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Veröffentlicht: 31.10.2012, 14:34 Uhr

Tennis Kühnen hat genug

Der Teamchef des deutschen Davix-Cup-Teams hört auf, weil ihm „Rückendeckung fehlt.“ Wer Kühnens Nachfolger wird, ist unklar. Der Hauptsponsor erhebt derweil schwere Vorwürfe gegen den Tennisbund.

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© dpa Bälle in die Kiste und weg: Patrik Kühnen hat genug von Tennisbund und Davis-Cup-Team

Man darf ja nie alles glauben, was einem erzählt wird, und die Tatsache, dass sich die Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung von Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen so lange hinzogen, nährten in den vergangenen Monaten trotz aller gegenteiligen Beteuerungen immer eine gewisse Skepsis. „Reine Formsache“ sei dies, hatte das für den Sport zuständige Vorstandsmitglied Carl-Uwe Steeb dabei schon im Mai gesagt – ganz so, als hätte es nach dem Erstrunden-Aus im Februar gegen Argentinien keine Querelen im Davis-Cup-Team gegeben.

Peter Penders Folgen:

Die aber gab es ja zur Genüge, und sie gipfelten schließlich in der Nichtnominierung des Spitzenspielers Philipp Kohlschreiber für das Relegationsspiel im September gegen Australien. Als diese Partie trotzdem gewonnen wurde, schien Kühnen als großer Gewinner in der Auseinandersetzung dazustehen, dazu noch frisch belobigt vom Präsidium des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) für seine mutige Entscheidung. Auch das aber erwies sich nur als Potemkinsches Dorf – am Mittwoch endete die knapp zehnjährige Zeit von Kühnen als Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams in einer dürren Mitteilung des Münchners: „In den vergangenen Wochen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mir die nötige Unterstützung und Rückendeckung des Deutschen Tennis Bundes fehlt. Ich sehe deshalb keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit und beende an dieser Stelle die Gespräche über die Fortsetzung meiner Tätigkeit mit dem DTB. Dem gesamten Team, meinem Nachfolger und dem Deutschen Tennis Bund wünsche ich für die Zukunft alles Gute.“

Patrik Kühnen © dpa Vergrößern Sie haben nicht harmoniert: Kühnen mit Spieler Kohlschreiber

Dass es so kommen würde, hatte sich nach den Neuigkeiten der vergangenen Tage abgezeichnet. Zuletzt hatte Atlanticlux, der Hauptsponsor des Davis-Cup-Teams, die Zusammenarbeit mit dem DTB aufgekündigt. Der Lebensversicherer gehört zur FWU Group, die wiederum seit Jahren ein privater Sponsor von Kühnen ist. Firmenchef Manfred Dirrheimer beklagte, der DTB habe von Kühnen eine Aufkündigung oder zumindest eine substantielle Veränderung des Engagements verlangt – wohl auch, um auf dem Trikotärmel des Teamchefs bei seinen Davis-CupEinsätzen andere Werbeembleme unterbringen zu können.

Den Vorwurf, der DTB habe Kühnen zum Vertragsbruch aufgefordert, hatte Steeb danach ohne Erfolg zu entkräften versucht: „Eine Aufforderung war es nicht.“ Steeb, einst gemeinsam mit Kühnen im siegreichen Davis-Cup-Team an der Seite von Boris Becker, nannte das Ganze nur eine „technische Frage“ und betonte: „Wir führen gerade viele Gespräche. Es gibt Dinge, die wir lösen müssen.“

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Da ist wohl was dran – nun brauchen sie einen neuen Teamchef und einen neuen Hauptsponsor für den Davis Cup. „Das Maß an Vertrauen ist aufgebraucht“, sagte Firmenchef Dirrheimer, am Mittwoch der Deutschen Presse Agentur, „das Thema ist durch. Professionelle Strukturen kann ich beim DTB mit diesem Präsidium nicht erkennen.“

