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Joey Kelly und Till Lindemann : „Leg dich nicht mit Russen an!“

Abenteuer unter Freunden: Drei Wochen waren Till Lindemann und Joey Kelly auf dem Yukon unterwegs. Herausgekommen ist ein Bildband, der im National Geographic Verlag erschien. Bild: Thomas Stachelhaus

Till Lindemann und Joey Kelly sprechen im FAZ.NET-Interview über ihre Abenteuerreise auf dem Yukon, Konzerte und Sport – und über Glück, das erst kommt, wenn alles vorbei ist.

          Und der Haifisch, der hat Tränen Und die laufen vom Gesicht Doch der Haifisch lebt im Wasser So die Tränen sieht man nicht (Rammstein, „Haifisch“)

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Drei Wochen Einsamkeit, drei Wochen Yukon. Was haben Sie dort gesucht? Was gefunden?

          Till Lindemann: Gesucht haben wir gar nichts. Wir wollten eine gute Zeit haben. Vielleicht haben wir das gesucht: eine gute Zeit.

          Joey Kelly: Es war ein Abenteuerurlaub an einem der unfassbarsten, faszinierendsten Flecken dieser Welt.

          Was bedeutet Ihnen Natur?

          Kelly: Für mich ist Natur, verbunden mit Abenteuer und Sport, eine ganz große Leidenschaft.

          Lindemann: Joey hat mal gesagt, er könne nie in einem Jeep sitzen, durch die Natur fahren und einfach nur den Anblick genießen. Bei ihm wächst die Betrachtungsweise mit der körperlichen Herausforderung. Ich hingegen kann beim Extremsport nie, wie er, Natur abrufen oder visuelle Geschehnisse verarbeiten, weil ich ein Typ bin, der die Panamericana von Costa Rica Richtung Panama fährt und sich Sachen aus dem Auto heraus anguckt. Für mich war diese Yukon-Reise deshalb außergewöhnlich. Abgesehen von ein paar Bären und Wölfen, begegnet man dort kaum etwas, das atmet. Wir haben unterwegs zwei Trapper gesehen, die Fallen gestellt haben. Sonst keine Menschenseele.

          Macht Anstrengung das Leben interessanter, Herr Kelly? Wird die Naturbetrachtung intensiver im Zustand der Erschöpfung?

          Kelly: Auf jeden Fall. Gerade an Orten, an die man mit einem Jeep gar nicht rankommt, ist das Erleben ein anderes. Viel intensiver. Wären wir diese Tour, die wir gemacht haben – Hunderte Meilen auf dem Yukon – mit einem motorisierten Schiff gefahren, dann wäre das Erleben sehr viel schwächer gewesen. Wenn man abends in der Wildnis sein Zelt aufschlägt und Feuer macht, körperlich sehr angestrengt ist, dann ist das ein großartiges Gefühl. Ich empfinde das als einen wunderbaren Weg, Natur zu genießen, an ihr wirklich teilzuhaben.

          Lindemann: Bei mir hat im Boot die Anstrengung überwogen. Diese körperliche Leistung, die man abliefern muss. Dort zu fahren ist wirklich nicht einfach, manchmal lebensgefährlich. Wenn du kenterst, kann es extrem schwer werden, überhaupt wieder an Land zu kommen – wenn du nicht vorher schon unterkühlt, erfroren oder einfach ersoffen bist.

          Von Ihnen erzählt man, dass Sie von Berlin aus immer wieder aufs Land hinausfahren, um Ruhe zu finden.

          Lindemann: Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe eine ganz starke Bindung zur Natur. Zum Fischen, zum Jagen. Das ist eine archaische Erfahrung, die ich immer wieder abrufen möchte. Die mir einfach fehlt, wenn ich zu lange in der Stadt bin.

          Haben Sie Texte vom Yukon mitgebracht? Fließen die Gedanken anders in einer solchen Umgebung?

          Lindemann: Ja, natürlich. Ich hatte im Boot die ganze Zeit viele Gedanken, aber dummerweise kein Diktiergerät, eines, das automatisch auf Sprachmodus geht. Ich habe dann abends versucht, alles aufzuschreiben, soweit ich mich noch erinnern konnte. Wir waren ja manchmal acht bis zehn Stunden unterwegs.

          Wie war die Arbeit im Boot verteilt?

          Lindemann: Joey saß vorn und hat die ganze Zeit geackert. Ich habe hinten manchmal nur mit dem Steuer gearbeitet. Joey war die Maschine. Und hat dabei viel geguckt. Wir haben manchmal stundenlang kein Wort gesprochen, aber dann auch: Schau mal hier, schau mal da! Aber je mehr bei mir die Kraft schwand, desto mehr war ich mit mir selbst beschäftigt. Es war trotzdem überwältigend, wie schön das war. Diese Panoramen und Himmel, die sich relativ schnell verändern, die Wolkenschichten, die Farben.

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