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THW Kiel Handball vom anderen Stern

Mit 36:28 überrennt der THW Kiel seinen einzigen Verfolger in der Bundesliga, die Berliner Füchse. Nun bleibt ein großes Ziel: erster „Zu-null-Meister“ werden.

© dpa Vergrößern Überragend: Kim Andersson und der THW Kiel

Offenbar hatte es fast allen Spaß gemacht, bei diesem Handballfest mitzuwirken. Die armen Torhüter der Berliner Füchse einmal ausgenommen - Silvio Heinevetter und Petr Stochl waren ausreichend beschäftigt, die Bälle aus dem Tor zu sammeln. Für die Feldspieler des Tabellenzweiten aber war es ein denkwürdiger Abend in Kiel: Kontakt mit Handball von einem anderen Stern. Der Kapitän der Füchse, Torsten Laen, resümierte mit einem Lächeln: „Wenn die Maschine mal läuft, hat man keine Chance gegen den THW. Wir haben keine Spieler, die Tore aus 14, 15 Metern werfen. Ich kann nur sagen: Kompliment an diese Mannschaft.“

Nun ist es nicht so, dass Laen als Novize nach Kiel gereist wäre. Der 32 Jahre alte Däne hat mit dem spanischen Spitzenklub BM Ciudad Real zweimal die Champions League gegen den THW gewonnen; 2008 sogar in Kiel. Seit 2009 beteiligt er sich nun höchst erfolgreich am Aufbau Ost in der Hauptstadt. Der Abwehr-Organisator Laen ist kein Typ, der in der Ostseehalle staunend übers Parkett stolpert. Auch am Mittwoch langte er wieder ordentlich hin. Es half aber nichts. Denn Laen stellte eine entscheidende Veränderung fest: „Früher musste man sich auf die Kieler nicht lange vorbereiten. Sie hatten immer ihre 6-0-Abwehr, und vorne wurde früh geworfen. Gut waren sie so auch, aber jetzt haben sie verschiedene Systeme vorne und hinten. Sie sind kaum auszurechnen.“

„Ich fand uns gar nicht mal schlecht“

Begeistert wie ein Fan von der Tribüne sprach Torsten Laen über den THW Kiel, der seinen einzigen Verfolger beim 36:28-Sieg geradezu überrannte und nun in der Bundesligatabelle mit 52:0 Punkten über allem Irdischen thront. Nationalspieler Sven-Sören Christophersen sagte anerkennend: „Ich fand uns gar nicht mal schlecht. Trotzdem verlieren wir mit acht Toren. Beeindruckend, wie sie ihr Feuerwerk abbrennen.“ Am Sonntag noch hatten die Berliner Füchse den deutschen Meister HSV Hamburg aus der Champions League geworfen. Drei Tage später war gegen diese Kieler kein Kraut gewachsen.

Gar nicht mal schlecht - und doch ohne Chance: Heinevetter, Romero (l.) und die Berliner Füchse Gar nicht mal schlecht - und doch ohne Chance: Heinevetter, Romero (l.) und die Berliner Füchse © dpa Bilderstrecke 

Der direkte Vergleich Laens fiel für den HSV wenig schmeichelhaft aus: „Hamburg hat gute Spieler, aber kein Kollektiv. Wenn bei ihnen einer den Ball hatte, sind wir rausgegangen, haben ihn fertiggemacht. Bei Kiel kriegt sofort der Nächste den Ball. Du denkst, du spielst immer in Unterzahl.“ Nun war die Leistung der Füchse am Mittwoch vor allem defensiv deutlich schlechter als am Sonntag; die Torhüter hielten praktisch keinen Ball. Von einem Dämpfer der Berliner Ambitionen wollte Laen dennoch nichts wissen. In seinem Vergleich lag viel Wahrheit, er sagte: „Wir sind auf dem Weg. Kiel ist am Ziel.“

Als wäre es das Champions-League-Finale

Dass die Kieler deutscher Meister werden, ist ja schon länger klar. Nun soll noch ein Schleifchen um den Erfolg, etwas, das den Titel 2012 zu einer bleibenden Erinnerung macht. Verbal wehren sich die Kieler Profis noch dagegen, aber natürlich wäre es ihnen ein Vergnügen, auch die verbleibenden acht Spiele noch verlustpunktfrei zu überstehen. Sie wären dann der erste „Zu-null-Meister“. Und noch eine reizvolle Herausforderung besteht: Rein rechnerisch könnte die Meisterschaft nach dem 30. Spieltag feststehen - durch einen Sieg beim HSV Hamburg. Dem größten Konkurrenten der vergangenen Jahre die Schale wegzunehmen, das würde vor allem den Kieler Fans gefallen.

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Beim nie gefährdeten Sieg gegen die Berliner Füchse erstaunten wieder einmal Leidenschaft und Ehrgeiz des THW. Ob Torwart Thierry Omeyer, Kapitän Marcus Ahlm, Rückraumschütze Filip Jicha oder der überragende Kim Andersson - sie alle legten sich ins Zeug, als wäre dies das Champions-League-Endspiel. Zehnmal traf Jicha, Andersson gelangen neun Tore, eine für ihn ungewöhnlich hohe Ausbeute. Im Jahr nach seiner schweren Verletzung zeigt der spielintelligente Schwede wieder seinen Wert für den THW Kiel. Obwohl er erst im Sommer zum dänischen Klub AG Kopenhagen gehen wird, vermissen die Kieler ihn jetzt schon. Andersson sagte in der typischen THW-Bescheidenheit: „Es war einfach ein Abend, an dem alles lief. Die Hälfte meiner Tore waren ja abgelenkte Bälle. Wir führen auch deshalb so klar, weil wir 14, 15 fitte Spieler haben. Der HSV hat das Verletzungspech, das wir letztes Jahr hatten. Dann ist es schwer, Meister zu werden.“ Es war immerhin ein Trostpflaster für den ärgsten Rivalen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 29.03.2012, 16:55 Uhr

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Von Peter Penders

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