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THW Kiel Lustlos und angeknockt

18.02.2010 ·  Harte Zeiten für THW Kiel - physisch wie mental. Der deutsche Handball-Meister wankt und verliert. Sogar Torwart Omeyer, als gefeierter Europameister nach Hause gekehrt, steckt im Tief. Auch Trainer Alfred Gislason wirkt irritiert.

Von Frank Heike
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Die Unterstützung in der Sache kam vom größten Rivalen. „Einige Spieler müssen über hundert Begegnungen im Jahr absolvieren“, sagte Martin Schwalb, „das ist schlichtweg ungesund. Da ist es kein Wunder, dass sich manche Teams durch die Partien schleppen.“ Der Trainer des Bundesliga-Tabellenführers HSV Hamburg bezog sich mit seiner Spielkritik zwar auf die Partien der Europameisterschaft in Österreich Ende Januar, doch wird Schwalb den letzten Auftritt des THW Kiel und die Aussagen danach im Kopf gehabt haben.

30:32 hatte der THW am Sonntag in der Champions League gegen den FC Barcelona verloren, was auch daran lag, dass drei der wichtigsten Stützen völlig überspielt wirkten: Der Tscheche Filip Jicha, Torschützenkönig und wertvollster Spieler der EM, schleppte sich über den Platz. Jicha ist seit dem Weggang Nikola Karabatics und dem Karriereende Stefan Lövgrens wichtigster Rückraumspieler des THW. Er sagte: „Es sind harte Zeiten - physisch wie mental. Wir hatten drei entscheidende Spiele direkt nach der Europameisterschaft, wo viele von uns acht Spiele in zwölf Tagen hatten.“

Das gilt auch für Kim Andersson, der für Schweden bei der EM im Dauereinsatz war und seitdem schwächelt, und den stärksten Torwart des kontinentalen Turniers, Thierry Omeyer. Als gefeierter Europameister kam er nach Hause, aber seitdem steckt Omeyer im Tief. Und zwar in Partien gegen drei wirklich starke Gegner. Alles zusammen führte dazu, dass der deutsche Meister wankt.

„Wir haben die Begeisterung verloren, den Flow“

Erst das desaströse 28:35 im Pokalviertelfinale in Gummersbach, dann der mühevolle Sieg bei den Rhein-Neckar-Löwen, als allein Jicha durch die Mobilisierung letzter Kräfte eine Niederlage verhinderte, und nun die Niederlage gegen den Rivalen aus Barcelona. Der so wichtige Gruppensieg mit möglichen leichteren Gegnern vom Achtelfinale der Champions League an scheint verbaut. Dass der eigentliche Star im Kieler Team, der Franzose Daniel Narcisse, nach zum Teil überragenden Leistungen bei der EM wegen einer Verletzung noch gar nicht wieder für den THW gespielt hat, passt ins Bild des angeknockten Meisters.

Das durch einige überraschende Aussagen noch detaillierter wird. „Einigen fehlt die Lust“, sagt Christian Zeitz. Nicht einmal die Begeisterung der Zuschauer in der Halle kann derzeit helfen. „Wir haben die Begeisterung verloren, den Flow“, sagte Linksaußen Dominik Klein, und Torwart Omeyer assistierte: „Eigentlich müsste es Spaß machen, vor 10.000 Leuten gegen Barcelona zu spielen. Aber wir hatten ihn nicht. Warum? Ich weiß es nicht.“ So viel Ratlosigkeit ist einem aus Kiel völlig fremd. Aber irgendwann scheint sich auch das Besondere erschöpft zu habe, scheint die Dosis nicht mehr zu reichen, wenn man als Handballprofi von Höhepunkt zu Höhepunkt jagt.

Beim THW kommt in jedem Falle hinzu, dass die neue Hierarchie ohne die Köpfe Lövgren und Karabatic noch nicht gefunden ist. Karabatic hätte Spiele wie in Gummersbach mit seiner erst in Österreich wieder gezeigten Kopf-durch-die-Wand-Mentalität zur Not selbst entschieden. Lövgren hätte für die richtige Ansprache vor dem Spiel und in der Halbzeit gesorgt.

„Wir machen nicht das, was wir uns vornehmen“

Jicha ist für eine Führungsrolle zu nett, der neue Kapitän Marcus Ahlm zu still. Trotzdem hatte es in der Vorrunde ja gut geklappt beim Rekordmeister im Umbruch. Doch schon im Dezember wirkte die teure Mannschaft verunsichert und ließ sich vom kämpferischen Abstiegskandidaten aus Balingen besiegen. Nun hat die EM-Pause mit den folgenden zwei Niederlagen aus drei Spielen sichtlich am Selbstvertrauen der Kieler genagt.

Auch Trainer Alfred Gislason wirkt irritiert. „Wir machen nicht das, was wir uns vornehmen. Und wir machen Anfängerfehler“, sagt er. Insgeheim stellt man sich in Kiel jetzt auf eine Saison ohne Titel ein; in der Bundesliga scheint der HSV diesmal zu stark besetzt. Irgendwie soll die Spielfreude trotzdem zurückkehren. Aber dafür braucht es wohl besondere Ereignisse mit besonderen Taten: Handball-Alltag wie am Mittwochabend beim 32:20-Sieg gegen den TSV Dormagen wird die lust- und freudlosen Kieler kaum aufrichten.

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