Unstimmigkeiten im Team

Dass es auch zwischen der Mannschaft und ihrem Kapitän ganz und gar nicht mehr stimmte, hatte sich im Mai deutlich gezeigt. Beim mittlerweile verblichenen World Team Cup in Düsseldorf durfte immer der Spitzenspieler der teilnehmenden Nation sowohl die Mannschaft als auch den Coach nominieren – in Abstimmung mit seinen Kollegen setzte Florian Mayer seinen persönlichen Trainer Tobias Summerer auf die Bank. Beim Davis-Cup-Spiel im September gegen Hamburg aber hatte wieder Kühnen das Sagen – und alle Beteiligten, auch die an der Aktion im Mai beteiligten Mayer und Philipp Petzschner lobten danach den tollen Teamgeist und holten zum Rundumschlag gegen die Medien aus, die versuchten, einen Keil in die Mannschaft zu treiben.

Der allerdings war wohl ohnehin dicker als befürchtet. Bei einer Unterredung mehrerer Spieler am Rande des gerade stattfindenden Turniers in Paris soll sich keiner direkt für Kühnen ausgesprochen und Kohlschreiber eine Rückkehr unter Kühnen ausgeschlossen haben. Hinter vorgehaltener Hand war dagegen häufiger der Vorwurf zu hören, dass das besondere Vertrauensverhältnis des Teamchefs zu Tommy Haas vielen ein Ärgernis war, ein klarer Führungsstil fehle und immer nur der Spieler wichtig sei, der gerade in der Spitzenposition agiere, und es zudem an Kontakt zwischen den Davis-Cup-Partien mangele. Offen sprach dies in Teilen nur der ehemalige Spieler Alexander Waske in einem Interview mit der F.A.Z. vor dem Relegationsspiel gegen Australien aus.

Kein Plan B

Mit seinem Rücktritt kommt Kühnen vermutlich der Entscheidung des Verbandes zuvor, den Vertrag nicht zu verlängern. „Sein Schritt kommt nicht überraschend, da sich in vielen Gesprächen mit Patrik Kühnen und den Spielern abgezeichnet hat, dass ein Neuanfang die beste Lösung für das deutsche Herrentennis ist“, ließ DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg am Mittwoch in einer schriftlichen Mitteilung erklären. Schnellstmöglich wolle man Gespräche mit einem Nachfolger aufnehmen und rechne noch mit einer Entscheidung vor Weihnachten.

Auch da ist wieder Vorsicht geboten. Schließlich hatte Pressesprecher Oliver Quante noch Anfang der Woche gesagt, es gäbe keinen Plan B. Angesichts der vielen Verwirrungen in dieser Sache und bei der Menge an Porzellan, das zerschlagen wurde, könnte dies aber ausnahmsweise stimmen.

Kühnens Bilanz

2002: Deutschland - Venezuela 5:0 (Relegation)
2003: Argentinien - Deutschland  5:0 (Achtelfinale)
Deutschland - Weißrussland 2:3 (Relegation)
2004: Deutschland - Israel 5:0 (Gruppe I, Europa/Afrika)
Slowakei - Deutschland  3:2 (Relegation)
2005: Südafrika - Deutschland  2:3 (Gruppe I, Europa/Afrika)
Tschechien  - Deutschland  2:3 (Relegation)
2006: Deutschland - Frankreich 2:3 (Achtelfinale)
Deutschland - Thailand 4:1 (Relegation)
2007: Deutschland - Kroatien 3:2 (Achtelfinale)
Belgien - Deutschland  2:3 (Viertelfinale)
Russland - Deutschland  3:2 (Halbfinale)
2008: Deutschland - Südkorea 3:2 (Achtelfinale)
Deutschland - Spanien  1:4 (Viertelfinale)
2009: Deutschland - Österreich 3:2 (Achtelfinale)
Spanien - Deutschland  3:2 (Viertelfinale)
2010: Frankreich  - Deutschland  4:1 (Achtelfinale)
Deutschland - Südafrika 5:0 (Relegation)
2011: Kroatien - Deutschland  2:3 (Achtelfinale)
Deutschland - Frankreich 1:4 (Viertelfinale)
2012: Deutschland - Argentinien  1:4 (Achtelfinale)
Deutschland - Australien 3:2 (Relegation)

Quelle: F.A.Z.

 

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