Der lustigste Kommentar zu dieser traurigen Geschichte stammt von einer Leserin des Tennis-Blogs des italienischen Journalisten Ubaldo Scanagatta. Die Frau sieht es als gerechtfertigt an, dass Frederico Luzzi von der ATP Tour mit einer Sperre von zweihundert Tagen und 50.000 Dollar Geldstrafe belegt wurde. Allerdings nicht, weil er zwischen Mai 2004 und April 2007 insgesamt 273 Mal, im Schnitt 40 Euro, auf 836 Tennismatches wettete.
Nein, die Randfigur der Branche setzte nur einmal auf einen eigenen Sieg – allerdings nur drei mickrige Euro. Und wer so wenig Vertrauen in eigenen Fähigkeiten demonstriere, der gehöre bestraft. Und das, obwohl es bei einem Profi, der in der Weltrangliste erst auf Platz 163 auftaucht, verständlich erscheint. Aber auch wenn sein Landsmann Georgio Galimberti, auf Rang 1014 im Niemandsland der Zunft angesiedelt, mehr Mut bewies und 14 Mal auf einen eigenen Sieg setzte – und immerhin neun Mal recht behielt –, nutzte das wenig.
Nur italienische Profis als Wettsünder überführt
Auch er bekam hundert Tage Sperre und 35.000 Dollar aufgebrummt. Insgesamt sind seit Ende vergangenen Jahres damit schon fünf italienische Profis wegen Verstoßes gegen die Anti-Korruptions-Politik der ATP Tour verurteilt worden. Es begann mit Alessio Di Mauro (neun Monate, 60.000 Dollar). Es folgten Daniele Bracciali (drei Monate, 20.000 Dollar) und Potito Starace (sechs Wochen, 30.000 Dollar), immerhin die Nummer eins des Landes.
Was an der Geschichte auffällt: Bisher hat die ATP Tour nur italienische Profis als Wettsünder überführt. Was allerdings auch nicht sonderlich schwer war, denn alle hatten ihre Einsätze mit der eigenen Kreditkarte bezahlt. Aber die gesetzten Summen waren so gering, dass keiner der fünf damit reich werden konnte.
Alle geforderten Telekommunikationsdaten offen
Keiner der fünf Sünder wird verdächtigt, Matches verschoben zu haben. Und noch etwas: Viele der Vergehen datieren aus einer Zeit, in der die ATP Tour noch nicht im Regelwerk den Spielern verboten hatte, auf Tennismatches zu wetten. Deshalb klagen die fünf auch vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS gegen ihre Strafen.
So drängt sich der Verdacht auf, dass die ATP Tour mit der schnellen Aburteilung demonstrieren will, wie sehr sie sich gegen jede Korrumpierung des Tennissports wehrt. Denn im wichtigsten Fall, den Anschuldigungen gegen Nikolai Dawidenko, zieht sich die Geschichte hin wie zäher Brei. Der Russe legte alle geforderten Telekommunikationsdaten offen.
Englische Betfair-Firma verzögert die Aufklärung
Er ließ eine rechtlich zweifelhafte Befragung seiner Ehefrau Irina und seines Bruders und Trainers Eduard in Frankfurt Ende vergangenen Jahres zu. Und trotzdem ist noch immer nicht entschieden, ob der Weltranglistenfünfte am 2. August vergangenen Jahres gegen den Argentinier Martin Vassallo-Arguello in Sopot absichtlich durch Aufgabe verlor und damit Zockern der Internetwettbörse Betfair Millionengewinne ermöglichen wollte.
Die englische Firma Betfair, die sich als Saubermann der leidigen Affäre geriert, hat es bisher nicht einmal fertiggebracht, die Wetter zu fragen, wie sie dazu kamen, hohe Summen auf den argentinischen Außenseiter zu setzen. Dabei führt Betfair angeblich bei allen Wettern eine Identitätsprüfung durch. Dawidenko kommt mittlerweile mit dem überall ihn begleitenden Verdacht relativ gut zurecht, auch weil er sein Turnierprogramm um ein Drittel reduzierte. Dass die beiden Topspieler Federer und Nadal beteuerten, von der Unschuld des Kollegen überzeugt zu sein, hat ihm gutgetan. Aber ein Ersatz für ein endgültiges Urteil, ob Frei- oder Schuldspruch, ist es nicht.