04.03.2010 · Schlechte Nachrichten für das deutsche Herrentennis: Die jungen Spieler sehen den Davis Cup als unnötige Last. Die älteren kämpfen mit Verletzungen und können mit der Generation Power-Tennis kaum noch Schritt halten. Es heißt langsam Abschied nehmen.
Von Thomas KlemmEs heißt langsam Abschied nehmen im deutschen Herrentennis: Abschied nehmen von der Generation der mittlerweile über Dreißigjährigen, die im Herbst ihrer Karriere von ihrem Körper beinahe ebenso oft besiegt werden wie von der Konkurrenz. Und Abschied nehmen von der vagen Hoffnung, ein Ensemble deutscher Einzelkämpfer könnte den Davis Cup womöglich so wichtig nehmen, dass ein vierter Erfolg im wichtigsten Tennis-Mannschaftswettbewerb in absehbarer Zeit möglich ist.
Das deutsche Herrentennis, das zuletzt nahezu unbemerkt einen zarten Aufschwung erlebt hat, wird in diesen Tagen von schlechten Nachrichten wieder zurückgeworfen: Thomas Haas, als Weltranglistenachtzehnter die Spitzenkraft hierzulande, hat sich an der rechten Hüfte operieren lassen müssen und fällt wohl ein halbes Jahr aus; daneben zeigt eine Reihe von jüngeren Kollegen Patrik Kühnen die kalte Schulter, so dass der Davis-Cup-Teamchef mit einer um Philipp Kohlschreiber gebildeten Not-Truppe zur Erstrundenpartie nach Frankreich hat reisen müssen.
Während der aus Petzschner, Mayer, Berrer und Zverev bestehenden Koalition der Davis-Cup-Unwilligen noch reichlich Zeit bleibt, um sich künftig eines Besseren zu besinnen, läuft die Uhr merklich ab für Haas und den Rest der Ü-30-Generation. Für jene Generation also, die sich als verlorene fühlt, weil sie stets im Schatten ihrer erfolgreicheren Vorgänger Boris Becker und Michael Stich stand, und weil sie ihre eigenen Träume von Grand-Slam-Titeln und Davis-Cup-Triumphen nicht hat verwirklichen können. „Keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht“, sagte Haas, der nach drei Schulteroperationen erfolgreich zurückkehrte, sich aber nun wieder Gedanken über ein Leben nach dem Profitennis machen muss.
Schleichender Abschied
Die Ungewissheit teilt der fast Zweiunddreißigjährige, der im vorigen Jahr bei den French Open und in Wimbledon noch ein (letztes?) Mal zur deutschen Galionsfigur avancierte, mit drei Altersgenossen, die auf den letzten Metern ihrer Laufbahn auch mehr taumeln als schreiten.
Der fast 33 Jahre alte Nicolas Kiefer, längst aus den Top 100 der Weltrangliste gestürzt, laboriert an den Folgen einer Leistenoperation; der demnächst 34 Jahre alt werdende Rainer Schüttler, auf Position 89 geführt, kann mit der Generation Power-Tennis kaum noch Schritt halten und hat in diesem Jahr erst ein Match gewonnen; und der fast 35 Jahre alte Alexander Waske, im Davis Cup als Antreiber und Doppel-Spezialist einst eine feste Größe, wird seit zwei Jahren ständig von einer Armverletzung zurückgeworfen.
Der schleichende Abschied der Jungsenioren wäre für das deutsche Tennis leichter zu verkraften, wenn die Jüngeren für einen neuen Aufbruch stehen würden. Aber die meisten von ihnen erlauben sich dieselben Fehler wie ihre Vorgänger: Als Einzelkämpfer begreifen sie den Davis Cup nicht als große Chance, sondern als unnötige Last.