.“

Zudem ertrug sein Rücken die Wettkampf-Belastung. „So kann es weitergehen“, fand Boll, aber sicher ist er sich nicht, dass der Weg der Besserung ein gerader ist: „Nach meinen schlechten Erfahrungen werde ich nie wieder Entwarnung geben“, sagte Boll am Sonntag. Die Furcht, dass die EM mit einem Streich, den ihm der Rücken spielt, beendet ist, befinde sich in seinem Hinterkopf.

Herren-Bundestrainer Richard Prause spricht nicht von einer großen Belastung für sein Team durch die instabile Rückenlage seiner Nummer 1. „Wir haben eine ausgeglichene Mannschaft, die auch ohne Timo sehr schlagkräftig ist. Wir werden Timo eine Pause geben, wann immer er eine benötigt. Die Heim-EM ist zwar eine sehr wichtige Veranstaltung für uns, aber wir wollen möglichst lange etwas von Timo haben, auch über dieses Turnier hinaus.“ Ein Blick auf die EM-Setzliste bestätigt Prauses Einschätzung. Ovtcharov wird an Position vier geführt, Süß an neun, Patrick Baum an zehn und Bastian Steger an 17. Lediglich Österreich ist ähnlich gut aufgestellt. Dass die Papierform nur bedingt zählt, erfuhren die Spieler aus der Alpenrepublik schon am ersten Tag. Werner Schlager, Chen Weixing und Robert Gardos unterlagen den Kroaten 2:3.

Frankreich zählte zu den unangenehmsten Gegnern

In diesem Licht betrachtet, gewann das sichere 3:1 der deutschen Mannschaft zum Auftakt an Glanz. Zumal die Franzosen zu den unangenehmsten Gegnern zählen. Sie spielen mit hohem Risiko, gestatten ihren Gegnern kaum, den eigenen Spielrhythmus zu finden. Christian Süß kam damit gegen Lebesson etwas besser zurecht und gewann. Ovtcharov verlor etwas überraschend gegen Christophe Legout. Gegen Dänemark hatten weder Süß noch Ovtcharov Schwierigkeiten, gegen Finn Tugwell und Jonathan Groth Bolls Führungspunkt zum 3:0-Sieg auszubauen.

Die deutschen Damen sind zwar noch nicht im Viertelfinale angelangt, aber ihre Chancen stehen nach einem 3:0 über die Türkei am Sonntagabend sehr gut, das Ziel zu erreichen. In der letzten Vorrundenbegegnung gegen Italien genügt auf jeden Fall ein Sieg in beliebiger Höhe, selbst eine 1:3-Niederlage könnte reichen, wenn die Türkei wie erwartet gegen die Niederlande verlieren sollte.

Fast hätte das deutsche Damenteam in ihrem Auftaktspiel am Mittag gegen die Titelverteidigerinnen aus Holland eine Sensation geschafft. Vor dem letzten Einzel stand es dank der Spitzenspielerin Wu Jiaduo 2:2. Die gebürtige Chinesin bezwang zunächst die Fünfte der Europarangliste, Li Jie mit 3:2 und danach die Ranglistenzweite Li Jiao mit 3:1. Im letzten Match führte Kristin Silbereisen schon 2:0 in Sätzen, verlor aber dennoch gegen Li Jie, womit die 2:3-Niederlage besiegelt war. Doch der Ärger setzte Energien frei. Durch das 3:0 über die Türkei, zu dem Wu Jiaduo, Zhenqi Barthel und Kristin Silbereisen die Punkte sammelten, stieß die Mannschaft von Damenbundestrainer Jörg Bitzigeio das Tor zum Viertelfinale weit auf.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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