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Tennis-Präsident Altenburg „Polemik ignoriere ich“

 ·  Von Aufbruchstimmung ist im deutschen Tennis nicht mehr die Rede, an der Basis rumort es scheinbar. DTB-Präsident Altenburg wehrt sich im F.A.Z-Interview gegen die laut gewordene Kritik an der Verbandsführung.

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© picture alliance / dpa Lange Schatten über der einstigen Boomsportart: Tennis hat in Deutschland seine gute Ausgangsposition längst verloren

Sie wollten als DTB-Präsident vor allem die Außendarstellung des Verbandes verbessern - stattdessen gibt es seit ein paar Wochen nur negative Schlagzeilen. Läuft da was falsch?

Was wir machen, ist ein Neuanfang mit guten Zielen nach einer langen Zeit, in der nicht viel passiert ist. Wenn Sie mit einem Verband zu neuen Ufern aufbrechen wollen, dann gibt es zwei Punkte. Erstens: Das geht nicht über Nacht. Und zweitens: Sie werden es nie schaffen, dass sie 100 Prozent der Leute mitnehmen. Es wird immer Stimmen geben, die damit nicht einverstanden sind und eigentlich lieber in der alten Zeit hängenbleiben würden. Das ist das Thema, das wir haben. Aber wir sind absolut unbeirrt auf diesem Weg, weil es der richtige Weg ist. Und Momente wie in dieser Woche, als wir das neue Online-Portal www.tennis.de vorgestellt haben und bei dem die große Mehrheit der Landesverbände mitzieht, hat es lange nicht mehr gegeben.

Vor allem um den eigentlich ja positiven Sponsorenvertrag mit Porsche gibt es viele Unstimmigkeiten. Die Rolle, die Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner dabei als Vermittlerin spielte, wurde anfänglich heruntergespielt, und nun behauptet der Verbandspräsident von Schleswig-Holstein in einem offenen Brief auch noch, die Gelder würden zweckentfremdet, um den neuen Hauptgeschäftsführer Stephan Brune zu bezahlen...

Es gab und gibt keinen Streit darüber, dass der Kontakt zu Porsche schon bestand, bevor dieses Präsidium gewählt worden ist. Das ist bekannt, und das haben wir auch immer gesagt. Natürlich haben wir uns dann in die Vertragsverhandlungen eingebracht. Wir sind absolut glücklich, dass so ein Premium-Sponsor da ist und noch glücklicher darüber, dass er sich insbesondere auf die Nachwuchsarbeit konzentriert und da auch die Gelder hingehen. Die fließen nirgendwo anders hin als zur Nachwuchsarbeit bei den Damen und zur Unterstützung unseres Fed-Cup-Teams, zu 100 Prozent. Alles andere sind Legenden.

Merkwürdigerweise ist die Rolle von Barbara Rittner beim Zustandekommen des Vertrages zunächst nicht öffentlich bekundet worden. Zwangsläufig musste der Eindruck entstehen, dass dies mit dem Gedanken geschah, keine möglichen Ansprüche auf eine Provision erwecken zu wollen oder sich den Vertrag als ersten Erfolg an die eigene Brust heften zu können.

Wenn der Eindruck entstanden sein sollte, dann tut mir das leid, das war nicht beabsichtigt. Barbara Rittner hat als verantwortliche Bundestrainerin für das Fed-Cup-Team und den Nachwuchsbereich eine wichtige Rolle gespielt, einen solchen Premium-Sponsor zu finden, und das wird von uns auch gewürdigt. Sie hat außerdem zweifelsohne hervorragende Arbeit im sportlichen Bereich geleistet hat. Barbara Rittner hat deshalb unser absolutes Vertrauen, wir wollen ihren Vertrag verlängern.

Gibt es denn nun eine Provision für die Fed-Cup-Chefin für die Vermittlung des Porsche-Kontraktes?

Ja, denn Teil ihres Vertrages ist eben auch, dass sie uns helfen kann, Sponsoren zu finden, und das hat sie in diesem Fall getan und das wird auch dementsprechend gewürdigt. Das wird gerade sorgfältig geprüft, aber ihr Beitrag ist unbestritten.

