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Tennisspielerin Mona Barthel Schöne neue Welt

 ·  Als Kind verkleidete sich Mona Barthel als Steffi Graf. Jetzt macht sich die Tennisspielerin selbst einen Namen. Vor der 21-Jährigen ist nicht einmal die Weltranglistenerste sicher.

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© AFP Vergrößern Ihre stärkste Waffe: der Aufschlag von Mona Barthel macht den Gegnerinnen zu schaffen

Als kleines Mädchen lebte Mona Barthel in einer anderen Welt. Ständig schleppte sie jenes Schlägermodell hinter sich her, mit dem auch Steffi Graf spielte, stets zog sie ein Tenniskleidchen über, das auch Steffi Graf trug, und wenn jemand die Vierjährige fragte, wie sie denn heiße, antwortete Mona Barthel im Brustton der kindlichen Überzeugung: „Steffi Graf“. Heute, als junge Frau, lebt die 21-Jährige in einer anderen fabelhaften Welt, sie hat ihren Traumberuf gefunden, feiert als Tennisprofi erste aufsehenerregende Erfolge und lacht über jene Tage, als sie noch in den Kinderschuhen steckte und ihr Idol auf Schritt und Tritt nachzuahmen versuchte: mit einem Racket und einem Röckchen, die beide überhaupt nicht zum Dreikäsehoch passten, weil Mutter Hannelore alle Utensilien in Original-Steffi-Graf-Größe gekauft hatte.

Von ihrer frühen Identität als zweite Steffi hat sich Mona Barthel längst gelöst. Die erfolgreichste deutsche Spielerin ist zwar weiterhin ihr Vorbild. Doch ist die Schleswig-Holsteinerin dabei, sich im Tenniszirkus einen eigenen Namen zu machen - auch wenn ein bekanntes deutsches Online-Medium ihr dieser Tage den Vornamen „Monika“ verpasste. „Die Spielerinnen da oben kennen mich so langsam alle“, sagt die Frau aus Neumünster. So habe zu Beginn der Stuttgarter Turnierwoche niemand Geringeres als die Weltranglistenerste Viktoria Asarenka sie gebeten, gemeinsam ein Stündchen zu trainieren - eine Auszeichnung, die von großem Respekt zollt.

Ein paar Tage später, als es ernst wurde und sich die beiden auf dem Centre Court gegenüberstanden, bewegten sich die überragende Tennisspielerin dieser Saison und Deutschlands jüngste Aufsteigerin auf Augenhöhe. Fast drei Stunden dauerte am Freitag das packende Viertelfinalmatch, das die erfahrenere Branchenführerin aus Weißrussland am Ende 6:4 6:7 (3:7) und 7:5 gewann. „Mona zeigt schon das ganze Jahr über exzellentes Tennis“, lobte Viktoria Asarenka nach dem schon vierten Aufeinandertreffen in dieser Saison: „Sie hat einen tollen Aufschlag und großartige Grundschläge.“

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© dpa Vergrößern Von Barthel aus dem Feld geschlagen: die frühere Nummer 1 Ana Ivanovic

Mona Barthel schlägt nicht nur hart, sondern auch so unaufgeregt und schnörkellos wie einst ihr Vorbild Steffi Graf. Mit ihrem Service brachte die Deutsche, die nur dank einer Wildcard in Stuttgart starten durfte, zunächst die frühere Weltranglistenerste Ana Ivanovic zur Verzweiflung, danach die siebtplazierte Marion Bartoli. Der Zweitrundenerfolg gegen die Französin war der erste überhaupt gegen eine Top-Ten-Spielerin. Der Unterschied zu den Spitzenkräften sei „nicht allzu groß“, findet Mona Barthel: „Wichtig ist Erfahrung, vor allem aber Selbstvertrauen.“ Beides hat sie in den letzten zwölf Monaten reichlich gesammelt.

Mental stark, Tendenz steigend

Seit vorigem Frühjahr hat sich Mona Barthel von Weltranglistenplatz 196 auf Position 35 durchgeschlagen - Tendenz weiter steigend. Im Januar gewann sie im tasmanischen Hobart ihr erstes WTA-Turnier, bei den Hallenturnieren von Paris und Kopenhagen erreichte sie die Runde der letzten acht. Neben der Kielerin Angelique Kerber, die in dieser Saison schon zwei WTA-Turniere gewann und in ihrem Stuttgarter Viertelfinale an Petra Kvitova scheiterte, ist Mona Barthel die Spielerin der Stunde im deutschen Damentennis.

Während die Frontfrauen Andrea Petkovic und Sabine Lisicki verletzt sind und Julia Görges ihr hohes Niveau hält, kämpft sich die Norddeutsche in aller Ruhe nach oben. Als „mental gute Spielerin“ bezeichnet sich Mona Barthel, „das ist eine Charakterfrage“. Einen Mentalcoach brauche sie nicht. „Auf dem Platz trifft man seine Entscheidungen allein. Ich habe meine eigenen Vorstellungen, wohin es gehen soll.“

„Es ist nur Tennis“

Während sie sich mit ihrem aggressiven Spielstil auf der Höhe der Zeit befindet, wirkt das Auftreten der Norddeutschen altmodisch, manche mögen sagen: spröde. Ein Stöhnen ist von ihr auf dem Platz nicht zu hören, und auch ihre Faust zeigt sie nicht zur Gegnerin hinüber, sondern ballt die Hand nur für sich. Ihr Weltranglistenplatz interessiert sie nicht („ob 30, 50 oder 70 - es ist halt so“), und auch die anderen Aufgeregtheiten im Profigeschäft - wie jüngst über Scharapowas Haarlänge, Ivanovics neues Single-Leben oder den vermissten „Petko-Dance“ der besten Deutschen - bleiben ihr fremd. „Es ist nur Tennis“, sagt Mona Barthel. „Ich bin nicht der beste Mensch der Welt, nur weil ich ein paar Tennisbälle ins Feld schlagen kann.“

So viel Untertreibung erscheint extraordinär im Kreise der vielen Tennis-Girlies, die von ihren Eltern schon in jüngsten Jahren auf eine Profikarriere gedrillt wurden und kaum etwas anderes kennen als ihren Sport. Mona Barthel hat einen weiteren Horizont. Sie hat ihr Abitur gemacht, obwohl die Eltern „nur“ die Fachhochschulreife von ihr verlangt hatten, ehe sie sich in den Profizirkus wagte. „Aber ich habe gerne gelernt und gedacht, warum soll ich jetzt damit aufhören?“ Nur in den Sommerferien konnte Mona Barthel erste Erfahrungen bei kleinen europäischen Turnieren sammeln. Stets übernachtete sie auf Campingplätzen, wo sie sich das Zelt mit ihrer Mutter teilte. „Solche Eindrücke vergisst man nicht“, sagt sie. Was ihr heute zu schaffen macht, ist das Leben als Tennisnomade. Von Woche zu Woche bei einem anderen Turnier spielen, mehrmals im Jahr die Kontinente wechseln, mit dem Jetlag klarkommen: „Das alles hatte ich vorher nicht. Doch wenn ich das alles erst einmal durchgemacht habe, dann wird es zur Routine und mir leichter fallen.“ So ganz ist Mona Barthel noch nicht angekommen in ihrer neuen Welt.

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