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Comeback bei PGA Tour : Die Tiger-Mania kehrt zurück

  • -Aktualisiert am

Tiger Woods wird bei seinem PGA Tour Comeback von reichlich Fans begleitet. Bild: AP

Tiger Woods begeistert die Fans bei seinem Comeback auf der PGA Tour. Vor allem bei seinen kurzen Schlägen zeigt er eine verblüffende Qualität. Er ist und bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

          Auf den ersten Blick hat sich wenig geändert. Tiger Woods trägt am Sonntag immer noch ein rotes Hemd und eine schwarze Hose – und selbst wenn er zweieinhalb Stunden vor den Führenden auf die Runde geht, lockt er immer noch mit weitem Abstand die meisten Fans an. Dicht gedrängt säumten die Zuschauer an allen vier Turniertagen vom Abschlag bis zum Grün die Fairways, um zu erleben, wie sich ihr Liebling auf den städtischen Plätzen von Torrey Pines in La Jolla schlägt. Nicht nur der einstige Überflieger des Golfs gab in seiner südkalifornischen Heimat am vergangenen Wochenende sein Comeback auf der PGA Tour, auch die „Tiger-Mania“ kehrte in voller Stärke zurück. Eine Frau verfolgte ihr Idol in einem Tiger-Ganzkörperkostüm, Väter hielten ihre Kinder auf den Schultern, um einen Blick auf den Ausnahmeathleten zu erheischen. Da spielte es keine Rolle, dass der Superstar mit dem Ausgang des Turniers nichts zu tun hatte. Ihn begleiteten selbst am Sonntag Tausende, während sich die Spitzenreiter mit ein paar hundert Fans begnügen mussten.

          Alles Gerede, Golf komme dank der vielen Jungstars auch ohne den einstigen Dominator aus, wurde deutlich widerlegt. Woods ist und bleibt eine Ausnahmeerscheinung. Für die Sportfreunde spielte es keine Rolle, dass er bei seinem ersten Auftritt auf der PGA Tour seit einem Jahr gerade so mit der vorgeschriebenen Schlagzahl dank eines Birdies am letzten Loch am Freitag den Cut geschafft hatte und am Ende den geteilten 23. Platz mit sieben Schlägen Rückstand belegte. Hauptsache, er spielt wieder. Den Sieg machten der ehemalige australische Weltranglistenerste Jason Day, der Schwede Alex Noren und der Amerikaner Ryan Palmer im Stechen unter sich aus. Nachdem Palmer schon am ersten Extraloch ausgeschieden war, stoppte die Dunkelheit Day und Noren. Bei der Fortsetzung am Montagmorgen sicherte sich Day nach wenigen Minuten seinen elften Titel auf der PGA Tour, den ersten seit Mai 2016.

          Die Attraktion der Veranstaltung

          Doch in dem Vorort von San Diego musste sich der Sieger mit der Nebenrolle begnügen. Die Attraktion der Veranstaltung war nun einmal Tiger Woods. Erstmals seit August 2015, als er bei der Wyndham Championship den geteilten zehnten Platz belegt hatte, spielte er bei einer Veranstaltung der PGA Tour wieder am Wochenende mit – schon das ist nach seiner vierten Rückenoperation im Frühjahr 2017 eine für Woods nicht selbstverständliche Leistung. Nach Runden von 72, 71, 70 und 72 Schlägen ließ Woods immerhin den Weltranglistenzweiten und Vorjahressieger Jon Rahm (Spanien), der mit einem Sieg die Spitze der Weltrangliste übernommen hätte, um einen Schlag hinter sich. „Ich bin sehr zufrieden“, bilanzierte Woods die vier Tage an der Pazifikküste, „ich habe hart für meine Ergebnisse gekämpft. Es waren keine dieser Runden zum Gähnen, bei denen man Fairway und das Grün trifft und dann mit dem zweiten Putt einlocht.“ Ganz im Gegenteil: Woods sorgte dank seiner extremen Streuung vom Abschlag für reichlich Aufregung. Einige Male verzog er seinen Drive um fast fünfzig Meter. Die Statistiker hielten fest, dass er nur 17 von 56 Fairways traf. So wenige hatte er zuletzt 2005 bei der Genesis Open in Pacific Palisades getroffen, jenem Turnier, das er in zwei Wochen als nächstes bestreitet. Bis dahin steht Woods viel Arbeit bevor.

          „Ich habe nach dem Turnier noch einmal den Driver gewechselt“, erläuterte er, warum er die kurzgemähte Spielbahn mal nach rechts (64 Prozent), mal nach links (36 Prozent) verfehlte. Während er bei seinem ersten Auftritt Anfang Dezember bei seinem Einladungsturnier auf den Bahamas breite Fairways vorfand, sind die Spielbahnen in Torrey Pines manchmal nur 25 Meter breit. Hinzu kam, dass am Sonntag der Wind mit bis zu 45 Kilometern in der Stunde über den Südplatz fegte.

          Dass Woods dennoch an keinem der vier Tage mehr Schläge benötigte, als der Platzstandard von 72 vorschreibt, hatte er allein seinem „kurzen Spiel“ zu verdanken. Der Mann, der noch vor drei Jahren bei den kurzen Annäherungsschlägen von den gefürchteten Yips, einem unwillkürlichen Muskelzucken im Treffmoment, geplagt war, agierte rund ums Grün mit einer Magie, die an seine Glanzzeiten erinnert. Auch das Feingefühl beim Putten hat unter der langen Zwangspause nicht gelitten. „Natürlich muss er bessere Drives schlagen“, sagte Caddie Joey LaCava, „er braucht einfach mehr Zeit, mehr Turnierrunden.“ Aber viel wichtiger als technische Probleme, das perfekte Zusammenspiel von Ober- und Unterkörper im Golfschwung, war für Woods eine andere Erkenntnis: Der Rücken hält jeder Belastung stand. „Selbst wenn ich aus hohem Gras schlagen musste, den Ball hinter Bäumen in verschiedenen Flugbahnen auf die Reise schicken musste, hatte ich keinerlei Probleme“, sagte Woods.

          Kann er wie Tennisprofi Roger Federer noch eine späte Blüte erleben und wie der Schweizer am Sonntag in Melbourne weiter die wichtigsten Trophäen sammeln? Die beiden hatten sich einst im Wettbewerb befunden, wer mehr Titel bei den vier Traditionsturnieren gewinnt. Sie hatten sich mit Textnachrichten gegenseitig nach Triumphen angestachelt, ein Austausch, der mit Woods 14. und letzten Major, den US Open vor einem Jahrzehnt in Torrey Pines, endete. Woods lässt erahnen, was er sich noch zutraut: „Roger ist 36. Das ist im Tennis alt. Ich bin 42. Das ist im Golf nicht alt.“

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