Wenn das alles so problemlos ist, dann ist es allerdings sehr schlecht kommuniziert worden...

Das Störfeuer war nicht schön, das hätten wir uns gern erspart. Aber nicht jeder ist zufrieden mit so einem Neuanfang. Und das macht es in der Übergangsphase, in der es noch keine vorzeigbaren Erfolge gibt, schwierig. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Zu Beginn Ihrer beruflichen Karriere waren Sie Unternehmensberater. Kann man einen Verband wie ein Unternehmen analysieren und dann umgestalten?

Nein, davon bin ich nie ausgegangen Ein Verband ist kein Unternehmen, sondern eine gemeinnützige Institution. Ich glaube aber, dass es bei einem so großen Verband wie dem Deutschen Tennis-Bund wichtig ist, dass er professionell geführt wird, damit möglichst viel Investitionen für den Tennissport und die Mitglieder getan werden können. Es gibt ja Tausende von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich jeden Tag verdient machen und so einen Verband am Leben halten. Aber man muss auch in den Sport investieren, sowohl in den Spitzensport wie in den Breitensport, und vor allem muss der Sport mit der Zeit gehen. Es gibt Bereiche im Verband, da kann man aus der Wirtschaft lernen. Aber es ist eine andere Arbeit als im Unternehmen, man muss Mehrheiten schaffen. Es reicht nicht, einfach anzuordnen, man muss überzeugen. Da kann es natürlich manchmal auch Widerstände geben.

Sie haben festgestellt, dass der Verband sparen muss, aber gleichzeitig einen hauptamtlichen Geschäftsführer eingestellt, der mehr als 200.000 Euro verdienen soll. Wie passt das zusammen?

Das passt absolut zusammen, und so eine Fachkraft kostet auch Geld. Das wird nicht aus irgendwelchen Sponsorengeldern bezahlt, sondern wir finanzieren das aus unserem Budget. Das Budget hatte an einigen Stellen Einsparungspotentiale, die wir heben werden oder bereits gehoben haben. Wir reden hier über ein Budget in Millionen-Höhe, das gemanagt werden muss. Das wollen wir sorgsam tun, wir wollen es ausgeglichen machen, damit wir keine Unterdeckung haben. Dazu brauchen wir eine professionelle Führung. Das betrifft so viele Bereiche, zum Beispiel die Vermarktung, online, Finanzen, die Beziehungen zu den internationalen Verbänden und Organisationen, wir haben externe Teilhaber bei unserem Hamburger Turnier - es gibt Dutzende von Sachen, die gemanagt werden müssen, und die im Moment mit einem sehr kleinen Team gemanagt werden. Ich denke, dass die Vergangenheit gezeigt hat, wo es beim DTB gefehlt hat - dass er nämlich nicht professionell geführt war. Das war der erste Schritt, den wir gemacht haben. Die professionelle Führung ist ein Grundpfeiler unseres Neuanfangs. Wir sind froh, so einen erfahrenen und tennisbegeisterten Mann wie Herrn Brune gewonnen zu haben. Wir sind im übrigen genauso froh über die anderen hochkompetenten ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen im Präsidium. Wir brauchen eine professionelle Führung, sonst können wir unser Programm gar nicht schaffen. Das kostet Geld, und das können wir vertreten.

Es ist aber die Rede von harschen internen Personal-Mails des Geschäftsführers. Und die Firma Babolat habe zwar Interesse am Sponsoring gezeigt, warte aber immer noch auf eine Antwort...

Weder hat Babolat Herrn Brune eine E-Mail geschickt, noch gab es Gespräche über eine Ausweitung des Engagements von Babolat beim DTB. Das Unternehmen ist Ballpartner seit 2004, hat sein Engagement in den Landesverbänden in den zurückliegenden Jahren aber immer weiter verringert. Wir nehmen die Nachricht, Babolat habe Interesse, beim DTB als Sponsor einzusteigen, gerne auf und werden ausloten, ob und inwieweit das Unternehmen hierzu bereit ist. Und was die erwähnte Mail von unserem Geschäftsführer betrifft, die war juristisch notwendig und juristisch korrekt formuliert. Sinn und Zweck war einzig und allein der Schutz der Mitarbeiter.

