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Leukämie bei Tim Lobinger : „Das Leben darf weitergehen“

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„Mein Körper hat sich soweit gut erholt, und ich konnte auch schon wieder meine Arbeit als Personal Trainer aufnehmen“: Tim Lobinger (Bild von 2008). Bild: Andreas Müller

Der frühere Leichtathletik-Star Tim Lobinger hat sich während seiner Leukämie-Erkrankung aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun, nach fünf Chemotherapien und einer Transplantation, spricht er wieder.

          Der an Blutkrebs erkrankte frühere Weltklasse- Stabhochspringer Tim Lobinger erobert sich Stück für Stück den Alltag zurück. „Mein Körper hat sich soweit gut erholt, und ich konnte auch schon wieder meine Arbeit als Personal Trainer aufnehmen“, sagte der 45-Jährige nach fünf Chemotherapien und einer Stammzellen- Transplantation der Deutschen Presse-Agentur. Seine im Mai öffentlich gemachte Diagnose hatte für große Betroffenheit in der Leichtathletik-Szene gesorgt. Lobinger war sieben Monate lang in einem Münchner Krankenhaus zur Behandlung.

          Mit Prognosen hält sich der dreifache Familienvater weiter zurück. Der Weg zur vollständigen Genesung sei noch weit, da es sich um eine extrem aggressive Form der Leukämie handle. Im August hatte Lobinger einen Spender für die Transplantation gefunden. „Selbst in den schweren Phasen der Therapie habe ich versucht zu trainieren – was nicht einfach war, aber enorm wichtig für Körper und Geist“, erklärte er. „Was die Psyche betrifft, wurde ich mit völlig neuen Ängsten konfrontiert, und ich habe mit aller Kraft versucht diese Achterbahnfahrten der Gefühle in Schach zu halten.“

          Seinen schweren Kampf gegen die lebensbedrohliche Krankheit hat Lobinger in einem Buch verarbeitet, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll. Der gebürtige Rheinländer hat all die Zeit Tagebuch geführt, seine Ängste, Schmerzen und Rückschläge, aber auch seine Hoffnung aufgeschrieben. Im Rückblick auf sein so einschneidendes Jahr sagte Lobinger: „Die Diagnose meiner Krankheit im März überschattet natürlich vieles.“ Prägend seien aber auch „die normalen und unbeschwerten Momente zwischen meinen Chemotherapie-Blöcken“ gewesen: „Das Grillen im Garten und das Lachen mit Freunden und meiner Familie, das war das schönste Geschenk. Aber natürlich werde ich nie vergessen, als ich nach wochenlanger Isolation endlich wieder an die frische Luft durfte.“

          Vor 20 Jahren hatte Lobinger als erster deutscher Stabhochspringer die magische Sechs-Meter-Marke überflogen. 2003 gewann er in Birmingham Gold bei den Hallen-Weltmeisterschaften, zudem drei Medaillen bei Europameisterschaften. Viermal nahm er an Olympischen Spielen teil. Über viele Jahre hinweg war der extrovertierte Athlet eine der prägenden Figuren seiner Sportart. „Tim und seine Ärzte sind zuversichtlich, dass er die weitere Zeit gut übersteht und große Chancen auf ein gesundes Leben hat“, hatte sein Management im Sommer erklärt. Lobinger setze auch in diesem Kampf wie einst im Leistungssport „auf Willensstärke und Disziplin“.

          Der neunmalige deutsche Freiluft-Meister arbeitete nach seiner Leichtathletik-Karriere vier Jahre lang als Athletiktrainer im Profifußball bei RB Leipzig. 2016 kehrte er aus privaten Gründen mit seiner Familie nach München zurück. Dort hat er sich als Fitness- Coach für Spitzensportler spezialisiert. „Ich wünsche mir als Athletiktrainer wieder vermehrt Aufgaben zu übernehmen und möchte mich hier weiterhin mit all meiner Erfahrung einbringen“, sagte er und ergänzte: „Wenn’s nach mir geht: Das Leben darf weitergehen.“

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