Am Ende war der Ausgang der Geschichte nahezu unausweichlich - wenn sich ein komplettes Team gegen den Trainer oder zumindest nicht für ihn ausspricht, ist die Situation so verfahren, dass nur noch ein klarer Schnitt möglich ist. Dass da etwas nicht in Ordnung war im deutschen Davis-Cup-Team, hätte das Präsidium des Deutsche Tennis-Bundes (DTB) allerdings schon vor Monaten recherchieren können.
Egal welche Eigeninteressen die mitunter mit großem Ego ausgestatteten Spieler auch verfolgen - wenn ihr Urteil so einhellig ausfällt und es so wenig Rückhalt für den Trainer gibt wie nun bei Patrik Kühnen, dann darf man Fehler nicht nur auf einer Seite suchen. Die Querelen aber wurden offenbar unterschätzt und ihre zersetzende Wirkung in der Außendarstellung sowieso.
Dass sich da etwas zusammenbraut, was das Image nachhaltig belasten könnte, war dabei doch so offenkundig. Wenn Kühnen nun mit der Forderung, das Engagement bei einem privaten Sponsor zumindest einzuschränken, zu dem Schritt bewegt werden sollte, von sich aus zurückzutreten, dann ist der Schuss gewaltig nach hinten losgegangen. Der Verlust eines Davis-Cup-Sponsors klingt zwar nur gewaltig und ist aufgrund der vermutlich eher überschaubaren Höhe vielleicht sogar für den nicht auf Rosen gebetteten DTB zu verkraften. Viel gefährlicher aber ist die beißende Kritik dieses Sponsors, mit diesem Präsidium sei ein professionelles Arbeiten nicht möglich.
Nicht von Teamgeist beseelt
Wer kommt nun, oder muss die Frage heißen: Wer tut sich das an? Von Teamgeist war diese Mannschaft nicht unbedingt so beseelt, dass sich jeder Trainer freuen würde, wenn ihm eine DTB-Anfrage ins Haus flattern sollte. Als wenige Tage nach dem Sieg im Relegationsspiel gegen Australien die Auslosung für das kommende Jahr der deutschen Mannschaft die Erstrundenaufgabe eines Auswärtsspiels in Argentinien bescherte, war das Aufstöhnen groß. Doch im Nachhinein gibt dieses Los dem DTB Zeit. Denn egal mit welcher Mannschaft und mit welchem Trainer die Reise im Februar nach Südamerika auch angetreten wird - die Chancen auf einen Sieg bewegen sich im Promille-Bereich.
Ehemalige Davis-Cup-Größen nun heranzuziehen, verbietet sich fast von selbst. Aus den goldenen deutschen Tennistagen waren bis auf Eric Jelen alle schon einmal zuständig, und gerade zurückgetretene Akteure wie Rainer Schüttler oder Alexander Waske sind noch zu nah dran an den Problemen der Vergangenheit. Die wahrscheinlichste Lösung heißt Carsten Arriens, der den unschätzbaren Vorteil hat, dass ein Teil der für den Davis Cup in Frage kommenden Spieler unter seiner Regie in der Bundesliga mit Kurhaus Aachen den Titel gewonnen hat.
Und für eine Übergangszeit böte sich ein Engagement von Niki Pilic an. Dass der ehemalige Kapitän aus der Becker- und Stich-Ära in den Beirat berufen wurde, war eine Überraschung - und könnte sich nun als lang durchdachter Schachzug erweisen. Krisenmanagement aber war bislang nicht die Stärke dieses Präsidiums.