22.03.2011 · Alles deutet darauf hin, dass 2011 das Jahr von Djokovic wird. Auch Nadal ist nicht stark genug für den Serben, der nach seinem Erfolg in Indian Wells weiter unbesiegt in diesem Jahr ist. Platz zwei in der Weltrangliste muss da nicht das letzte Wort bleiben.
Von Thomas KlemmRoger Federer hat es in diesem Jahr schon dreimal versucht - vergeblich. Rafael Nadal bot sich am Sonntag die Chance - auch für ihn gab's nichts zu holen. Ja, und dann war da noch das Dutzend anderer Profis, die nicht ganz so viel Talent haben wie die beiden unumstrittenen Branchenführer der vergangenen Jahre. Aber auch schlagfertige Top-Ten-Spieler wie Andy Murray, Tomas Berdych und Konsorten konnten letztlich nicht viel mehr ausrichten, als die Hand zur Gratulation zu reichen.
Achtzehn Matches hat Novak Djokovic in diesem Jahr bestritten, achtzehn Mal ist den Gegnern nichts anderes übriggeblieben, als dem Serben erst respektvoll zu begegnen und ihn später hochachtungsvoll zu verabschieden. Der Weltranglistenerste Nadal war am Sonntag im Finale von Indian Wells der (vorerst) Letzte, der sich Djokovic geschlagen geben musste. „Besser als er kann man nicht in eine Saison starten“, sagte der Spanier über den serbischen Kollegen, dem er 6:4, 3:6 und 2:6 unterlag. Nadal beschrieb lediglich in Worten, was die Zahlen eindrucksvoll belegen.
Wer soll den Serben stoppen?
Drei Monate jung ist die Tennissaison zwar erst, aber es deutet alles darauf hin, dass 2011 das Jahr des Novak Djokovic wird. Es kann für den Serben zwar unmöglich so weitergehen wie in den vergangenen Wochen, als er bei den Australian Open seinen zweiten Grand-Slam-Turniersieg feierte, in Dubai triumphierte und nun auch in der kalifornischen Wüste von Indian Wells den Titel holte; das würde ja bedeuten, dass er überall auf der Welt jedes Turnier gewinnt, zu dem er anreist.
Aber Djokovics Erfolgsserie des Jahres, noch verlängert durch die beiden Einzelsiege beim Davis-Cup-Triumph vergangenen Dezember gegen Frankreich, wirft in der Tenniswelt die Frage auf: Wer soll den Serben stoppen? „Ich habe momentan die beste Zeit in meinem Tennisleben“, bekannte der Dreiundzwanzigjährige nach seinem letzten von bisher 21 Turniersiegen, „aber unbezwingbar ist niemand.“
Die jüngste Bilanz spricht gegen Nadal
So bescheiden sich Djokovic am Sonntag gab: Ein paar Tage zuvor am selben Ort hatte er keinen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht. Er müsse von Turnier zu Turnier konstant weiterspielen, sagte Djokovic, und hier oder dort das Halbfinale oder Finale erreichen, um „die Chance zu haben, am Ende des Jahres die Nummer eins zu werden“. Branchenführer Nadal muss sich also in Acht nehmen; zwar hat der Mallorquiner einen komfortablen Vorsprung, muss aber auch in der nächsten Monat beginnenden Sandplatzsaison massenhaft Weltranglistenpunkte verteidigen.
Die Stellung als Nadals erster Verfolger hat Djokovic, der Federer verdrängte, seit dem gestrigen Montag bereits inne. Und die jüngste Bilanz gegen die beiden Topstars spricht sowieso für den Serben: Gegen den Schweizer gewann er die letzten drei Matches, gegen den Spanier vier der vergangenen sechs. „Ich spiele mit sehr viel Selbstvertrauen“, sagte Djokovic, „und ich habe auf dem Platz ein gutes Gefühl für den Ball.“
Reif für die Nummer eins
Vor einiger Zeit war Djokovic vor allem ein Konterspieler, einer wie früher Agassi, der das Tempo des Gegners für sich zu nutzen weiß. Heute ist der Weltranglistenzweite offensiv wie defensiv außerordentlich stark, und auch Körper und Geist sind nunmehr voll auf der Höhe. Während der extrovertierte Profi in den zurückliegenden Jahren mitunter bei erhöhten Temperaturen schlappmachte, ist er jetzt fit und fokussiert wie nie zuvor.
Dazu kommt die Erfahrung: „Man achtet auf viel mehr Dinge, lernt mehr über die Gegner. Und man ist besser vorbereitet und versucht einfach, sein bestes Tennis zu spielen“, sagt Djokovic, der 2008 als unbekümmerter Zwanzigjähriger die Australian Open gewonnen hatte, danach aber viele Höhen und Tiefen durchlebte. Vor Beginn des nächsten Masters-Turniers in dieser Woche mag er noch nicht an ein mögliches Ende seiner Erfolgssträhne denken. „Ich habe einen großen Siegeswillen. Das wird nicht plötzlich aufhören“, sagte der Serbe, der in Miami wegen des frühen Meldeschlusses nur an Position drei gesetzt ist.
Früher hat Novak Djokovic ständig Faxen gemacht und die Marotten der Konkurrenten parodiert. Heute konzentriert er sich ganz auf sich selbst. Wie es scheint, ist er reif für die Nummer eins.