Es waren spannende Tennisspiele, die New York am Final-Sonntag zu sehen bekam: Roger Federer gegen Novak Djokovic, Ivan Lendl gegen John McEnroe, „Buzz“ gegen die Auswahl „Sportimes“ aus der amerikanischen Operettenliga World Team Tennis. Nett anzuschauen, aber leider von gestern, vorgestern oder von 1985 – und alles nur als Fernsehaufzeichnung.
Das Spiel, auf das Amerika und die Tenniswelt gewartet hatten, fiel dagegen ins Wasser. Es regnete nicht in Strömen, aber es nieselte ständig über Flushing Meadows, also musste das Herren-Finale anno 2010 zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic verschoben werden. Endspieltag ist wegen anhaltender Niederschläge also an einem Montag. So wie im Vorjahr. Und wie im Vorvorjahr. Hört das denn nie auf?
Zum dritten Mal nacheinander und zum vierzehnten Mal in den vergangenen 75 Turnierjahren fand der sportliche Höhepunkt des Turniers erst am Tag danach statt. Das war im aktuellen Fall gut für den müden Djokovic, der erst 22 Stunden vor dem ursprünglich angesetzten Endspieltermin sein Halbfinale gegen Roger Federer beendet hatte. Es war schlecht für den Rest: für jene Zuschauer, die von weither angereist kamen, aber kein Tennis sehen konnten und ihre Tickets wieder loswerden mussten, und es war schlecht für die übertragende Fernsehanstalt CBS und andere Berichterstatter.
Stehen wieder Lendl und McEnroe im Finale?
Am wenigsten zu bedauern ist der amerikanische Tennisverband USTA, der die US Open veranstaltet, wegen der entgangenen Einnahmen, der zusätzlichen Kosten und der Einbußen an Fernsehzuschauern. John McEnroe, einst Tennisprofi und heute Fernsehkommentator, warf den Verantwortlichen schon in der Vergangenheit vor, dass sie lieber das größte Stadion der Welt hatten errichten wollen als ein kleineres, aber wetterfestes.
Eine Entscheidung über ein mobiles Dach werde geprüft, hieß es wie stets von der USTA, es würde aber eine Stange Geld kosten. Und das in Zeiten, in denen auch die US Open unter der Wirtschaftslage zu leiden haben. Günstigere Gelegenheiten hat der Verband aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten verstreichen lassen.
In den vergangenen beiden Wochen war das Wetter besonders wechselhaft. In den ersten Tagen herrschte beinahe Rekordhitze, danach kamen heftige Winde, zum Schluss der XXL-Nieselregen. Gegen solche Umschwünge wappnen sich die drei anderen Grand-Slam-Standorte: Die Australian Open haben längst ein Dach über zwei Hauptplätzen, das konservative Wimbledon besitzt seit vorigem Jahr eine hundert Millionen Euro teure Falt-Folien-Konstruktion über dem Centre Court, die Veranstalter der French Open wollen unbedingt ein wettergeschütztes Stadion.
Weil das Projekt in Roland Garros am Widerstand von Anwohnern und Umweltschützern zu scheitern droht, erwägen die Veranstalter sogar einen Umzug von der Traditionsstätte weg ins Pariser Disneyland oder nach Versailles. Das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York dagegen macht weiter, als ob es Wind und Wetter nicht gäbe. Gut möglich, dass Lendl und McEnroe auch nächstes Jahr wieder im Finale stehen.