Ihre Kritiker bemängeln, dass von der Aufbruchstimmung nach Ihrer Wahl im November nicht viel übrig geblieben ist, dass noch keine Ergebnisse sichtbar sind...

Gute Ergebnisse brauchen ihre Zeit. Wir haben ja schon einiges angestoßen, eine Strategie entwickelt, die jetzt nach und nach umgesetzt wird. Wir müssen mehr in den Nachwuchs investieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Spitzenspieler zu produzieren. Charly Steeb, unser Sport-Vizepräsident, und Sportdirektor Klaus Eberhard haben ein neues Nachwuchsförderkonzept entwickelt, das wir jetzt verabschiedet haben und vorstellen werden. Dazu gehört ein nach Erfolg gestaffeltes Fördersystem, dazu gehört externer Rat wie ihn beispielsweise Niki Pilic beim Scouting geben wird. Außerdem gibt es noch großes Potential: Wir können und müssen in der Werbung neue Wege gehen und beispielsweise auch auf Mitglieder der Gesellschaft zugehen, für die der Tennissport bislang nicht zugänglich war - auf unsere ausländischen Mitbürger. Ein so großer Breitensportverband muss sich an alle Teile der Gesellschaft richten, und dafür brauchen wir vor allem eine breite Unterstützung in der Gesellschaft. Wir haben einen Beirat gegründet, in dem doch sehr herausragende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und dem Sport sitzen werden wie etwa Manfred Schneider (Aufsichtsratsvorsitzender der Bayer AG), Jürgen Weber (Aufsichtsratsvorsitzender der Lufthansa AG), Fritz Joussen (Geschäftsführer Vodafone Deutschland), Gerhard Weber, der Vorstandsvorsitzende der Gerry Weber AG, oder unser ehemaliger Davis-Cup-Teamchef Niki Pilic. Ein Beirat an sich macht noch keine Veränderung, aber das sind alles Leute, die nicht nur in der Wirtschaft Bedeutung haben, sondern auch gesellschaftlich engagiert sind und die uns auf unserem Weg unterstützen wollen.

Das ist der Punkt, den die meisten Verbände mit Ihrer Wahl vermutlich in Verbindung gebracht haben - dass Ihnen der Kontakt in die obersten Wirtschaftsebenen leichter fällt.

Es mag sein, dass ich die Kontakte eingebracht habe. Diese Persönlichkeiten engagieren sich jedoch nur deshalb, weil sie von der Sache überzeugt sind und an unseren wunderbaren Tennissport glauben.

Sind Sie trotzdem der Präsident, der notgedrungen das Turnier in Hamburg aufgeben muss?

Wir sind froh, dass wir so ein Turnier haben und wollen, dass es so erfolgreich wie möglich ist. Man muss die Themen Turnier und Stadion trennen. Die Anlage ist mit einer finanziellen Verpflichtung für den Verband verbunden, und da müssen wir darauf achten, dass wir das Risiko im besten Sinne des DTB bewerten. Das sind Hypotheken, die wir haben, und die müssen wir abarbeiten.

Glauben Sie im Ernst, dass ein Sandplatzturnier mitten im Sommer erfolgreich sein kann?

Das ist unbestritten kein glücklicher Termin. Lieber wäre mir natürlich entweder ein anderer Zeitpunkt oder ein Hartplatzturnier, aber da wird es Gegenwehr der amerikanischen Veranstalter geben. Wir stehen aber zu Hamburg, und wir müssen also versuchen das Turnier aufzuwerten. Der DTB liegt mit der ATP wegen der Aberkennung des Master-Status ja noch in einem Rechtsstreit, und wir mussten erst einmal wieder eine Atmosphäre aufbauen, in der Gespräche über die Weiterentwicklung des Turniers möglich sind. Da stehen wir jetzt

Werden Sie auch das Gespräch mit Ihren internen Kritikern suchen?

Ich rede mit allen, mit denen man konstruktiv sprechen kann, und bin für Kritik offen. Geradlinige, konstruktive Kritik ist ein wichtiger Schritt zu positiven Veränderungen. Auf Polemik aber reagiere ich nicht. Es wird alles ehrlich und fair geregelt, aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen.

Das Gespräch führte Peter Penders.

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